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24/02/2019 16:34 CET

Das erste Mal im Swinger-Club: So hat sich mein Liebesleben verändert

Ich wusste, dass mein Freund auf Swingen steht.

Nikada via Getty Images
Mit 23 war Isabelle zum ersten Mal in einem Swinger-Club (Symbolbild).

Mit 23 dachte Isabelle, dass sie mit keinem anderen Mann als ihrem Partner schlafen könnte – bis ihr Freund ihr von seinen Swinger-Erlebnissen erzählte. Von da an spielte Isabelle mit dem Gedanken, gemeinsam mit ihrem Partner einen Swinger-Club aufzusuchen – und traute sich schließlich. Die Erlebnisse im Club veränderten ihr Liebesleben schlagartig. 

Begonnen hat alles mit meinem Ex-Freund Jean – er war 30, und ich 23. Ich wusste, dass er auf Swingen, also Partnertausch, steht und dass er das schon mit seinen beiden Ex-Freundinnen ausprobiert hatte. Für mich war das allerdings absolutes Neuland. Sich nach Sexpartnern außerhalb der eigenen Beziehung umzusehen, war für mich wie Fremdgehen. Aber Jean hatte meine Meinung dazu geändert. 

Damals führten Jean und ich eine Fernbeziehung, weil ich ein Auslandssemester in Irland verbrachte, während mein Freund in Paris wohnte. Bevor ich nach Irland zog, haben wir unzählige Male über das Thema Swingen gesprochen – auch als ich bereits weg war, diskutierten wir weiter über Partnertausch und verschiedene damit verbundene Praktiken.

Ich dachte immer mehr über das Swingen nach. Ich dachte mir, dass es schließlich auch Paare gibt, die ihr ganzes Leben miteinander verbringen und trotzdem gemeinsam sexuelle Abenteuer erleben, ohne, dass es ihrer Beziehung schaden würde.

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Wir meldeten uns bei einem Swinger-Portal an

Schließlich meldeten wir uns bei einem Swinger-Portal an. Wir erstellten jeder einen eigenen Account und unterhielten uns mit anderen Nutzern in Gruppenchats, erst einmal, ohne jemanden zu treffen. Dann begangen wir, Regeln zu definieren – denn wenn wir schon mit anderen Menschen schlafen wollten, dann als Paar. 

Und schließlich nahmen die Dinge ihren Lauf: Bei meiner Rückkehr nach Paris schlug Jean vor, dass wir später noch in einen Club gehen könnten, nachdem wir mit Freunden in einer Bar bereits etwas getrunken hatten. Anfangs war ich von der Idee nicht begeistert und sträubte mich ein wenig. Doch nur ein paar Drinks später wurde ich etwas lockerer und änderte meine Meinung: Ich sagte Jean, dass ich einverstanden sei. Das hat ihn sehr gefreut. Ihn so glücklich zu sehen, machte auch mich glücklich.

Gegen 23 Uhr ließen wir unsere Freunde zurück und machten uns auf zu einem Swinger-Club. Der Club ist nur für Pärchen, Singles haben dort keinen Zutritt. An der Kasse zahlten wir 60 Euro Eintritt. 

Zunächst ging es zum Umkleideraum – dort tauschten wir unsere Kleidung und Unterwäsche gegen einen Pareo, eine Art Wickelrock, und ein Fußgelenk-Täschchen für Kleinigkeiten wie Wertgegenstände, Zigaretten und Kondome. Auf unserem Weg in den Saal trafen wir nackte Menschen und hörten Paare beim Sex. Ich dachte mir: “Das ist es jetzt, Isabelle. Jetzt bist du hier.”

Es war schwül-warm in den Räumen. Die Stimmung war besonders, ungewöhnlich – mit vielen kleinen Zimmern und Nischen, orientalisch dekoriert – unfassbar eigentlich. Ich laufe ein wenig umher, schlendere vorbei an Menschen, die in einem Whirlpool baden. Eine Mischung aus Scham und Aufregung überkommt mich. Ich war verängstigt, ein wenig verwirrt – und gleichzeitig sehr erregt.  

Im Swinger-Club sprachen mich vor allem Frauen an

Wir unterhielten uns mit ein paar Leuten – überraschenderweise sprachen mich vor allem Frauen an. Sie machten immer den ersten Schritt – die Männer hielten sich zurück, bis sie die Erlaubnis ihrer Partnerinnen hatten. Der Druck, den ich anfangs verspürte, ließ etwas nach. Wir gingen in den Raucherbereich, um eine Zigarette zu rauchen.

Dann sprach uns eine ältere Frau an. Sie hatte einen jungen Mann im Schlepptau, ihre Beute, wie sie uns erklärte. Sehr schnell kamen wir ins Gespräch. Ich erzählte, dass ich heute zum ersten Mal in einem Swinger-Club sei. Sie reagierte sehr ruhig und verständnisvoll. Wir tranken zusammen etwas an der Bar. Uns war heiß – der Schweiß rann nur so an uns herab, wir tupften ihn uns ab. Und dann ging es los – die Frau fing an, mich anzufassen. 

Schließlich näherte sich auch mein Freund der Frau – und ihr Begleiter wiederum mir. Aber er war offensichtlich nervös und bekam keine Erektion. Nach einer kurzen Weile gaben wir es auf – aber das war nicht schlimm. Obwohl es nicht zum eigentlich Akt gekommen war, führten wir immerhin schöne Gespräche und tauschten Zärtlichkeiten aus. Ein guter Anfang. Ich fühlte mich wohl. Nachdem wir den Club verließen, wusste ich: Das war nicht das letzte Mal in einem Swinger-Club. 

Gleich am nächsten Tag suchten wir einen neuen Swinger-Club auf

Gleich am nächsten Tag probierten wir es wieder – diesmal in einem anderen Club im Viertel Pigalle. Hier herrschte eine ganz andere Atmosphäre. Die Räume wirkten ein wenig schmutziger, altmodischer. Die Duschen sahen aus wie im Schwimmbad, die Fliesen zersplittert. Die Musik war sehr laut. Zusammengefasst: Ich fragte mich bald schon, was ich an diesem Ort eigentlich wollte.

Aber ich gewöhnte mich schnell an ihn – wahrscheinlich wegen der Bekanntschaft, die wir am Whirlpool machten: Dort trafen wir zwei Männer und eine Frau. Mit einem von ihnen hatte ich schließlich Sex, während der andere mit der Frau neben uns schlief. Mein Freund saß dabei und beachtete uns. Das machte mir Spaß – ich stellte fest, dass ich es liebte, von anderen Männern begehrt zu werden. Meine Hormone spielten verrückt.

Nach dem Sex blieben wir noch im Club. Obwohl ich am Tag zuvor noch schüchtern gewesen war und mich lieber zurückgehalten hatte, war nun ich es, die andere Menschen ansprach und auf sie zuging – wie zum Beispiel ein Paar, dem wir uns anschlossen. Mein Freund schlief mit der Frau und ich mit ihrem Partner, ein Fremder schaute uns dabei zu – also eine ähnliche Konstellation wie vorher.

Ursprünglich hatte ich Angst davor gehabt, dass Jean sein Interesse an mir verlieren könnte. Nun dachte ich überhaupt nicht mehr daran und war diejenige, die sich Hals über Kopf ins Vergnügen stürzte. Jean schien das nicht zu stören – er sah mich gern mit anderen Männern. Was ihn beunruhigt hatte, war, dass ich es nicht verkraften würde, ihn mit einer anderen Frau zu sehen. Aber es funktionierte.

Zurück zu Hause fühlten wir uns irre, wir waren furchtbar aufgekratzt. Nach diesem Erlebnis wieder miteinander zu schlafen, nur wir beide, war unglaublich schön. 

Unsere Swinger-Erfahrung hat uns einander näher gebracht

Mittlerweile bin ich nicht mehr mit Jean zusammen – aber unsere Swinger-Erlebnisse hatten sich gelohnt. Die Erfahrung damals brauchte uns näher zusammen, vor allem auf sexueller Ebene. Aber nicht nur: Es klingt vielleicht komisch, aber wenn ich ehrlich bin, ist unsere Swinger-Geschichte eine, die ich einfach sehr gerne erzähle. Damals haben wir sie zum Beispiel sehr gern unseren Freunden wie einen guten Witz erzählt – und ein bisschen auch, um sie neidisch zu machen.

Es war sp, als würden wir ihnen sagen: “Schaut mal, solche Dinge treiben wir zusammen. Gebt zu, sowas würdet ihr auch gerne mal mit euren Partnern machen!” Ich hatte das Gefühl, dass Jean und ich zusammen stark sind, dass wir uns sehr nahe stehen. Als könnten wir solche Dinge gemeinsam anstellen, ohne dass sie unserer Beziehung etwas anhaben könnten. 

Meine Swinger-Erfahrung hat mich befreit. Ich bin sexuell offener geworden, obwohl ich niemals wirklich verklemmt war. Ich habe zum Bespiel noch nie mit mehreren Männern gleichzeitig geschlafen, aber jetzt könnte ich mir das vorstellen. Ich bin dem nicht (oder nicht mehr) abgeneigt.

Das Swingen fehlt mir

Seitdem Jean und ich uns getrennt haben, ist ein Jahr vergangen. Seitdem hatte ich mehrere andere Beziehungen. Seit drei Monaten treffe ich mich mit einem neuen Mann – ich habe ihm bereits von meinen Swinger-Erlebnissen berichtet. Mit ihm kann ich mir das allerdings nicht vorstellen – ich glaube, das ist einfach nicht sein Ding. Sollte er es sich allerdings doch vorstellen können, mit mir in einen Swinger-Club zu gehen, sollte der Vorschlag von ihm kommen, das fände ich mehr sexy. 

Ich würde aufgrund des Swingens jetzt nicht auf eine fester Partnerschaft verzichten. Aber ich muss zugeben: Das Swingen fehlt mir. Ich würde gerne wieder in den Club gehen, ein wenig Spaß haben. Ich will nicht, dass diese Erfahrung nur eine kurze Phase in meinem Leben bleibt. Ich habe diese Tür gemeinsam mit Jean geöffnet. Aber ich möchte nicht, dass sie sich wieder schließt.

Dieser Text basiert auf einem Gespräch und wurde verfasst von Valentin Etancelin. Er erschien zunächst in der französischen Ausgabe der HuffPost und wurde übersetzt von Moritz Diethelm und Agatha Kremplewski.

(ll)