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28/02/2018 16:44 CET | Aktualisiert 28/02/2018 17:06 CET

Jasmin wollte ihren Vater endlich kennenlernen – dann geschah ein schlimmer Unfall

Vor drei Monaten war ich kurz davor, meinen Papa kennen zu lernen. Dann kam alles anders.

Robert Gunther
Jasmin fühlte sich vollständiger, nachdem sie ihren Vater kennenlernte.

Mein Name ist Jasmin, ich bin 26 Jahre alt, Studentin und mein Baby ist gerade erst auf die Welt gekommen.

Vor drei Monaten hatte ich erstmals Kontakt zu meinem Papa und war kurz davor, ihn kennen zu lernen. Dann kam jedoch alles anders.

Die große Suche

22 Jahre, fast mein ganzes Leben, hatte ich keinen Kontakt zu meinem Papa. Vor zwei Jahren fasste ich genug Mut und besorgte mir über das Landratsamt seine Adresse. Ich schrieb ihm einen Brief.

Es kam nie eine Antwort. Ein Jahr später fuhren meine beste Freundin und ich zu dieser Adresse – mit einem neuen Brief.

Am Haus angekommen stand ein ganz anderer Name auf dem Klingelschild. Die Nachbarn schickten uns von Haus zu Haus – immer hieß es: “Ja Mohamed, der wohnt da hinten“. Zuletzt begrüßte uns eine Frau und meinte: “Mohamed ja der wohnt hier – Moment ich hol ihn“.

Alles zuckte in mir zusammen, so war das nicht geplant. Auf einmal kam sie zurück und ein junger Mann stand an ihrer Seite – nicht mein Vater.

Der erste Hinweis

Wieder ein halbes Jahr später beantragte ich auf dem Rathaus eine Geburtsurkunde und fragte die Frau über meinen Vater aus.

Auf einmal hatte ich seinen vollen Namen, seinen Geburtsort und seine neue Adresse – dort lebte er schon seit zwei Jahren. Er hatte meinen Brief also nie erhalten.

Ich fuhr direkt zu dem Haus und las den Namen meines Vaters auf dem Klingelschild. Und dazu sogar den Namen meines Bruders Sheriff, den ich noch nie gesehen hatte. Ich traute mich jedoch nicht zu klingeln.

Zwei Wochen später, nach langen inneren Kämpfen fuhr ich mit meinem Freund wieder zu seinem Haus. Beide Namen auf der Klingel waren durchgestrichen.

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Der Wendepunkt

Niedergeschlagen und ohne Worte begaben wir uns auf den Rückweg, doch ich wollte noch nicht aufgeben. Da sprach ich einen Typ vor dem Haus an, ob er meinen Vater kennt.

Er schickte mich in die Shishabar im selben Gebäude und sagte, ich solle den Besitzer fragen. Tatsächlich kannte er Sheriff und gab mir sogar seine Nummer. Und so telefonierte ich das erste Mal mit meinem Bruder.

Zehn Minuten später saßen wir bei ihm im Wohnzimmer – drei Stunden lang. Er erzählte mir viel über meine Familie und zeigte mir Fotos von mir und meinem Papa. 

Das erste Mal seine Stimme hören

Irgendwann klingelte das Telefon und mein Papa rief aus Ägypten an. Sheriff gab mir das Handy und ich sagte: “Hier ist Jasmin, deine Tochter“, doch er konnte nicht glauben, dass ich es wirklich bin – und legte wieder auf.

Nach zehn Minuten rief er noch einmal an. Er war immer noch fassungslos. Am Ende hörte ich nur noch leichtes Schluchzen und wie er immer wieder meinen Namen sagte.

In den darauffolgenden Tagen und Wochen hatte ich Kontakt mit meinem Papa über Facebook und Sheriff erzählte mir viel über unsere Familie und die ägyptische Kultur. Ich lernte einige meiner Neffen und meinen Onkel kennen.

Außerdem erfuhr ich etwas darüber, wie die Beziehung zwischen meinen Eltern war und wie mein Papa immer wieder vergeblich versuchte, Kontakt zu mir aufzunehmen.

Mehr zum Thema: Verzweifelter Aufruf: “Ich suche meinen Papa - er ist obdachlos”

Mein Vater wurde ins Koma versetzt

Ich war voller Glück und Freude diese andere Hälfte von mir kennen lernen zu dürfen und Parallelen zwischen mir und meinem Papa zu entdecken – ich fühlte mich irgendwie vollständiger.

Das war im Dezember 2017. Im Januar 2018 begann sich dann alles zu ändern.

Jasmin Schwarz
Jasmins Vater war auf dem Weg zum Flughafen – er wollte seinen ersten Enkel empfangen.

Sheriff, meine Neffen und mein Onkel waren alle über Weihnachten in Ägypten bei der Familie. Ich wurde auch eingeladen, war aber schon zu sehr schwanger zum Fliegen.

Eine Woche nach Silvester klingelte mein Telefon – ein Anruf von Sheriff. Er war ganz aufgelöst und erzählte mir, dass mein Papa mich in Deutschland überraschen und seinen ersten Enkel empfangen wollte.

Auf dem Weg zum Flughafen hatten sie einen schweren Autounfall – sie überschlugen sich mehrmals. Mein Papa erlitt alle möglichen Brüche und wurde sofort ins Koma versetzt.

Auf dem Weg zum Krankenhaus blieb die Sauerstoffzufuhr für einige Momente aus. Nun liegt er seit drei Wochen im Koma, sein Zustand ist ungewiss.

Grund dieser Kampagne

Im Moment (Stand 7. Februar 2018) belaufen sich die Kosten auf:

► 2000 Euro bisherige Operationskosten
► ca. 15.000 Euro bisherige Krankenhauskosten (450 bis 500 EuroTagessatz für das Krankenhaus)

Zusätzlich anfallende Kosten:

► Krankenhausaufenthalt 450 bis 500 Euro pro Tag (voraussichtlich weitere zwei bis drei Wochen)
► weitere Operationskosten in nicht vorhersehbarer Höhe
► 25.000 Euro für die Überführung nach Deutschland

Da keine Versicherung die Kosten übernimmt und auch die Familie diese Summe nicht aufbringen kann, weiß niemand genau, was passieren wird, wenn kein Geld mehr fließt. 

Aus diesem Grund ist dieser Aufruf sehr dringend. Es kann sein, dass er nicht alle Behandlungen bekommt die er braucht, oder in ein anderes Krankenhaus “abgeschoben“ wird. 

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Jasmin Schwarz
Die Versicherung übernimmt keine Kosten und Jasmins Familie kann das Geld nicht alleine aufbringen.

Sobald sein Zustand stabiler ist und er wieder selbst atmen kann, besteht die Möglichkeit, ihn in ein deutsches Krankenhaus zu überführen, wo er auch krankenversichert ist.

► Das ist nach Aussagen der Ärzte frühestens in zwei bis drei Wochen der Fall. Auch hier ist noch unklar, wie die Überführungskosten bezahlt werden sollen.

In der tiefen Hoffnung, dass mein Papa wieder gesund wird und ich ihn noch kennen lernen darf, haben wir nun, mit der Hilfe vieler Freunde, diese Kampagne erstellt.

Wenn du mich hierbei unterstützen willst, kannst du die Kampagne gerne in der Welt verbreiten. Ich bin zutiefst dankbar über jegliche Tipps und Hilfe.