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31/12/2017 14:35 CET | Aktualisiert 31/12/2017 14:41 CET

Von wegen Katastrophenjahr: Wieso die Welt 2017 ein besserer Ort geworden ist

Ganz so schlecht, wie viele glauben, steht es nicht um uns.

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2017 war für viele ein Jahr des Protests gegen Trump.
  • Viele Dinge haben sich im abgelaufenen Jahr zum Guten gewendet
  • Wir haben 8 Anzeichen gesammelt, dass die Welt ein besserer Ort ist, als noch vor einem Jahr

Wer auf Vergangenes zurückblickt, der tut das nicht selten mit Wehmut, mit einer romantisierenden Nostalgie. Allein am Jahresende scheint das anders zu sein. Dann heißt es häufig: Es war ein Katastrophenjahr.

Auch Ende 2017 überwiegen die düsteren Erinnerungen in den Jahresrückblicken der Medien und in den sozialen Netzwerken.

Die Liste der Schwarzmaler ist lang: Donald Trump, die gescheiterte Regierungsbildung in der Bundesrepublik, Populisten im Bundestag und in etlichen anderen EU-Parlamenten, verheerende Terroranschläge in Europa, den USA und überall auf der Welt, Kriege, Umweltdesaster, Armut, Leid. 

Und doch gibt es zahlreiche Anzeichen dafür, dass das abgelaufene Jahr gar nicht so schlecht war, wie viele glauben. Im Gegenteil: 2017 hat die Welt zu einem besseren Ort gemacht.

Ihr wollt Beweise? Hier sind 8:

1. Naturkatastrophen waren weniger tödlich als zuvor

Die Bilder des verheerenden Hurrikans Irma in den USA und des Sturms Xavier in Deutschland und Mitteleuropa sind vielen wohl noch in bester Erinnerung. Gleichzeitig belegen Statistiken: Naturkatastrophen haben im abgelaufenen Jahr weniger Menschenleben gekostet, als in den meisten anderen Jahren der jüngeren Geschichte.

Das liegt vor allem an besseren Frühwarnsystemen und katastrophensichereren Gebäuden, erklären Experten. Denn wahr ist auch: Der Klimawandel sorgt weiter für eine Häufung der Wetterextreme. 

2. Den Menschen geht es besser als vor 50 Jahren

Im internationalen Diskurs scheinen die Schwarzmaler eine besonders laute Gruppe darzustellen. Globalisierungs-Kritik war auch in diesem Jahr wieder ein Treiber populistischer Bewegungen.

Dabei zeigte eine große Umfrage im Frühjahr, dass die Menschen die Folgen der Globalisierung überwiegend positiv bewerten. 43 Prozent der weltweit Befragten gaben so an, ihr Leben heute sei besser als vor 50 Jahren. Nur 38 Prozent sagten das Gegenteil.

Das US-Institut Pew Research hatte dafür 43.000 Menschen in aller Welt befragt. Besonders positiv fiel das Ergebnis in Vietnam und Südkorea aus. Doch auch 65 Prozent der Deutschen sehen Verbesserungen.

3. Die Kindersterblichkeit sinkt weiter

Verbessert hat sich auch die Überlebenschance von Kindern nach der Geburt. Laut dem neusten Unicef-Bericht wurde die weltweite Kindersterblichkeit seit 1990 um mehr als die Hälfte gesenkt.

5,6 Millionen Kinder starben im letzten Betrachtungsjahr (2016) jährlich. 1990 waren es noch über 12 Millionen Kinder. Ein positiven Trend, der wohl auch im Jahr 2017 anhält.

Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung in Bangladesh. Hier konnte die Kindersterblichkeit in den letzten Jahrzehnten um über 70 Prozent gesenkt werden.

4. Das Ozonloch ist kleiner geworden

Noch immer gibt es bei der Energiewende nur schleppende Fortschritte. Und doch gibt es bereits erste Erfolge zu vermelden. Laut Informationen der NASA ist das Loch in der Ozonschicht so klein, wie zuletzt 1988.

Natürlich: Grund zur Entwarnung ist das noch nicht. 

Denn das inzwischen “kleinere Loch” erstreckt sich immer noch über fast 20 Millionen Quadratkilometer und ist damit fast 56 Mal so groß wie Deutschland. Laut NASA wird es mindestens noch bis zum Jahr 2070 dauern, bis sich das Ozonloch wieder geschlossen hat.

Und doch zeigt der positive Trend, dass es sich lohnt, für den Erhalt unserer Erde zu kämpfen. 

5. In vielen Ländern wurde der wirtschaftliche Fall gestoppt

2017 war ein weiteres Jahr des rasanten weltweiten Wirtschaftswachstums. Sogar in Dauer-Krisenstaaten wie Griechenland gibt es positive Entwicklungen zu vermelden.

Mit etwas Optimismus lässt sich sagen: Die Abwärtsspirale wurde gestoppt. So hat Griechenland zuletzt einen deutlich höheren Staatsüberschuss ohne laufende Kredite erzielt als erwartet.

Deshalb beschloss die Regierung in Athen gar, 1,4 Milliarden Euro an die von der Krise am härtesten getroffenen Griechen auszuzahlen. Die Arbeitslosenquote sank zudem um acht Prozentpunkte.

Gute Nachrichten, die die Griechen nach Jahren der Krise dringend brauchen können.

6. Der gefürchtete Siegeszug der Populisten wurde gebremst

Nach Donald Trumps Wahlsieg, dem “Ja” zum Brexit und dem Rechtsruck im Osten Europas fürchteten Experten, 2017 könnten auch Frankreich und die Niederlande an die Rechtspopulisten fallen.

Doch dieser Trend kam zumindest ins Stocken. Marine Le Pen wurde bei der Französischen Präsidentschaftswahl vom Liberalen Emmanuel Macron geschlagen, in den Niederlanden scheiterte der Rechte Geert Wilders am gemäßigten Mark Rutte.

Trotz des Einzugs der AfD ins deutsche Parlament: Es hätte schlimmer kommen können. Zumindest scheinen die Verfechter einer offenen Gesellschaft erkannt zu haben, dass sie kämpfen müssen. Und sie taten es – mit ersten Erfolgen.

Mehr zum Thema: In 6 EU-Ländern scheiterten Rechtspopulisten bisher - was wir davon über den Umgang mit der AfD lernen können

7. Menschen erkannten, dass es sich lohnt, sich einzusetzen

Auch in den USA zeigte sich, wie viele Menschen bereit sind, gegen drohende Ungerechtigkeit und Machtmissbrauch einzustehen.

Im Januar kam es zur größten Demonstration der US-Geschichte, als Frauen und Männer in Washington und anderen Städten für Frauenrechte auf die Straße gingen. In den gesamten USA waren es rund 4 Millionen Menschen, die ihre Sorge über die Politik von US-Präsident Donald Trump kundtaten.

Kevin Lamarque / Reuters
Proteste gegen Trump in Washington.

Die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union verzeichnete in Reaktion auf Trumps Versuch, Muslimen aus mehreren Ländern die Einreise in die USA zu verweigern, Rekord-Spendeneinnahmen.

Mehr zum Thema: Amerikaner trotzen Trump: Diese Entwicklungen in den USA machen Hoffnung

8. Frauenrechte wurden ein großes Thema im Nahen Osten

Auch in vielen arabischen Ländern kam es zu einer neuen Mobilisierungswelle von Frauenrechtlern.

Mit ersten Erfolgen: In Tunesien wurde körperliche, moralische und sexuelle Gewalt gegen Frauen zur Straftat hochgestuft. Frauenministerin Naziha Laabidi sagte nach der Abstimmung, dies sei ein “sehr bewegender Moment”.

Im Libanon und Jordanien wurden Gesetze abgeschafft, die es Vergewaltigern ermöglichten, einer Strafe zu entkommen, wenn sie ihr Opfer heiraten. Zuletzt zeigte sich sogar das saudi-arabische Königshaus reformwillig. König Salman will Frauen in Zukunft das Autofahren erlauben.

Es ist ein kleiner Schritt. Doch für viele bedeutet er Hoffnung.

(mf)