POLITIK
07/06/2018 22:48 CEST | Aktualisiert 08/06/2018 11:17 CEST

Trump blickt auf Treffen mit Kim Jong-un – ein Satz sollte uns Sorgen machen

Auf den Punkt.

NICHOLAS KAMM via Getty Images
US-Präsident Donald Trump während der Pressekonferenz mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe. 

Der 12. Juni. Ein Tag, der in die Geschichtsbücher eingehen könnte – oder in einem kompletten Desaster enden.

Am kommenden Dienstag werden sich US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un in Singapur treffen. Zwei Staatschefs, die sich und die Welt noch vor wenigen Monaten mit Atomraketen bedrohten. Die sich nun aber lieber Briefe schicken – mit “sehr warmherzigem” und “sehr nettem” Inhalt, wie Trump am Donnerstag erzählte. 

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe hat sich Trump aber auch umfänglich zu dem bevorstehenden Gipfel mit Nordkorea geäußert.

Was der US-Präsident gesagt hat und warum uns dabei besonders eine Aussage zu Denken geben sollte – auf den Punkt gebracht

Was Trump vom Treffen mit Kim Jong-un erwartet:

► Trump ist nach eigenen Worten startklar für das Gipfeltreffen mit Kim Jong-un in Singapur. “Es ist alles bereit für den Gipfel, dass er beginnen kann.”

► Der US-Präsident schloss jedoch grundsätzlich selbst eine kurzfristige Absage nicht völlig aus. Alles könne notfalls auch geändert werden.

► Er betonte aber: Der Gipfel sei mehr als nur ein Fototermin, wenngleich aus seiner Sicht mehrere Treffen notwendig sein könnten. “Es ist ein Prozess”, sagte er. 

► Und schwärmte: “Wir haben das Potenzial, etwas Unglaubliches für die Welt zu schaffen. Und es ist mir eine Ehre, daran beteiligt zu sein.”

Welche Ergebnisse der Gipfel bringen könnte:

► Trump stellte ein Friedensabkommen mit Nordkorea in Aussicht. “Es ist möglich, dass wir ein Abkommen unterzeichnen, das wäre ein erster Schritt.” Gespräche darüber seien im Gange, sagte Trump. Nach dem 1953 militärisch beendeten Koreakrieg hat es nie einen Friedensvertrag gegeben.

► Das Hauptziel der USA, die komplette nukleare Abrüstung des kommunistischen Regimes, sei möglicherweise nicht bei einem einzigen Gipfeltreffen zu erreichen, erklärte Trump hingegen. 

► Er erneuerte aber am Donnerstag seine Forderung an Nordkorea nach dem Abbau von Atomwaffen und bekräftigte, die Sanktionen vorher nicht lockern zu wollen. 

► Trump erwägt es zudem, Kim in die USA einzuladen, sollte das Gipfeltreffen mit ihm gut verlaufen. Der US-Präsident wünsche sich eine “Normalisierung” der Beziehungen. 

►Tomas Ojea Quintana, Sonderberichterstatter des UN-Menschenrechtsrates, fordert von Nordkorea als Zeichen des guten Willens die Freilassung hunderter Gefangener.

► Quintana wisse nicht, wie viele Menschen genau in Lagern für politische Gefangene festgehalten würden. Eine UN-Kommission schätzte die Zahl 2014 jedoch auf 80.000 bis 120.000.

Warum uns eine Aussage Trumps besonders Sorge bereiten sollte: 

► Der US-Präsident glaube, er sei sehr gut auf das Treffen vorbereitet. Doch der dann nachfolgende Satz sollte aufhorchen lassen: “Ich glaube nicht, dass ich mich sehr vorbereiten muss”, erklärte Trump. Wohlgemerkt: Ein Mann, der selbst die Nationalhymne seines Landes vergessen zu haben scheint.  

► Trumps Behauptung, sich nur oberflächlich vorbereiten zu müssen, könnte sich als fataler Trugschluss erweisen – gerade in Anbetracht des wohl wichtigsten politischen Ereignisses dieses Jahres.

► Zwar ist nicht viel über Kims Verhandlungsgeschickt bekannt. Doch zumindest bei den Treffen mit Südkoreas Präsident Moon Jae-in präsentierte sich Kim als ehrwürdiger Staatsmann sowie als höflicher und seriöser Gast

► Ganz anders Trump: Der ist alles andere als ein Diplomat. Nicht nur seine ungestüme und bisweilen rüpelhafte Art, auch seine nur kurze Aufmerksamkeitsspanne könnten das Treffen zu einem Desaster werden lassen.

► Viel wird wohl auch von Trumps Beratern abhängen, um eine erneute Verhärtung der Fronten zu vermeiden. Doch mehrere Beteiligte an den Vorbereitungen zum Gipfel hatten sich schon im Mai besorgt gezeigt, ob Trump mit seiner Strategie überhaupt erfolgreich sein werde. 

► Immerhin scheint Trump zu wissen, dass viel auf dem Spiel steht – besonders für den Verbündeten Südkorea. “Sie leben mit der Bedrohung durch einen Krieg von Beginn an”, sagte Trump.

Auf den Punkt:

Die Messlatte beim Gipffeltreffen zwischen Donald Trump und Kim Jong-un liegt hoch, keine Frage. Doch die neuesten Aussagen Trumps verstärken das ungute Gefühl, dass er das Zusammenkommen zu leicht nimmt. Eine erneute Verschärfung des Konfliktes wäre dann eine mögliche Folge. 

Mit Material von dpa.

(jg)