POLITIK
20/09/2018 12:01 CEST | Aktualisiert vor 11 Stunden

Wahl-O-Mat für die Bayern-Wahl 2018 ist online – was ihr wissen müsst

Was ist der Wahl-O-Mat? Wer steckt dahinter?

Bayerische Landeszentrale fur Politische Bildung
  • Der Wahl-O-Mat für die Landtagswahl in Bayern ist nun online.
  • Er soll den Wählern zeigen, welche Parteien am besten zu ihren politischen Einstellungen passen.

Am 14. Oktober ist Landtagswahl in Bayern. Sie dürfte besonders spannend werden.

Der CSU droht aktuellen Umfragen zufolge der Verlust der absoluten Mehrheit. CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte, er gehe davon aus, dass sich die Hälfte der Wähler noch nicht entschieden habe.

Möglich, dass der Wahl-O-Mat den Unentschlossenen hilft.

Hier kommt ihr zum Wahl-O-Mat für die bayerische Landtagswahl 2018.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Wahl-O-Mat:

 

Was ist der Wahl-O-Mat?

Der Wahl-O-Mat ist ein Frage-und Antwort-Tool und soll die politischen und gesellschaftlichen Übereinstimmung der Nutzer mit zur Wahl antretenden Parteien überprüfen.

2002 hat die Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) das Tool erstmals angeboten. Inzwischen gibt es ihn für jede Landtags-, Bundestags- und Europawahl. Die Idee war aus den Niederlanden übernommen worden.

Mittlerweile gibt es ihn auch als App für iOS und Android und Windows.

 

Wie ist der Wahl-O-Mat aufgebaut? 

Auf 38 Thesen kann der potentielle Wähler mit den Antwortmöglichkeiten “ich stimme zu”, “ich stimme nicht zu” und “neutral” reagieren. Er kann jedoch auch Themen überspringen, sollte er diese nicht beantworten wollen oder können.

Beispielhafte Aussagen des Wahl-O-Mats der vergangenen Bundestagswahl im September 2017 sind die persönlichen Einstellungen etwa zum Braunkohleabbau oder zur “Obergrenze” für Asylbewerber.

Thesen, die von besonderem Interesse sind, können auch gewichtet werden. Gewichtete Thesen zählen dann doppelt in die Auswertung.    

 

Wie werden die Themen für den Wahl-O-Maten bestimmt? 

Ein Team aus Experten und Jungwählern durchforstet mehrere Monate vor der Wahl die Wahlprogramme der Parteien nach Thesen und wählt die zentralen Punkte speziell für die jeweilige Wahl aus. Für die Landtagswahl in Bayern sind so 38 Thesen ausgewählt worden.

Jede Partei teilt dann ihre Haltung zu diesen Thesen mit: Sie sagt, ob sie der These zustimmt, sie ablehnt oder sie neutral bewertet.

Zudem können die einzelnen Parteien auch eine Begründung für ihre Position hinzufügen. Diese wird, sollte sie keine Unstimmigkeiten oder Fehler enthalten, in den Wahl-O-Maten eingespeist. 

 

Welche Parteien kann man auswählen?

Alle Parteien, die mit einer Landesliste für die bayerische Landtagswahl zugelassen sind, wurden für den Wahl-O-Maten angefragt. 

 

Diese Parteien und Wählergruppen sind in Bayern aktiv: 

  • Allianz Deutscher Demokraten
  • Alternative für Deutschland (AfD)
  • Arbeitnehmer und Rentner Union (ARU)
  • Bayernpartei (BP)
  • Bündnis 90/die Grünen
  • Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU)
  • Die Linke
  • Freie Demokratische Partei (FDP)
  • Freie Wähler Bayern
  • Liberal-Konservative Reformer – Die Euro-Kritiker
  • Mut
  • Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP)
  • Partei der Humanisten
  • Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die PARTEI )
  • Partei für Franken
  • Partei für Gesundheitsforschung
  • Partei Mensch Umwelt Tierschutz
  • Piratenpartei Deutschland
  • Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
  • Soziale Bürgervereinigung Deutschland (SBvD)
  • V-Partei - Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer V-Partei
  • WasserPartei Deutschland-WPD – Die NaturWeißen (Die PlanetBlau)

Da allen Parteien das Recht gewährt werden muss, im Wahl-O-Maten zu erscheinen, können laut BPB gegegebenenfalls auch Parteien im Tool zur Auswahl stehen, die unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen oder als extremistisch eingestuft werden. 

Um den Wahl-O-Mat nutzen zu können, müssen die potentiellen Wähler sich maximal acht Parteien aussuchen, die dann in ihrem Ergebnis berücksichtigt werden. Die Auswahl der Parteien kann der Nutzer beliebig oft ändern.

Damit soll verhindert werden, dass der Wahl-O-Mat aktiv Wahlempfehlungen ausgibt. Vielmehr soll sich der Nutzer bereits im Vorfeld Gedanken machen, welche Parteien für ihn in Frage kommen würden.

Dann prüft das System anhand der Antworten, die der User angeklickt hat, mit welcher Partei er wie viel Übereinstimmung hat.

 

Wie wird das Ergebnis errechnet?

Um zu prüfen, wie gut oder schlecht die Meinung eines Users mit den verschiedenen Parteien übereinstimmt, werden bei jeder These, die der potenzielle Wähler beantwortet, Punkte gezählt:

Stimmt der User mit einer These überein, gibt es zwei Punkte für alle Parteien, die derselben Ansicht sind.

Steht der User der These neutral gegenüber, vergibt der Wahl-O-Mat einen Punkt an die entsprechenden Parteien.

Lehnt der User eine These ab, gibt es null Punkte für die Parteien, die ihr zustimmen.

Am Ende bekommen die potentielle Wähler in einem Balkendiagramm die Parteien angezeigt, die prozentual die meisten Übereinstimmungen mit den eigenen Antworten hatten.  

 

Wer steckt hinter dem Wahl-O-Mat?

Die Wahl-O-Maten werden von den Zentralen für Politische Bildung in Deutschland online gestellt. Die Bundeszentrale BPB übernimmt zum Beispiel den Wahl-O-Maten für die Bundestagswahlen, sie ist eine Behörde, die zum Bundesinnemnisterium gehört.

Für den Bayern-Wahl-O-Mat zeichnet die Bayerische Landeszentrale für Politische Bildung verantwortlich, die beim Kultusministerium angesiedelt ist.

Teams aus Erst- und Jungwählern sowie Politikwissenschaftler, Pädagogen, Statistiker und Experten erarbeiten gemeinsam in Workshops wie oben dargestellt die Themen des Wahl-O-Maten für den bayerischen Landtagswahlkampf 2018 und überprüfen die Antworten der Parteien auf Fehler und Unstimmigkeiten. 

 

Wer nutzt den Wahl-O-Mat? 

Insgesamt wurde der Wahl-O-Mat vor Wahlen bereits über 67 Millionen Mal genutzt.

Obwohl die Daten zwischen den verschiedenen Wahlen schwanken, ist die Mehrheit der Wahl-O-Mat-User männlich. Ein Drittel von ihnen ist unter 30, drei Viertel besitzen einen akademischen Abschluss und zwischen 5 und 15 Prozent der Nutzer sind Mitglieder einer politischen Partei. 

Laut einer freiwilligen Umfrage nach Nutzung des Wahl-O-Mats erkennen 60 bis 75 Prozent der Nutzer durch ihn klarer die Unterschiede zwischen den Parteien, drei Viertel der Nutzer werden auf landespolitische Themen aufmerksam gemacht und über 90 Prozent der Nutzer mit politischer Positionierung finden sich genau in ihrer präferierten Partei wieder.   

Zehn bis zwanzig Prozent der Wahl-O-Mat-Nutzer erhoffen sich von dem Tool Orientierung für die eigene Wahlentscheidung.

 

Wie aussagekräftig sind die Ergebnisse?

Trotz der umfangreichen Möglichkeit, die der Wahl-O-Mat für die Erstinformation bietet, handelt es sich bei ihm natürlich nur um eine Hilfe für die Wahl, die auf gekürzten und speziell ausgewählten Themen basiert. Er ist keine vollständige Wahlempfehlung.

Es empfiehlt sich daher nach der Auswertung, die angefügten Antworten der einzelnen Parteien zu den verschiedenen Thesen zu lesen, um sie mit seinen eigenen Ansichten abzugleichen.

Außerdem geht es letztlich aufgrund der Themenbezogenheit nur um die Partei, also die Zweistimme, obwohl selbstverständlich auch die Erststimme einen Einfluss auf den Ausgang der Landtagswahl hat (siehe unten). 

Oft wird kritisiert, dass dem Nutzer Parteien angezeigt werden, mit denen er sich nicht identifizieren kann. Dem kann man aber durch ein sorgfältiges Auswählen vorbeugen.  

Gerade themenbezogen kann der Wahl-O-Mat daher als sehr aussagestark gelten.   

 

Gibt es Alternativen zu Wahl-O-Mat? 

In Bezug auf die Erststimme ist es immer wichtig, sich auch über die eigenen Wahlkreiskandidaten zu informieren. Gleiches gilt abgesehen von den Themen auch für die Spitzenkandidaten der jeweiligen Parteien.  

Die Zentralen für politische Bildung verlinkt zu allen angesprochenen Themen auf weiterführende Informationen.

Je nach Wahl bieten auch andere Einrichtungen Tools an, die dem Wahl-O-Mat ähneln. Beispiele hierfür sind der Sozial-O-Mat der Diakonie Deutschland, die Wahlhilfe für Landwirte des Magazins “Agrar Heute”, der “Digital-Thesen-Check”, “DeinWahl.de” und natürlich der “WahlSwiper” von Tinder. 

Vieles spricht jedoch dafür, dass der Wahl-O-Mat auch bei der Landtagswahl 2018 in Bayern das meistgenutzte Wahlhilfe-Tool sein wird.   

(sk)