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24/09/2018 18:17 CEST | Aktualisiert 24/09/2018 18:24 CEST

Vor 10 Jahren stellte ich Fotos meines Sohnes online – heute bereue ich es

Mein Sohn fühlte sich geradezu bloßgestellt.

Sally Anscombe via Getty Images
Heute süß – und in zehn Jahren vielleicht peinlich fürs Kind.

“Mama, ich kann nicht glauben, dass du mir das antust! Das ist so peinlich, lösch das, jetzt!” Mein 14-jähriger Sohn kam gerade aus der Schule, nachdem er eine Unterrichtsstunde über Sicherheit im Internet gehabt hatte.

Der Lehrer sagte, die Kinder sollten ihre Namen googeln und die Ergebnisse analysieren. Mein Sohn fand ein Foto von sich selbst. Es wurde aufgenommen, als er vier Jahre alt war – auf dem Bild steht er neben seiner jüngeren Schwester, beide tragen Prinzessinnenkleider.

Ich habe das Foto vor zehn Jahren gemacht, nach einem süßen Rollenspiel der beiden. Ich habe es bei einem Online-Wettbewerb eingesendet, als nach der “süßesten britischen Prinzessin” gesucht wurde.

Ich wurde eines Besseren belehrt

Ich dachte, es wäre ein gutes Bild, um Geschlechterstereotype aufzumischen. Traurigerweise hat das Bild nicht gewonnen, aber es schaffte es irgendwie auf die Webseite der Wettbewerbs-Organisatoren.

Ich suchte panisch nach einem Weg, das Bild zu löschen, aber es klappte nicht. Ich schrieb eine E-Mail an die Organisation, der die Seite gehört – glücklicherweise wurde das Foto nach einer Woche gelöscht.

Durch diese Erfahrung lernte ich eine Menge über das Teilen von Kinderfotos im Internet – ich machte mir Gedanken darüber, ob es moralisch sei, Bilder von seinen Kindern zu posten und mir wurde bewusst, dass sie langfristig online bleiben würden.

Jetzt gehe ich ganz anders damit um.

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Kindheitserinnerungen sind öffentlich zugänglich

Unsere Kinder wachsen in einem neuen Zeitalter auf, in dem Eltern beinahe jedes Detail ihres Lebens online stellen. Ich frage mich, wie diese “Insta-Kids” das finden werden, sobald sie älter sind.

SARAH OCKWELL-SMITH
Ich bin froh, dass es noch kein Internet gab, als das Foto aus meiner Schulzeit gemacht wurde.

Werden sie sich darüber freuen und zu schätzen wissen, dass ihre Kindheitserinnerungen gut aufbewahrt und leicht ersichtlich aufzurufen sind?

Oder werden sie wie mein Sohn reagieren: Peinlich berührt darüber, dass ihre Leben offengelegt wurden, geradezu bloßgestellt vor allen (sowohl bildlich als auch wortwörtlich, wenn man zum Beispiel Fotos bedenkt, die in der Badewanne aufgenommen wurden).  

“Alle” beinhaltet Klassenkameraden, zukünftige Arbeitgeber und Kollegen.

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Verstehen Kinder die Konsequenzen?

Natürlich kommen bei solchen Fällen eine Menge ethischer Fragen auf: Sind Kinder überhaupt in der Lage, den Sachverhalt so weit zu verstehen, dass sie dem Teilen ihrer Bilder zustimmen können?

Verstehen sie, dass wenn ein Bild einmal geteilt wird, es für immer da draußen sein wird (denn selbst wenn es später gelöscht wird, können andere User das Foto abspeichern oder einen Screenshot machen)?

Verstehen sie, dass wenn sie heute etwas süß finden, sie dafür eventuell in zehn Jahren gemobbt werden könnten?

Ab welchem Alter sind Kinder fähig, reife Entscheidungen zu treffen und ihre Zustimmung zu geben? Und sollten Eltern die Macht haben, bis dahin Entscheidungen über die Köpfe ihrer Kinder hinweg zu treffen?

Dürfen Eltern finanziell davon profitieren, wenn sie Fotos ihrer Kinder für Werbung oder gesponserte Posts verwenden?

Wenn ja, ist es in Ordnung, wenn das verdiente Geld für die Zukunft ihrer Kinder gespart wird? Oder dafür benutzt wird, sie zu ernähren und ihnen Kleidung zu kaufen?

Es ist eine Frage der Sicherheit

Es ist auf jeden Fall ein Mienenfeld – vor allem, wenn Bilder ohne richtige Einstellungen der Privatsphäre geteilt werden. Dabei ist die Sicherheitsfrage doch so wichtig.

Sarah Ockwell-Smith
Ein weiteres Foto, dass mich heimgesucht hätte, wenn es zu meiner Jugendzeit im Internet gelandet wäre.

Wie einfach wäre es, herauszufinden, wo ein Kind lebt, basierend auf örtlichen Wahrzeichen, Schuluniformen oder Taschen auf den Fotos – Kriminelle könnten so schnell das Kind als potentielles Opfer erfassen.

Dieser Gedanke ist zu beängstigend, um ihn zuzulassen – vor allem, wenn ich an einige Profile denke, die ich bisher gesehen habe, und wie einfach es bei ihnen wäre, den Kindern im wahren Leben aufzulauern.

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Wir müssen alle mehr darüber nachdenken

Damit möchte ich nicht sagen, dass wir aufhören sollten, Fotos unserer Kinder zu teilen, aber ich denke, wir sollten ihre Gefühle berücksichtigen – beide, die aktuellen und zukünftigen.

Und auch sollten wir darüber nachdenken, wie wir Fotos von ihnen verwenden und welche Auswirkung es hat, wenn wir sie teilen.

Ich teile Fotos von meinen Kindern heute nur noch auf meinem privaten Facebook-Profil, auf dem ich 70 “echte” Freunde habe – und die höchsten Sicherheitseinstellungen.

Und wenn meine Kinder mich darum bitten, ein Bild nicht zu teilen, höre ich auf sie. Das muss nicht jeder so machen, aber ich glaube, wir müssen alle ein bisschen mehr mitdenken.

Dieser Blog erschien zuerst bei der HuffPost UK und wurde von Martina Zink aus dem Englischen übersetzt und angepasst.

 

(ak)