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17/07/2018 16:16 CEST | Aktualisiert 18/07/2018 17:02 CEST

Video zeigt, wie brutal Libyens Küstenwache gegen Flüchtlinge vorgeht

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► Seit Anfang Juni sind die Zahlen der Toten im Mittelmehr wieder in die Höhe geschnellt. Allein im Juli starben bisher 141 Menschen.

► Am Mittwoch hat die spanische Seenotrettungs-Organisation Proactiva Open Arms in über 100 Kilometer Entfernung zur libyschen Küste eine tote Frau und ein etwa fünf Jahre altes totes Kind neben einem zerstörten Boot aus dem Wasser gezogen.

► Die Helfer konnten eine weitere junge Frau lebend retten. Sie soll zwei Tage lang auf dem Meer getrieben haben, wie eine mit den Seenotrettern reisende italienische Journalistin berichtet.

► Der Fall verdeutlicht, wie brutal die libysche Küstenwache gegen Flüchtlinge vorgeht. Denn die soll laut Proactiva Open Arms das Schlauchboot zerstört und die übrigen Menschen nach Libyen verschleppt haben.  

Das folgende Video zeigt, wie die Seenotretter die Opfer vorgefunden haben. Achtung: Die Szenen könnten für manche Betrachter verstörend wirken.

Darum ist der Vorfall symptomatisch:

Im Frühjahr 2017 hatten sich die Staats- und Regierungschefs der EU auf einen Zehn-Punkte-Plan für eine gemeinsame Flüchtlingspolitik geeinigt. Das wichtigste Ergebnis darin: Libyen soll als Partner die europäische Außengrenze schützen.

Nicht selten setzt die libysche Küstenwache dazu aber auch Gewalt ein und geht rücksichtslos gegen in Seenot geratene Flüchtlinge und ihre Retter vor. 

Proactiva Open Arms verurteilt nun Europas “Untätigkeit in internationalen Gewässer” und kritisiert die Entscheidung, Libyen die Überwachung seiner Küste zu überlassen. “Jeder Tod ist eine direkte Folge dieser Politik”, schreibt die NGO auf Twitter.

Wie die Situation in Libyen ist:

Im Januar 2017 wurde ein interner Bericht aus dem Auswärtigen Amt über die Lage von Flüchtlingen in Libyen publik. Von “Exekutionen, Folter und Vergewaltigungen” war darin die Rede. Und von “KZ-ähnlichen Zuständen”

Seitdem hat sich in dem Land nicht viel getan, wie die Berichte von “Al Jazeera”, der Europäischen Union und die Erzählungen der Geflüchteten selbst zeigen. 

(lp)