ELTERN
26/07/2018 12:28 CEST

Versicherung fordert Geld von Mutter, weil ihr Sohn alleine aufs Klo ging

Die Mutter habe ihre Aufsichtspflicht verletzt.

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Der Dreijährige verstopfte die Toilette und überschwemmte das Badezimmer. 
  • Das Düsseldorfer Oberlandesgericht hat entschieden, dass Eltern ihre Kinder auf dem Klo nicht überwachen müssen.
  • Ein Dreijähriger hatte bei einem unbeaufsichtigten Toilettengang einen Wasserschaden von 15.000 Euro verursacht.

Eltern müssen im Verlauf der Erziehung oft die richtige Balance zwischen kindlicher Freiheit und elterlicher Fürsorge finden. Was das richtige Maß letztendlich ist, bleibt ihnen selbst überlassen. 

Nicht ganz, findet eine Versicherungsgesellschaft. Diese hat die Mutter eines 3-Jährigen vor das Düsseldorfer Oberlandesgericht gezerrt – weil sie ihn alleine auf die Toilette habe gehen lassen.

Kind darf alleine auf die Toilette

Im konkreten Fall ist der Dreijährige nachts alleine auf die Toilette gegangen und hat dabei einen einen Wasserschaden von 15.000 Euro verursacht, der von der Wohngebäudeversicherung hätte übernommen werden sollen. Doch die Versicherungsvertreter verlangten von der Mutter, einen Teil der Schadenssumme zu begleichen, da diese ihre Aufsichtspflicht verletzt hätte.

Nun hat das Düsseldorfer Oberlandesgericht in diesem Streitpunkt ein wichtiges Urteil gefällt: Kinder müssen daheim nicht permanent beaufsichtigt werden.

Es muss aber eine Aufsichtsperson in Rufnähe sein – wie in diesem all, in der Nähe der Toilette. Dem Urteil nach muss die Mutter des Jungens somit nicht für den Schaden haften.

Auch eine elterliche Kontrolle nach jedem Toilettengang ist laut Urteil nicht notwendig. Das würde dem Entwicklungsstand eines Dreijährigen nicht mehr gerecht.

Das Landgericht habe bereits in der ersten Instanz die Klage des Wohngebäudeversicherers abgewiesen, da eine leicht fahrlässige Aufsichtspflichtverletzung der Mutter nicht festgestellt worden sei. 

Zu viel Toilettenpapier benutzt

Wie so ein hoher Schaden dennoch entstehen konnte, könnte vielen Eltern bekannt vorkommen: Die Mutter hat ihren dreijährigen Sohn abends mit einem Hörspiel schlafen gelegt. Doch der sei dann wieder unbemerkt aufgestanden und auf die Toilette gegangen, teilte das Oberlandesgericht in Düsseldorf mit.

Er habe dann zu viel Toilettenpapier benutzt, so dass er die Toilette verstopfte. Dann habe sich der Spülknopf verhakt und es sei ununterbrochen Wasser nachgelaufen.

Das Klo sei dann übergelaufen und habe das Badezimmer überschwemmt. Schließlich sei das Wasser durch die Decke der drunterliegenden Wohnung getropft. 

Jedes Kind braucht eine individuelle Fürsorge

In diesem Fall hat das Oberlandesgericht ein klares Urteil gesprochen. Doch wann würden Eltern wirkliche ihre Aufsichtspflicht verletzen?

Eltern bewegten sich bei der Aufsichtspflicht in einem Spannungsfeld, schreibt das Eltern-Portal “Eltern im Netz”.  Sie müssten ihre Kinder auf der einen Seite zu “selbstständigem, verantwortungsbewusstem Handeln erziehen”. Auf der anderen Seite müssten Schäden verhindert und Kinder je nach individuellen Charakter beaufsichtigt werden. 

Aufsichtspflicht sei meist situationsabhängig. Eine allgemeine Handlungsempfehlung sei deshalb nicht möglich. So würden Gerichte jeden Fall einzeln bewerten müssen.   

Eltern seien jedoch verpflichtet, Kinder über mögliche Risiken aufzuklären. Man müsse Kinder aber auch überwachen und überprüfen, ob sie die Anweisungen verstanden hätten und befolgten. 

Wer haftet bei Schäden? 

Generell hafteten die Aufsichtspersonen, somit auch Kindergärtner oder Lehrer, für die Schäden von Kindern bis sechs Jahren, wenn sie ihre Aufsichtspflicht vernachlässigen würden.

Kinder ab sieben Jahren seien für Schäden selbst verantwortlich, wenn sie vorsätzlich oder fahrlässig handelten und ihre Fehler schon einsehen könnten. Eine Haftpflichtversicherung würde dringend empfohlen. Schäden im Haushalt seien dadurch jedoch nicht abgedeckt. Die Haftpflichtversicherung hätte also auch im Fall der Toilettenüberschwemmung nicht bezahlt.

Mit Material der dpa.

(nc)