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28/05/2018 17:00 CEST | Aktualisiert 28/05/2018 17:20 CEST

Was deutsche Frauen erleben, wenn sie eine Vergewaltigung anzeigen

Eine Dokumentation legt die harte Realität offen.

AlexLinch via Getty Images
Nachdem Frauen eine Vergewaltigung zur Anzeige bringen, werden sie oft nochmals traumatisiert. (Symbolbild)
  • Eine Dokumentation in der ARD zeigt, was deutsche Frauen durchmachen, nachdem sie ihren Vergewaltiger angezeigt haben. 
  • Vier Portraits beleuchten, was nach einer Vergewaltigung passiert – und was getan werden sollte. 

2017 wurden insgesamt 234 Fälle sexueller Belästigung bis hin zur Vergewaltigung bei der Bundeswehr gemeldet. 

Auch die Soldatin Nora gehört zu denjenigen, die einen “sexuellen Übergriff” aus den eigenen Reihen erfahren musste. Das berichtet die ARD in ihrer Dokumentation “Vergewaltigt! Wir zeigen an!”

Mit der Anzeige kommen die Hürden

Die 30-Jährige habe versucht, sich Hilfe bei ihren Vorgesetzten zu holen. Doch diese würden es bevorzugen, die Angelegenheit unter den Teppich zu kehren. Denn eine Anzeige könne ein schlechtes Licht auf die Bundeswehr werfen, heißt es weiter in dem Bericht. 

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Die Soldatin sei trotz Druck und Vorwürfen bei ihrem Recht auf eine Anzeige geblieben. Und habe bewirkt, dass der Täter vergangenes Jahr zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden sei.

Nora ist eine der vier Protagonistinnen der Dokumentation “Vergewaltigt! Wir zeigen an!” von Filmemacherin Nicole Rosenbach. Der Film thematisiert, welche Hürden Frauen nehmen müssen, nachdem sie den mutigen Schritt gegangen sind und eine Vergewaltigung zur Anzeige gebracht haben. Und er wirft auch die Frage auf, was sich in Deutschland zukünftig noch ändern müsste.

“Schlimmer als die Tat selbst”

Auch die 22-jährige Anna kämpft mit den Folgen ihrer Anzeige. Sie sei von zwei Männern sexuell missbraucht worden und diese hätten die Tat gefilmt

Anhand des Materials seien die Vergewaltiger gefasst worden – doch das Beweisstück sei auch zu Annas schlimmsten Alptraum geworden.

► Denn in Anwesenheit der beiden jungen Männer habe sich die 22-Jährige ihre Vergewaltigung während der Verhandlung noch einmal anschauen müssen.

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Heute würde die Frau dieses Erlebnis als “Horror” und “schlimmer als die Tat selbst” bewerten. Sie habe die Vergewaltigung eigentlich verdrängt, doch durch die Aufnahmen würden die Bilder Anna bis heute verfolgen.

Der Täter ist auf freiem Fuß

Bis heute habe der Fall nicht zu einem Prozess geführt: Auch Lisa gehört zu den Protagonistinnen des Films, die mit den Konsequenzen einer Anzeige leben müssen. Laut “Das Erste” hatte die Frau einen Bekannten vor vier Jahren wegen eines sexuellen Übergriffs angezeigt.

Dies habe zu einer Anklage der Staatsanwaltschaft im September 2014 geführt – doch Lisa warte bis heute auf die Verurteilung wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung. 

Denn es sei wegen “vorrangiger Fälle” noch kein Prozess möglich gewesen. Und der Vergewaltiger sei bis heute auf freiem Fuß. Eine Horror-Situation, mit der die Frau seit Jahren leben müsse. 

Der vierte Teil der Dokumentationsreihe läuft heute Abend um 20:15 Uhr in der ARD. 

(ks)