POLITIK
30/03/2018 10:00 CEST | Aktualisiert 30/03/2018 13:23 CEST

Skripal-Affäre: US-Medienbericht offenbart, wie es weitergehen könnte

Auf den Punkt gebracht.

Im Video oben: Nach Ausweisung russischer Diplomaten – SPD-Vize Stegner warnt vor Eskalationskaskade

Der Fall des Giftanschlags auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal hat sich längst zu einer internationalen Krise ausgewachsen.

Am Donnerstagabend hat Russland die Ausweisung Dutzender westlicher Diplomaten verfügt, allein die USA müssen 60 diplomatische Mitarbeiter aus Russland zurückholen, das US-Generalkonsulat in St. Petersburg wird geschlossen.

Die Beziehungen zwischen Moskau und Washington haben sich dramatisch verschlechtert in den vergangenen Tagen. Die US-Regierung kritisierte Russland, nannte die Ausweisung der US-Diplomaten “nicht gerechtfertigt”.

Wie geht es weiter? Ein Bericht der “Washington Post” und eine Meldung über die Tochter des angegriffenen Ex-Spions geben Antworten. Der Fall Skripal – auf den Punkt gebracht.

Die aktuelle Lage in der Nervengift-Krise:

► Auslöser der diplomatischen Krise war der Giftangriff Anfang März auf den russischen Ex-Doppelagenten Skripal (66) und dessen Tochter Yulia (33) in Südengland. Großbritannien macht Russland dafür verantwortlich.

► Neben Großbritannien haben die USA, Kanada und mehr als ein Dutzend EU-Staaten mit der Ausweisung russischer Diplomaten auf den Giftanschlag reagiert.

► Nun hat Russland mit der Ausweisung westlicher Diplomaten reagiert. Die Kritik der USA an diesem Schritt verschärft den Streit.

Wie es in der Krise für Europa weitergeht:

► Die USA hatten besonders scharf auf die britischen Vorwürfe gegen Moskau reagiert und insgesamt 60 russische Diplomaten ausgewiesen. Daher trifft die Reaktion Russlands nun vor allem die Vereinigten Staaten.

► Aber auch Deutschland hat vier russische Diplomaten aufgefordert, das Land zu verlassen. Am Donnerstag ging Außenminister Sergej Lawrow zwar nicht konkret auf die Bundesrepublik ein, aber auch Berlin drohen womöglich noch Vergeltungsmaßnahmen aus Moskau.

Mehr zum Thema: Britischer Botschafter nach Nervengift-Anschlag: “Das nächste Mal könnte es in Deutschland passieren”

Wie es zwischen Russland und den USA weitergeht:

► Ein Bericht der US-Tageszeitung “Washington Post” deutet an, was die nächsten Schritte für Washington sein könnten – eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht.

► Die Berater von US-Präsident Donald Trump hätten ihm am vergangenen Montag drei mögliche Optionen präsentiert, wie er gegen Russland vorgehen hätte können. Die “mittlere” Option, die Trump wählte, habe schließlich in der Ausweisung von 60 Diplomaten und der Schließung des russischen Konsulats in Seattle bestanden.

► Die “schwere” Option, über die die “Washington Post” berichtet, deutet an, was Trump als nächstes tun könnte: Die USA wüssten noch über 40 getarnte russische Spione in ihrem Land Bescheid. Sie könnten ebenfalls ausgewiesen werden.

► Die Frage bleibt: Welche Mittel kann Washington aber nach der Ausweisung russischer Diplomaten noch ergreifen?

► “Das ist es wohl soweit für die diplomatischen Ausweisungen”, betont die Sicherheitsexpertin Rachel Rizzo vom Thinktank Center for a New American Security im Gespräch mit dem US-Portal “Vox”. “Das Problem ist, dass es um die Beziehungen viel schlechter bestellt ist als zuvor, und das grundlegende Problem zwischen beiden Seiten besteht noch immer”.

Die Aussage von Skripals Tochter könnte ein neues Licht auf die Vorwürfe bringen: 

► Womöglich kommt aber auch durch die Aussage der Tochter des vergifteten Ex-Spions Bewegung in die diplomatische Krise. 

► Einem BBC-Bericht zufolge ist sie bereits wieder bei Bewusstsein und kann sprechen.

► Am Donnerstag hatte das Krankenhaus in Salisbury mitgeteilt, dass sich der Gesundheitszustand der 33-Jährigen verbessere. Der Zustand ihres Vaters hat sich demnach nicht verändert, er bleibe “kritisch aber stabil”. 

Auf den Punkt gebracht:

Die Beziehungen zwischen dem Westen und Russland verschlechtern sich weiter. Die USA könnten noch weitere diplomatische Maßnahmen gegen Moskau ergreifen. Der Streit wird wohl vorerst weitergehen.

(ks)