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23/05/2018 09:08 CEST | Aktualisiert 23/05/2018 10:15 CEST

USA wollen KZ-Aufseher nach Deutschland abschieben: Nun gibt es Streit

Der 94-Jährige lebt immer noch in seinem Haus im New Yorker Stadtteil Queens.

Ira Nowinski via Getty Images
Jakiv Palij soll als Aufseher in Treblinka gearbeitet haben.
  • Die amerikanische Regierung möchte den ehemaligen SS-Mann und KZ-Aufseher Jakiv Palij nach Deutschland abschieben.
  • Doch die Bundesregierung will ihn nicht aufnehmen – weil er nie deutscher Staatsbürger war.

Zwischen der Bundesregierung und den USA ist ein lange schwelender Streit um eine geplante Abschiebung wieder entbrannt: Die amerikanische Regierung möchte unbedingt einen ehemaligen SS-Mann und KZ-Aufseher loswerden – doch Deutschland weigert sich, ihn aufzunehmen.

Jakiv Palij lebt seit 1949 in den USA, er erhielt auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Diese wurde ihm jedoch 2004 wieder entzogen, weil er nach einem Bericht der “Bild”-Zeitung seine Mitgliedschaft bei der SS verschwiegen hatte.

Palij soll als Aufseher in Treblinka gearbeitet haben

Der gebürtige Pole soll 1943 im Lager Travniki zum SS-Aufseher ausgebildet und als Aufseher im Vernichtungslager Treblinka eingesetzt worden sein.

Nur würde es nicht genügend Beweise geben, um deshalb Palij haftbar zu machen und einzusperren. Einen Haftbefehl gegen ihn gibt es nicht, auch wenn es sehr wahrscheinlich ist, dass er am Holocaust beteiligt war.

Die Staatsanwaltschaft Würzburg ermittelte laut “Bild” 2015 gegen den Mann, das Verfahren wurde jedoch eingestellt. Palij selbst stellt sich als Opfer dar und sagte aus, er wäre zur SS-Mitgliedschaft gezwungen worden.

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Kein Land will den ehemaligen KZ-Aufseher aufnehmen

Der 94-Jährige lebt immer noch in seinem Haus im New Yorker Stadtteil Queens. Seit Jahren versuchen die USA, ihn abzuschieben – doch kein Land will ihn aufnehmen. Weder Deutschland, noch Polen, noch die Ukraine.

Die amerikanischen Behörden sehen jedoch vor allem Deutschland in der Pflicht, ihnen Palij abzunehmen, da er für das NS-Regime gearbeitet hat.

Die Bundesregierung weigert sich jedoch – die Begründung: Palij wäre nie deutscher Staatsbürger gewesen. Da es auch keinen Haftbefehl gegen ihn gäbe, sähen sie keinen Grund, den Mann aufzunehmen.

Die amerikanische Regierung macht immer wieder Druck

Die amerikanische Regierung will sich damit nicht zufrieden geben: Abgeordnete und jüdische Organisationen machen immer wieder Druck, Palij abzuschieben.

Nun hat die Trump-Regierung versprochen, den Mann loszuwerden.

Die US-Zeitung “Washington Post” bezeichnete Palij als “letzten in Amerika lebenden Nazi-Kollaborateur, der das Land verlassen muss”.

Deutschland habe in neun Fällen abgelehnt, ehemalige Nazi-Kollaborateure aufzunehmen, weshalb diese unbehelligt in den USA gestorben seien.

Die Befürworter einer Abschiebung befürchten, dass dies nun auch bei Palij der Fall sein könnte.

(cho)