LIFESTYLE
02/07/2018 11:46 CEST | Aktualisiert 03/07/2018 17:25 CEST

Forscher wollten wissen, wie normale Vagina aussieht – das ist das Ergebnis

Es war den Wissenschaftlern nicht möglich, einen Standard festzulegen.

  • Schweizer Ärzte haben herausgefunden, dass sich ein durchschnittliches Aussehen einer Vulva nicht bestimmen lässt.
  • Dennoch unterziehen sich weltweit immer mehr Frauen einer Operation im Intimbereich – um der Norm zu entsprechen.
  • Im Video oben: 5 unglaubliche Dinge, die eine Vagina kann.

Sie ist einer der aktuell größten Trends im Bereich der Schönheitsoperationen: die Labioplastik. Bei der Prozedur werden die Schamlippen von Frauen verkleinert.

Denn: Immer mehr Frauen sind der Meinung, dass ihre Vulva nicht normal aussieht – und wollen das mit einer OP ändern. 

Aber: Eine normale Vulva gibt es gar nicht. Das haben Schweizer Forscher nun herausgefunden.

Die Wissenschaftler vom Luzerner Kantonspital untersuchten 657 Frauen zwischen 15 und 84 auf die Größe der inneren und äußeren Schamlippen, der Klitoris, der Vaginalöffnung und des Perineums. 

So unterschiedlich, dass ein Durchschnitt niemandem gerecht wird

Das Ergebnis: Die Geschlechtsteile der Frauen waren in jeder Kategorie so unterschiedlich, dass die Ärzte konstatierten, dass jegliche Festlegung eines Durchschnitts den meisten Frauen nicht entsprechen würde.

So betrug zum Beispiel die durchschnittliche Länge der untersuchten inneren Schamlippen 43 Millimeter. Aber während die inneren Labia bei einigen Frauen nur 5 Millimeter lang waren, waren andere ganze 100 Millimeter lang. Die Länge der äußeren Schamlippen betrug im Schnitt 80 Millimeter, aber reichte in den Untersuchungen von 12 bis 180 Millimeter. 

Ähnliches gilt für die Größe der Klitoris: Während der Durchschnitt bei sieben Millimetern liegt, reichen auch hier Messungen von 0,5 Millimetern bis zu 34 Millimetern. 

Obwohl sich bei diesen Ergebnissen kaum ein Standard dafür festlegen lässt, wie eine “normale” Vulva aussieht, legen sich mehr und mehr Frauen und Mädchen für das perfekte Geschlechtsteil unters Messer.

Laut der Internationalen Gesellschaft für Ästhetische und Plastische Chirurgie (ISAPS) gab es keine Schönheits-OP, nach der die Nachfrage so stark angestiegen ist: Um ganze 45 Prozent im Jahr 2016 im Vergleich zu 2015. 

Ein Viertel aller Patientinnen zwischen 5 und 25

Und nicht nur in Brasilien und den USA ist die “Barbie-Vulva”, wie sie von Medien gerne genannt wird, im Trend. Auch in Deutschland folgen immer mehr Frauen dem angeblichen Schönheitsideal. Ließen sich 2005 noch nur rund 1000 Frauen die Schamlippen verkleinern, waren es 2011 schon mehr als 5400 – Tendenz steigend.

Aber wieso unterziehen sich mehr und mehr Frauen einer Labioplastik, für die es nur in sehr wenigen Fällen eine medizinische Indikation gibt? Es geht rein um die Ästhetik. Und darum, dass Frauen glauben zu wissen, wie eine “normale” Vulva auszusehen hat. Das angebliche Ideal ähnelt dem Geschlechtsteil eines Kindes und wird über Medien und die Porno-Industrie verbreitet. 

Besonders besorgniserregend: Die Mehrheit der Frauen, die sich einer Operation unterziehen, ist sehr jung. In einer aktuellen Studie aus Australien fanden Ärzte heraus, dass ein Viertel aller Labioplastiken an Frauen und Mädchen zwischen fünf und 25 durchgeführt wird.

Es gibt auch Risiken

Jeder Versuch, eine normale Vulva zu definieren, sei ein Grund zur Sorge, sagt der an der Studie beteiligte Gynäkologe Kenneth Levey dem britischen Portal “Daily Mail”. “Die Wahrnehmung einer Frau in Zusammenhang mit dem Aussehen ihrer Schamlippen ist sehr subjektiv. Es ist unmöglich, einen Standard festzulegen”, sagt der Arzt.

Patientinnen, die keinerlei Schmerzen wegen zu langer oder großer Schamlippen hätten, sollte in der Beratung von ihrem Arzt gesagt werden, dass es kein “normal” gibt, rät der Gynäkologe. Außerdem sollten sie darüber aufgeklärt werden, dass es Risiken wie bei jeder Operation gibt. 

Es kann durchaus einen medizinischen Grund für eine Verkleinerung der Schamlippen geben. Manche Frauen würden Schmerzen zum Beispiel beim Fahrradfahren oder Reiten leiden, sagt Levey.

Für viele Frauen ist jedoch der Grund für eine OP in erster Linie ein ästhetischer. Und, wie jede Operation, hinterlässt eine Labioplastik Narben. Die können schmerzhaft oder optisch nicht ansprechend sein.

(glm)