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09/04/2018 15:46 CEST | Aktualisiert 09/04/2018 16:52 CEST

Anschlag in Münster: Im Netz verbreitet sich eine irre Verschwörungstheorie

Wir haben die Polizei gefragt, was dahintersteckt.

  • Das Video einer Personenkontrolle nach dem Anschlag von Münster rief am Wochenende Verschwörungstheoretiker auf den Plan
  • Nun hat die Polizei Münster die Hintergründe aufgeklärt
  • Im Video oben: Einwohner in Münster trauern nach dem Anschlag

Nach dem Anschlag in Münster wird im Netz wild über die Hintergründe der Tat spekuliert.

Am Wochenende war ein Video im Internet verbreitet worden, auf dem zu sehen ist, wie schwer bewaffnete Polizisten vor dem Rathaus in Münster einen Mann auffordern, sich auf den Boden zu legen. 

Wilde Spekulationen

Alleine auf Facebook haben über 100.000 Menschen das Video gesehen, das unter anderem von dem Autor Stefan Schubert geteilt wurde.

► Der neurechte Blogger David Berger meint, auf dem Video einen “arabisch aussehenden Mann” zu erkennen.

► Außerdem berichtet er von “bewaffneten Polizisten, einer mit vorgehaltener Maschinenpistole”, die es Anwohnern untersagten, nach draußen zu gehen, da “sich noch zwei Männer auf der Flucht befinden würden.”

Daraus wird eine irre Verschwörungstheorie gestrickt, nach der sich “widersprüchliche Aussagen in der Polizei häufen”, außerdem gebe es ein “eisernes Schweigen der Medien und der Verantwortlichen.”

Das sagt die Polizei

So werde der Eindruck erweckt, dass der Amokfahrer nicht als Einzeltäter agierte – und möglicherweise doch Migranten an dem Anschlag beteiligt waren, wie die Rechten vermuten. 

Wir haben bei der Polizei Münster nachgefragt, was dran ist.

► Die Behörden hatten nach dem Anschlag tatsächlich verschiedene Hinweise auf zwei flüchtige Täter, teilte uns eine Sprecherin der Polizei Münster mit.

“Dass es diese gegeben hat, kann ich aber nur verneinen”, heißt es.

► Die Szene im Video hat sich nach Polizeiangaben um 18 Uhr am Michaelisplatz ereignet. 

“Dort waren zwei Inder in der Nähe des Tatorts unterwegs”, heißt es auf Anfrage.

Das Video zeigt die Kontrolle eines Inders, der mit dem Anschlag nichts zu tun hatte

Als Polizisten beide kontrollieren wollten, habe einer der Männer die Aufforderungen der Beamten nicht verstanden.

“Der hat den Ernst der Lage nicht verstanden”, sagte die Sprecherin.

Daraufhin hätten die Polizisten den Mann auf Englisch aufgefordert, sich auf den Boden zu legen (“get down!”).

Bei der Kontrolle habe sich herausgestellt, dass die beiden Männer nichts mit der Amokfahrt vor der Gaststätte Kiepenkerl in der Nähe des Rathauses zu tun hatten.

Ein Anruf bei der Polizei hätte Antworten geliefert

Zusammengefasst: Weder gab es zwei flüchtige Mittäter noch zeigt das Video eine Festnahme von einem Mittäter.

Das hätten die Autoren mit einem einfachen Anruf bei der Polizei auch herausfinden können.

Stattdessen haben sie lieber wilde Spekulationen ins Netz gestellt. 

(amr)