POLITIK
10/10/2018 17:57 CEST | Aktualisiert 11/10/2018 07:58 CEST

Irre AfD-Rede sorgt für Wirbel: Politiker warnt vor Krankheiten der "Neger"

Mit Fakten hält es Landtagskandidat Andreas Winhart nicht so sehr.

  • Der AfD-Landtagskandidat Andreas Winhart hat in einer Wahlkampfrede rassistische Behauptungen aufgestellt.
  • Der Landkreis, auf den sich Winhart angeblich bezog, sah sich anschließend gezwungen, die Fakten klarzustellen. 

HIV, Krätze, Tuberkulose: Und das im idyllischen Bayern. Es ist ein Schreckensszenario, dass der AfD-Landtagskandidat Andreas Winhart zeichnet.

Vor Parteianhängern und der ebenfalls anwesenden AfD-Fraktionschefin Alice Weidel warnte er Ende September vor Asylsuchenden, die angeblich Krankheiten nach Deutschland schleppen und damit hier Lebende infizieren würden.  

Derzeit sorgt der Wahlkampfauftritt im oberbayerischen Bad Aibling vor allem wegen einer Aussage für Wirbel. So sagte Winhart:

“Ich möchte wissen, wenn mich in der Nachbarschaft ein Neger anküsst oder anhustet, ist er krank oder ist er nicht krank.”

Die Anwesenden quittierten die rassistische Aussage mit einem Applaus. 

Winhart bezog sich in seiner Rede ausdrücklich auf das Gesundheitsamt Rosenheim.

“Ich habe das nachrecherchieren lassen”, betont der AfD-Politiker. “Es gibt unglaublich viele HIV-Fälle, (...) Krätze und es gibt wieder TBC (Tuberkulose) bei uns, diese Krankheiten haben wir hier im Landkreis seit Jahren nicht mehr gesehen gehabt”, behauptet Winhart.

Landkreis reagiert mit Gegendarstellung  

Die Fakten sehen allerdings anders aus. So sah sich der Landkreis gezwungen, auf die wilden Behauptungen und auf Nachfragen von Bürgern zu reagieren. In einer Stellungnahme heißt es

“Wir stellen fest, dass ‘unglaublich viele HIV-, TBC- und Krätzefälle’ wie Winhart behauptet, durch das Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Rosenheim nicht bestätigt werden können.”

Zudem dokumentierte der Landkreis die Zahlen, die er auch Winhart zur Verfügung gestellt hatte – und die dessen Rückschlüsse nicht zulassen. 

  • Im Zuständigkeitsbereich des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim wurden dementsprechend von 2015 bis 2018 (Stand: 23.08.2018) 118 Fälle an Tuberkulose (...) erfasst . Bei 43 Personen war dem Gesundheitsamt der Status als Asylbewerberin oder -bewerber (...) bekannt und wurde entsprechend in der Meldesoftware angegeben. Statistische Erhebungen zu Tuberkulose-Fällen in Flüchtlingsunterkünften in Stadt und Landkreis Rosenheim liegen dem Gesundheitsamt Rosenheim nicht vor.
  • Dem Gesundheitsamt Rosenheim liegen bei zwei Asylsuchenden positive HIV-Testergebnisse vor. Statistische Erhebungen zur HIV-Rate in Flüchtlingsheimen in Stadt und Landkreis Rosenheim existieren nicht. 
  • Für Krätze (Scabies) wurde eine Meldepflicht (,,,) für Leiter von Gemeinschaftsunterkünften erst zum 17.07.2017 eingeführt. (...) Dem Gesundheitsamt liegen zwischen 2017 und 2018 Meldungen zu sieben Fällen von Scabies in drei Unterkünften vor.

Zur Einordnung: Im Landkreis Rosenheim leben etwa 2700 Flüchtlinge.  

“Keine relevante Infektionsgefährdung durch Asylsuchende”

Zugleich verweist die Behörde auf das Robert Koch-Institut (RKI), dem Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten. Dieses “sieht keine relevante Infektionsgefährdung der Allgemeinbevölkerung durch Asylsuchende”.

Das RKI betont:

“Die anstrengende Reise, ein oft fehlender Impfschutz und die enge räumliche Situation in den Aufnahmeeinrichtungen können jedoch dazu führen, dass Asylsuchende empfänglicher für einige Infektionskrankheiten sind. Meistens handelt es sich um Erkältungskrankheiten und Magen-Darm-Infekte.

Und was sagt Alice Weidel, die auf dem Podium saß, nur wenige Meter vom Rednerpult entfernt?

Dem “Münchner Merkur” erklärte ihr Sprecher, dass die AfD-Politikerin die “Neger”-Äußerung nicht gehört haben will. Möglicherweise sei sie “durch ein kurzes Gespräch” abgelenkt gewesen. Weidel betonte aber: ”Äußerungen solcher Art lehnt sie strikt ab.”

Zur Normalität in der AfD gehören sie trotzdem