GOOD
04/09/2018 11:09 CEST | Aktualisiert 06/09/2018 15:46 CEST

Von diesen Krankheiten hast du noch nie gehört, aber du solltest sie kennen

Sie gelten als Indikator für “vernachlässigte Gesellschaften”.

Global Citizen
Viele Kinder können in Entwicklungsländern nicht die Schule besuchen, da sie zu krank sind. 

Warum das wichtig ist:

Sind die Menschen Krankheiten ausgesetzt und haben keinen Zugang zu ausreichender Gesundheitsversorgung, schadet das der gesamten Gesellschaft in der sie leben.

Insbesondere in Entwicklungsländern bremst dies den wirtschaftlichen Fortschritt. Ziel 3 der globalen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen ist es, ein gesundes Leben für alle Menschen zu gewährleisten. Schließ dich uns an und werde hier aktiv , um vermeidbare Krankheiten zu bekämpfen.

Im Kampf gegen global vernachlässigte Krankheiten

Quizfrage: Was hindert Kinder daran, zur Schule zu gehen? Du denkst jetzt vielleicht an die Kosten für Schulbücher, Stifte und Uniform. An Lehrermangel oder einen weiten oder gefährlichen Schulweg.  

All das sind Gründe, keine Frage. Doch was die wenigsten wissen: Viel zu viele Kinder in Entwicklungsländern gehen nicht in die Schule, weil sie krank sind.

Sie leiden etwa an Elephantiasis, Flussblindheit, Trachom, Bilharziose oder sind von einem Parasiten namens Geohelminthen befallen.

Noch nie gehört? Kein Wunder. Schließlich sind sie – geografisch gesehen – weit weg.

Sie sind die “Big Five” der sogenannten vernachlässigten tropischen Krankheiten (engl.: Neglected Tropical Diseases, kurz: NTDs).

Wie der Name erahnen lässt, treten NTDs dort auf, wo das Wetter tropisch ist –etwa in Subsahara-Afrika und Südamerika.

Die “Big Five” machen 90 Prozent aller Erkrankungen an NTDs aus und führen unbehandelt zu lebenslangen Behinderungen.  

Was sind NTDs?

NTD steht für Neglected Tropical Diseases. Auf Deutsch: Vernachlässigten tropischen Krankheiten oder vernachlässigte Infektionskrankheiten. NTDs sind eine uneinheitliche Gruppe von insgesamt 20 Krankheiten.

Was wird getan, um NTDs auszurotten?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Vereinten Nationen (UN) werben dafür, NTDs drastisch einzudämmen. Die WHO will bis 2020 zehn der NTDs ausrotten. Die UN hat die Verbesserung globaler Gesundheit als Ziel 3 der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele definiert. Diese sollen bis 2030 erreicht werden.

Was tut die Politik dafür, dieses Ziel zu erreichen?

Lange waren die USA und Großbritannien die größten staatlichen Geldgeber – bis Präsident Trump ankündigte, die Entwicklungshilfe USAID um 37 Prozent zu kürzen. Die Bundesregierung wird dafür kritisiert, schwammige Formulierungen zu wählen und nicht klar zu benennen, was sie im Kampf gegen NTDs tun.

Wer hilft noch?

Die meisten Gelder kommen derzeit aus dem Privatsektor. Die Bill and Melinda Gates Foundation etwa gehört zu den wichtigsten Geldgebern für Gesundheitsprojekte. Auch Medikamentenhersteller haben Spenden zugesagt –insgesamt im Wert von 19 Milliarden Dollar von 2012 bis 2020.

Was sind die Symptome? 

Die Krankheiten Trachom und Flussblindheit zum Beispiel lassen die Betroffenen unter anderem erblinden. Elephantiasis ist weltweit die zweithäufigste Ursache für Langzeitbehinderungen: Erkrankte Patienten leiden über Jahre hinweg an überdimensional stark angeschwollenen Gliedmaßen.

Mehr als 120 Millionen Menschen sind von der Infektionskrankheit betroffen. Bilharziose und die Darmwürmer Geohelminthen führen zu Blutarmut und letztendlich dazu, dass Kinder leistungsschwächer sind und sich nicht richtig entwickeln.

Bei Frauen führt die Krankheit häufig zu lebensbedrohlichen Komplikationen bei der Geburt.

Vernachlässigte Gesellschaften sind das Problem 

NTDs werden häufig als Indikator für vernachlässigte Gesellschaften bezeichnet. Denn wo NTDs auftreten, fehlt es den betroffenen Menschen meist an sauberem Trinkwasser, medizinischer Versorgung und gesunder Ernährung.

Zwar wurden in den vergangenen Jahrzehnten bei der Bekämpfung von NTDs einige Fortschritte erzielt, doch noch lassen sich die Krankheiten in allen Entwicklungsländern finden:

Insgesamt sind rund zwei Milliarden Menschen in 149 Ländern von NTDs bedroht. Und jährlich sterben eine halbe Million Menschen direkt oder indirekt daran.

Dabei ist Gesundheit sowohl Voraussetzung als auch das Ergebnis nachhaltiger Entwicklung. Das gilt für Kinder, Erwachsene und am Ende für ganze Volkswirtschaften.

Deshalb ist die Verbesserung der Gesundheit eine der wichtigsten Aufgaben der Entwicklungszusammenarbeit.

Deutschland hat die Ausgaben der Entwicklungsgelder für den Gesundheitssektor in den vergangenen Jahren immer weiter gesteigert – auf derzeit rund 750 Millionen Euro im Jahr.

Statt einzelne Programme zu finanzieren, die sich nur auf die Bekämpfung von NTDs fokussieren, verfolgt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit seit einigen Jahren einen umfassenden Ansatz:

Sie stärkt vermehrt die Gesundheitssysteme in Entwicklungsländern, damit auch ärmere Menschen Zugang zu qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung haben.

Zudem würden vor allem Labore aus- und aufgebaut werden – denn Forschung ist das A und O für die Bekämpfung von NTDs.

Die tropischen Krankheiten zu behandeln und bestenfalls auszurotten, würde die Entwicklung ganzer Länder entscheidend voranbringen.

Und dazu führen, dass mehr Kinder gesund aufwachsen und zur Schule gehen können.

Dieser Beitrag stammt von Global Citizen und wurde dort zuerst veröffentlicht. Global Citizen ist eine globale Bewegung junger, engagierter Menschen, die die drängendsten Herausforderungen unserer Zeit bewältigen wollen. Mehr erfahren könnt ihr auf www.globalcitizen.org/de, aktiv werden und euch für eine bessere Welt für alle stark machen. 

(ujo)