POLITIK
07/10/2018 22:31 CEST

Wahl des Vize-Fraktionschefs: Union begehrt erneut gegen Merkel auf

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Hannibal Hanschke / Reuters
Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel

► Die Unionsfraktion wählt am Dienstag ihren neuen Vize-Vorsitzenden. Nach Medienberichten vom Wochenende gibt es überraschend viele Bewerber dafür.

► Neben Andreas Jung (43), Chef der Landesgruppe Baden-Württemberg, wollen laut “Welt am Sonntag” (“Wams”) auch der Olav Gutting (47) und Axel Fischer (52) (beide ebenfalls aus Baden-Württemberg) antreten.

Warum das für CDU-Chefin Merkel brisant werden könnte:

► CDU-Chefin Angela Merkels Rückhalt in der Fraktion bröckelt massiv. Ende September hatte die Fraktion den bisherigen Vize Ralph Brinkhaus zu ihrem Vorsitzenden gewählt, gegen den ausdrücklichen Wunsch Merkel, ihren Vertrauten Volker Kauder noch einmal im Amt zu bestätigen.

Und so, wie es nun aussieht, könnte ihr auch der neue Vize-Fraktionschef in die Quere kommen, der sich um die Themen Haushalt und Finanzen kümmert.

► Der Jurist Gutting ist seit Jahren Mitglied im Finanzausschuss fährt eine deutlich konservativere Linie als Merkel

2015 hatte er sich gegen Merkel gestellt, als er sich für die Zurückweisung von Flüchtlingen an der deutschen Grenze aussprach. Bei den Koalitionsverhandlungen Anfang des Jahres kritisierte er Merkel indirekt. Er fand, die CDU habe sich unnötig in eine “miserable Verhandlungsposition” manövriert. Und Ende September sagte er dem “Mannheimer Morgen”, die Koalition stehe hinter Merkel, aber sie solle den Parteivorsitz “irgendwann” abgeben.

Nach Informationen der “Wams” sähen die AG Finanzen und der Wirtschaftsflügel der Union Gutting gern im neuen Amt. 

Fischer, ebenfalls Haushaltspolitiker, will unbedingt einen Fachmann auf dem Vize-Posten sehen. Also nicht den auf Europa-Themen und Umwelt abonnierten Jung. Fischer sagte der “Wams”, er wolle nicht unbedingt Vize werden, aber um Jung zu verhindern, würde er antreten.

Jung dagegen liegt eher auf Merkels Linie. Laut “Wams” versuchte ein Vertrauter der Kanzlerin daher, die Konkurrenten einzubremsen – bislang offenbar ohne Erfolg.

Was ihr noch über die Abstimmung wissen müsst:

Es kann gut sein, dass die Mehrheit der Fraktion Jung stützt. Doch allein die Tatsache, dass es erneut gegen den Willen Merkels zu einer Kampfabstimmung kommen könnte, zeigt, wie Merkels Macht bröckelt.