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13/03/2018 21:09 CET | Aktualisiert 13/03/2018 21:09 CET

Verlust der Privatsphäre im digitalen Zeitalter: Was haben wir zu verbergen?

In diesem Jahr feiert Facebook seinen 14. Geburtstag. Das beliebteste soziale Netzwerk der Welt, das Milliarden von Menschen miteinander verbunden hat, damit sie jedes kleinste Detail über sich verraten, feiert jetzt sein Teenager-Alter. Wir hingegen feiern das Ende des Zeitalters der Privatsphäre und den Beginn der Ära der Kollektivität.

Facebook trägt nicht die alleinige Schuld daran. Wir alle sind Teil dieser Entwicklung. Von dem Moment an, in dem wir zu Technologie-Junkies wurden, gaben wir alle grünes Licht zur ständigen Überwachung unseres Online-Verhaltens. Unsere Daten liegen im virtuellen Raum offen und können von jedem manipuliert und genutzt werden, der in Werbung investieren will, oder der sich entschlossen hat, zu lernen, wie unsere Konten gehackt, manipuliert und ausgebeutet werden können.

Aber was haben wir zu verbergen? Und wofür schämen wir uns?

Warum sind wir um unsere Privatsphäre so besorgt?

Die Angst um die Privatsphäre im Internet rührt teilweise daher, dass wir uns schämen, wenn wir vor anderen bloßgestellt werden. Diese Scham ist natürlich. Sie ist genetisch bedingt. Seit unserer Kindheit kennen wir dieses quälende Gefühl der Unsicherheit, das wir schon in frühen Jahren hinter einem Sammelsurium von Masken wie Arroganz, Hochmut und Stolz zu verbergen suchten, um unser Selbstwertgefühl zu erhalten.

Wenn wir jedoch verstehen, dass uns allen die gleiche Natur gemeinsam ist - das menschliche Ego -, dann erkennen wir schnell, dass wir uns für nichts zu schämen brauchen und nichts zu verbergen haben.

Was ist das menschliche Ego? Es ist die uns von Natur aus innewohnende, "gemeine" Kraft, die uns dazu antreibt, auf Kosten anderer zu handeln. Zunächst bringt sie uns dazu, unter anderen Menschen großartig aussehen zu wollen, um dann im nächsten Schritt weiter zu gehen und uns zu veranlassen, andere aufzuhetzen, zu manipulieren, auszubeuten und negativ über sie zu denken, damit wir uns an ihrem Unglück laben können.

Ironischerweise führt uns der Gehorsam unserem Ego gegenüber, das uns vorgaukelt, dass uns das Profitieren auf Kosten anderer Erfüllung bringt, letztendlich zu der entgegengesetzten Erkenntnis: es ist zum Nachteil aller, uns eingeschlossen.

Seit über einem Jahrzehnt spreche ich darüber, dass sich unsere Welt in einer eskalierenden Krise befindet. Wir haben ein Stadium unserer Entwicklung erreicht, in dem die egoistische Absicht hinter allen Wünschen, Gedanken und Handlungen uns nicht länger sinnvolle Erfüllung gewährt. Überall, sei es auf der persönlichen, sozialen, ökologischen oder wirtschaftlichen Ebene, in jedem Bereich der menschlichen Beschäftigung stehen wir vor stetig wachsenden, unlösbar scheinenden Problemen: Depression, Stress, Angst, soziale Spaltung, Fremdenfeindlichkeit, Extremismus sowie zunehmend wirtschaftliche, soziale, und ökologische Instabilität.

Das Problem der Privatsphäre im Internet ist ein gutes Beispiel für unsere heutige einzigartige globale Vernetztheit und wechselseitige Abhängigkeit. Einerseits verbinden uns Technologien wie das Internet auf globaler Ebene miteinander, andererseits zielt das Ego darauf ab, Profit auf Kosten anderer zu machen, was dazu führt, dass wir werbetechnisch ständig überwacht werden, damit aus uns der meiste Profit gezogen werden kann. Freundlich und ansprechend gestaltete Webseiten verbergen Tracking Codes, die sich unser Verhalten merken, Informationen über uns speichern und Menschen bereitstellen, die sie dazu nutzen, uns mit Verkaufsangeboten zu bombardieren.

Warum Reglementierungen das Datenschutzproblem im Internet nicht lösen können ... und was dies doch vermag

Ein immer wiederkehrendes Szenario: Dem Vorschlag zu einer neuen Regelung folgt das Gerangel derjenigen, die von ihr am meisten profitieren sollen - den Unternehmen oder den Menschen. Schließlich einigt man sich auf eine Regulierung. Wodurch das Problem sich jedoch nur verlagert. Es nimmt nur eine andere Form an. Die Wurzel des Problems bleibt weiterhin bestehen: das übersteigerte Ego, das auf Kosten anderer zu profitieren sucht.

Vorschriften werden die Angst um die Privatsphäre im Internet nicht beseitigen. Was wir stattdessen brauchen, ist eine besondere Art der Bildung.

Wir müssen erkennen lernen, wie das Ego jeden Wunsch, jedes Denken und jede Bewegung motiviert, und es als einen äußeren Druck betrachten, der nichts mit uns zu tun hat. Das heißt, wir müssen erkennen, dass unser Ego nicht unser unabhängiges Selbst ist. Indem wir diese Kraft von uns selbst unterscheiden, können wir gegen sie arbeiten, um sie mit einer entgegengesetzten positiven Kraft aus der Natur, die die Menschheit wirklich braucht, in Einklang zu bringen.

Diese positive Kraft ist die tiefe, allen Menschen angeborene Verbindung. Um sie zu entdecken, bedarf es gewisser Elemente:

1. Einen Lehrer, der bereits weiß, wie er die positive Kraft der Verbindung nutzen und damit die negative Kraft des Egos ausgleichen kann.

2. Eine Gesellschaft oder zumindest eine kleine Gruppe, die lernt, durch die positive Kraft der Verbindung zwischen den Gruppenmitgliedern das Ego des Einzelnen auszugleichen.

Regelmäßige Beteiligung an derart „verbindungsvollen“ Erfahrungen hat gleich zwei Vorteile: Wir werden den Anforderungen unseres Egos gerecht, da wir für unseren Beitrag zu einer solchen Umgebung respektiert und geschätzt werden. Und wir bauen eine warmherzige und freundliche Umgebung auf, die den Mitgliedern Glück, Vertrauen und Sicherheit gibt.

Unsere heutigen Egos sind wie wildgewordene Pferde, die aneinandergeraten. Wenn wir verbindungsvolle Erfahrungen zu machen beginnen, lernen wir diese Pferde zu zähmen, sie fest am Zügel zu halten und ihre gesamte Kraft in eine positive Richtung zu lenken: die positive Kraft der Verbindung, die die negative Kraft des Egos auszugleichen und zu lenken vermag.

Wenn die Gesellschaft jedoch egoistisch ist, machen wir uns dann nicht angreifbar, wenn wir versuchen, altruistisch zu sein? Drohen wir nicht, von diesen wilden Pferden zertreten zu werden? So erscheint es zumindest unserem Ego. Doch dabei vergessen wir, dass die Natur ein integrales System ist. Indem wir unser Ego mit der positiven Kraft der Natur ausbalancieren, laden wir eine neue, konstruktive Qualität in unser Leben ein, die die negative Einstellung neutralisiert und viel Schaden von uns abwenden kann.

Es ist an der Zeit, die ursprünglichste Methode zu nutzen, die es je gab

Die Methode, mit der das menschliche Ego durch ein „Anzapfen“ der natürlichen Kraft der Verbindung ausgeglichen und gelenkt werden kann, ist von universeller Bedeutung. Sie entstammt der Natur selbst, und wir haben sie bereits ungewollt und unbewusst erlebt. Wir müssen einfach nur beginnen, sie bewusst einzusetzen.

Schon als Embryo im Mutterleib hat dieses natürliche System gewirkt, um uns zu einem Baby zu formen, das fähig ist, die Mutter zu verlassen und auf die Welt zu kommen. In der Kindheit waren wir dann einerseits allen möglichen störenden Einflüssen aus der Umgebung ausgesetzt, andererseits hielten uns die schützenden Kräfte der Natur in Form von Eltern, Geschwistern, Verwandten und Freunden geborgen. Je mehr wir wuchsen, desto unabhängiger wurden wir und desto weiter entfernten wir uns von der positiven Kraft. Bei Erreichen des Erwachsenenalters schließlich ist es, als ob die positive Kraft uns verlassen hätte, und wir sind nunmehr nur mit der negativen Kraft konfrontiert, die von Tag zu Tag größer wird.

Es erfordert daher einen Balanceakt zwischen der bewussten Wahrnehmung der Methode, mit der die Natur auf uns wirkt, und unserem Engagement, der Gesellschaft dieselbe Art warmherziger, freundlicher und fürsorgender Kraft zukommen zu lassen, die uns bei unserem Heranwachsen zugutekam.

Ich würde diese Methode starten, und einen Internet-Raum schaffen, der frei von Profitmotiven jeder Art ist. In diesem Raum würde ich eine virtuelle Gemeinschaft entwickeln, die aus Gruppen, Studium, Aktivitäten und Übungen besteht, die jeden Einzelnen die Erfahrung der positiven Verbindungskraft der Natur ermöglicht und die Menschen in diesem Netzwerk inspiriert und dazu befähigt, diese positive Verbindung mit anderen zu teilen.

Allein das Starten dieses Prozesses mit den richtigen Komponenten würde uns mit völlig neuen Gefühlen von Sinn und Motivation erfüllen. Alles, was wir brauchen, ist den Kontakt zu einem die Verbindung stärkenden Netzwerk. Und wir werden ein echtes Upgrade auf eine ganz neue Ebene der Balance erleben. So oder so, wir müssen lernen, das menschliche Ego auf das Wohl der menschlichen Gesellschaft auszurichten. Ich wünsche mir, dass dies so bald als möglich geschieht.