POLITIK
14/04/2018 07:27 CEST | Aktualisiert 14/04/2018 10:45 CEST

Der Westen greift Syrien an: Diese 5 Dinge müsst ihr jetzt wissen

Auf den Punkt gebracht.

Im Video oben: Rhetorik zwischen Trump und Putin zeigt, wie gefährlich die Lage zwischen den USA und Russland in der Syrien-Krise ist.

Die USA, Frankreich und Großbritannien haben ihre Drohungen wahr gemacht und in der Nacht zu Samstag mehrere Ziele in Syrien angegriffen. 

Es soll sich dabei laut Angaben des amerikanischen Verteidigungsministeriums um eine begrenzte Militäraktion gehandelt haben, über zusätzliche Luftschläge ist bisher nichts bekannt.

Dennoch hat die Militäraktion die Spannungen zwischen dem Westen auf der einen und Syrien und Russland auf der anderen Seite massiv verstärkt, Moskau protestierte und drohte mit Konsequenzen.

Wie es im Bürgerkriegsland Syrien jetzt weitergeht? Diese fünf Dinge müsst ihr an diesem Samstag wissen. Der Militärschlag gegen Syrien – auf den Punkt gebracht.

1. Was zum Angriff führte:

► Die USA, Frankreich und Großbritannien wollen mit dem Militärschlag den mutmaßlichen Giftgas-Angriff am vergangenen Wochenende in der syrischen Stadt Duma vergelten. Dabei kamen Dutzende Menschen ums Leben.  

► US-Präsident Donald Trump und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprachen davon, Belege über einen Giftgas-Einsatz zu besitzen. Öffentlich wurden diese bisher nicht gemacht. Syrien und Russland bestreiten den Einsatz, eine unabhängige Ermittlung der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) soll den Angriff in Duma nun untersuchen.

► Viel spricht aber dafür, dass Syriens Machthaber Baschar al-Assad erneut zu Chemiewaffen griff, um den Widerstand von Rebellengruppen zu brechen. Das Recherche-Portal “Bellingcat” kommt nach der Analyse von Videos und Augenzeugenberichten aus Duma zu dem Schluss, dass höchstwahrscheinlich Chlorin eingesetzt wurde.

2. Welche Ziele in Syrien bombardiert wurden: 

► In der Nacht auf Samstag folgte die Vergeltung: Der Militäreinsatz richtete sich nach Angaben von US-Verteidigungsminister James Mattis gegen insgesamt drei Ziele.

► Getroffen worden seien laut dem Pentagon eine Forschungseinrichtung in Damaskus, ein Waffenlager in Homs und ein Lager für chemische Waffen nahe Homs.

► Das Syrische Staatsfernsehen berichtet, das syrische Militär habe 13 Raketen abgefangen. Es soll keine Toten gegeben haben, aber mehrere Verletzte, darunter laut syrischen Angaben auch mindestens drei Zivilisten.

► Klar ist: Der Angriff des Westens fiel begrenzter aus als von vielen Seiten befürchtet. Laut US-Verteidigungsminister Mattis seien keine weiteren Schläge geplant. 

► Die Aktion war allerdings härter als der US-Angriff vor rund einem Jahr auf die syrische Luftwaffenbasis Schairat. Auch dieser Angriff war damals eine Reaktion auf einen Einsatz der syrischen Armee von Chemiewaffen.

3. Wie Syrien und Russland reagiert haben

 Syrien hat den Angriff der drei Westmächte auf das Land als Verstoß gegen internationales Recht kritisiert. 

 Russland drohte mit Konsequenzen. “Russlands Präsidenten zu beleidigen, ist inakzeptabel”, schrieb der russische Botschafter in den USA, Anatolij Antonow, auf Twitter. “Die USA, die das größte Arsenal chemischer Waffen besitzen, haben kein moralisches Recht, andere Staaten zu verurteilen.”

 Alexander Scherin, Vizevorsitzender des Verteidigungsausschusses der Staatsduma, verglich US-Präsident Trump am Samstag mit Adolf Hitler. “Man kann ihn den Adolf Hitler unserer Zeit nennen”, sagte er. “Schauen Sie mal, er hat sogar dieselbe Uhrzeit ausgewählt zu der Hitler die Sowjetunion angegriffen hat”, sagte Scherin der Agentur Ria Nowosti. Die deutsche Wehrmacht hatte am 22. Juni 1941 frühmorgens mit dem Überfall auf die Sowjetunion begonnen.

Mehr zum Thema: Trump vs. Putin: Russisches Staatsfernsehen warnt vor Drittem Weltkrieg

4. Warum die Situation weiter eskalieren könnte

 Vor dem Militärschlag war eine direkte Konfrontation von Russland und den USA in Syrien befürchtet worden. Die russische Armee unterstützt den syrischen Machthaber im Bürgerkrieg. 

 Laut der Darstellung des US-Militärs habe die Armee den Angriff nicht mit Russland koordiniert. Es habe lediglich Kommunikation über den regulären Kanal zwischen dem russischem und amerikanischem Militär zur Vermeidung von Zwischenfällen über Syrien gegeben. Eine detaillierte Absprache hätte Spannungen womöglich vermieden.

5. Was Experten sagen

 Die Militärschläge begannen und endeten am Samstag. Die Aktion wird wohl  ohne größere Folgen für den Krieg in Syrien bleiben. 

 “Das ist ein kurzlebiger Erfolg für Präsident Donald Trump, aber das wird den Ausgang dieses Kriegs nicht ändern”, sagte der US-Journalist David Rohde dem US-Sender CNN. Die Achse Syrien, Russland und Iran habe sich in dem Konflikt durchgesetzt. 

 Die USA, Frankreich und Großbritannien haben mit dem Militärschlag wohl vorerst weitere Angriffe der syrischen Armee mit Chemiewaffen verhindert, ein Ende des blutigen Konflikts in Syrien ist allerdings vorerst nicht absehbar.

Mehr zum Thema: Syrien: Wie die Welt vor dem Kriegsverbrecher Assad auf die Knie fällt

Der Militärschlag in Syrien auf den Punkt gebracht:

Ein Angriff in Syrien durch die USA, Frankreich und Großbritannien hat sich in den vergangenen Tagen abgezeichnet. Die Aktion fiel begrenzter aus als erwartet. Am Verlauf des Kriegs in Syrien wird der Schlag wohl nichts ändern.

Das Verhältnis des Westens zu Russland hat sich unterdessen weiter verschlechtert.