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29/08/2018 10:26 CEST

Revolutionärer Supermarkt: Hier arbeiten die Kunden selbst mit

In Paris hat Europas erster kooperativer Supermarkt eröffnet.

gopixa via Getty Images
In Paris existiert ein neues und erfolgreiches Supermarktsystem.

Der erste kooperative Supermarkt Europas, das La Louve in Paris, basiert auf einem einfachen Konzept: 

Als Mitglied der zugehörigen Genossenschaft drei Stunden des Monats bei der Arbeit im Markt mit anpacken, dafür die Waren billiger einkaufen können. 

Wie die vorteilhafte Arbeit konkret aussieht, ist dabei unterschiedlich. Ob Einräumen in den Regalen, an der Kasse oder der Theke, am Ende lockt die Vergünstigung für das eigene Essen. 

Und das Beste daran: Die angebotenen Waren sind nicht nur preiswert, sondern größtenteils auch noch nachhaltig und ohne Verpackungen produziert .  

Wie das funktioniert?

Weil die Kunden im La Louve mitarbeiten, sind nur sieben Personen im La Louve fest angestellt. Daher kann der Markt Waren um 20 Prozent billiger anbieten als größere Handelsketten.

Das hat zahlreiche soziale Vorteile, wie das folgende Video zeigt:  

Preiswerte und hochqualitative Lebensmittel 

Besonders Menschen mit weniger Geld profitieren von diesem System. Ihnen wird dadurch ermöglicht, sich gut und gesund zu ernähren.

Immerhin sind 80 Prozent der Lebensmittel im La Louve nachhaltig und biologisch produziert und stammen von Bauern und Produzenten aus dem regionalen Umkreis von Paris.   

Gleichzeitig verzichtet der Laden aus ökologischen Gründen auch größtenteils auf Verpackungen und spart damit im Gegensatz zu anderen Discountern eine Menge Müll.   

Die Idee kam Mitbegründer Tom Boothe aufgrund persönlicher Erfahrungen, wie Utopia berichtet. Als Mensch mit wenig Geld wollte er sich trotzdem gut ernähren können.  

Weder hatte er das Ersparte, um sich teure Lebensmittel zu leisten, noch wollte er billige und schlechte Artikel im Supermarkt erwerben. 

Andere Möglichkeiten bieten herkömmliche Supermarktketten Konsumenten seiner Meinung nach nicht.    

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Der kooperative Supermarkt konnte nach einer einjährigen Testphase im November 2017 offiziell im 18. Arrondissement eröffnen. 

Vorbild hierzu war der Park Slope Food Coop, eine Kooperative aus New York, die bereits seit 1973 nach dem beschriebenen System vorgeht.

Gut möglich, dass das Prinzip des kooperativen Supermarkts in Zukunft also auch weiter in die Welt ausstrahlt. 

Der kooperative Supermarkt als Vorbild für Deutschland?

Auch in Deutschland gibt es schon lange Bewegungen, die sich gegen das Einkaufen in herkömmlichen Discountern richten. 

In der Kritik stehen dabei vor allem Billigwaren schlechter Qualität und zu teure Bioprodukte. 

Die Genossenschaft “Die Kooperative” aus dem Frankfurter Raum versucht, die Direktverbindung zwischen ländlichen Produzenten und Verbrauchern zu stärken. Damit sollen die Preise gesenkt und kleinere Betriebe entlastet werden. 

Internetseiten wie Foodcoops fördern und betreuen die Gründung solcher Lebensmittelkooperativen in Deutschland, die sich gegen herkömmliche Supermarktketten richten.  

Und in Berlin existieren Rettermärkte, die gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen wollen. Sie bringen gerade erst abgelaufene und hochwertige Produkte preisgünstig zurück auf den Markt.  

Einen kooperativen Supermarkt gibt es in Deutschland jedoch noch nicht. Aber dass sich ein solches Konzept lohnen würde, dafür sprechen einige Vorteile.

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Eine kooperative Bereicherung für das Viertel

In Paris zeigen sich jedenfalls in der unmittelbaren Nachbarschaft bereits die positive Impulse, die vom La Louve ausgehen. 

Zum einen wird durch das konsequente Anpacken in Zweierteams das Gemeinschaftsgefühl des Viertels gestärkt. Viele neue Menschen lernen sich so kennen. 

Zum anderen sieht sich das La Louve in einer bildenden Rolle gerade auch für die vielen Einwanderer im Viertel. Die Arbeit im kooperativen Supermarkt lehre Verantwortung und sei vorbildlich in ihrer Offenheit für jedermann.

Interessante Ansätze, die sicher auch in Deutschland zu wünschenswerten Ergebnissen führen könnten.