POLITIK
22/02/2019 13:12 CET

USA, IS und die Kurden: Diese 3 Entwicklungen in Syrien solltet ihr kennen

Auf den Punkt.

ANAS AL-DYAB via Getty Images
Eine Frau wurde in Khan Shaykhun in der Provinz Idlib Opfer eines Bombenangriffs.

Die Weltöffentlichkeit wendet sich ab. Es wird leise um Syrien. Fast könnte man glauben: Der Krieg, der nun seit fast acht Jahren tobt, steht vor dem Ende.

Das jedoch wäre weit gefehlt. Noch immer wüten in Syrien grausame Gefechte, jeden Tag gibt es Tote. In der Provinz Idlib erinnern die Zustände mitunter an die erschütternde monatelange Belagerung der Stadt Aleppo. 

Gleichzeitig verschieben sich im Osten des Landes die Fronten.

Wir haben die drei wichtigsten Entwicklungen auf den Punkt gebracht.   

1. Der Abzug Mueller-Ermittlungen angeblich vor Abschluss: So bereitet sich Trump

Die USA halten an ihrem Plan fest, ihren militärischen Einsatz in Syrien zurückzufahren, wollen nun aber doch nicht alle ihre Soldaten abziehen.

► “Eine kleine Friedenssicherungstruppe von rund 200 wird für einen bestimmten Zeitraum in Syrien bleiben”, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, dem Sender CBS am Donnerstag.

US-Präsident Donald Trump hatte im Dezember angekündigt, alle 2000 US-Soldaten aus Syrien abzuziehen - mit der Begründung, die Terrormiliz Islamischer Staat sei dort bezwungen. 

Trumps Ankündigung des Abzugs aus Syrien hatte national wie international große Irritationen ausgelöst. Nach viel Kritik war Trump davon abgerückt, dass der IS bereits komplett besiegt sei.

Der Abzug der US-Truppen würde die Kräfteverhältnisse in der Region verändern.

► So droht die Türkei, mit einer Offensive im Norden Syriens gegen die Kurdenmiliz YPG vorzugehen, den als Teil der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) wohl engsten Verbündeten der USA im Kriegsland.

► Zum anderen fragt etwa der renommierte Syrien-Experte Charles Lister: Würde die neue Truppenstärke der USA reichen, um auch Frankreich und England in Syrien zu halten? Und: Würde sich ohne die USA ein Krieg zwischen SDF und Assad verhindern lassen?

Bislang herrscht weitgehend Frieden zwischen den Parteien. Die SDF führt Krieg gegen den IS, die syrische Armee billigt die kurdisch kontrollierten Territorien im Nordosten Syriens. Doch auch diese Übereinkunft gilt als fragil.

Die Frage nach der Zukunft der kurdischen Verwaltungszonen ist ungeklärt. YPG-Sprecher Nuri Mahmud sagte der HuffPost im Januar: 

“Wir sehen uns auch in Zukunft als ein Teil Syriens, jeglicher Freiheitskampf unsererseits gilt immer der gesamten Bevölkerung des Landes Syriens egal welcher Ethnie. Insofern sehen wir Assad als einen Verbündeten, wenn es darum geht, Syrien zu verteidigen.”

2. Der Bombenhagel Mueller-Ermittlungen angeblich vor Abschluss: So bereitet sich Trump

In der Provinz Idlib nimmt der Krieg an Brutalität zu.

► Idlib im Nordwesten Syriens ist die letzte große Rebellenhochburg des Bürgerkriegslandes. Die Al-Kaida-nahe Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) kontrolliert die Region.

Russland als Unterstützer der syrischen Regierung und die Türkei als Verbündeter der Rebellen hatten sich im vergangenen Jahr auf eine Pufferzone für Idlib geeinigt. Damit sollte ein Angriff der Regierung verhindert werden.

Dieser ist aber seit rund einer Woche in vollem Gang. Besonders die kleine Stadt Chan Scheichun, die bereits im April 2017 Ziel einer Giftgasattacke wurde, scheint hart getroffen zu werden.

Rupert Colville, Sprecher der Hohen Kommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen, sagte jüngst:

“Große Zahlen an Zivilisten, inklusive hunderttausende Vertriebene in Idlib und Nordaleppo leben in nicht auszuhaltenden Zuständen. Sie sind gefangen zwischen den Feindseligkeiten und der Bombardierung und müssen zum anderen unter der extremistischen Führung von HTS und anderen radikalen Kämpfern leben, die immer wieder gezielte Tötungen, Entführungen und willkürliche Verhaftungen durchführen.”

Vergangene Woche kamen bei einer Doppelexplosion 24 Menschen ums Leben, 16 davon Zivilisten, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

► Frühen Berichten zufolge soll unter den Opfern auch der HTS-Anführer Abu Mohammed Al-Jolani sein. Während die Terrororganisation das bestreitet, haben russische und türkische Medien berichtet, dass Jolani in einem Krankenhaus in der türkischen Stadt Antakya behandelt werde.

3. Das Terrornest Mueller-Ermittlungen angeblich vor Abschluss: So bereitet sich Trump

Im Osten des Landes geht derweil der Kampf gegen die letzte IS-Bastion weiter.

Zahlreiche Zivilisten und Familienangehörige von IS-Kämpfern haben am Mittwoch die Enklave um den Ort Baghus verlassen können.

Etwa 2000 Menschen seien auf Lastwagen aus dem Gebiet gebracht worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Der Großteil seien Zivilisten und Familienangehörige von IS-Kämpfern gewesen. Aber auch 150 Kämpfer sollen darunter gewesen sein.

Etwa 30 Lastwagen der kurdisch geführten SDF verließen am Mittwoch den umzingelten Ortsteil von Baghus.

Auch Kinder saßen auf den Ladeflächen, die Gesichter erschöpft und staubig. Die Fahrzeuge fuhren zunächst in Richtung eines improvisierten Lagers der kurdischen Kämpfer.

Ein SDF-Sprecher sagte, die von den USA angeführte Anti-IS-Koalition fliege weiter Luftangriffe auf die Verstecke der Dschihadisten. Bereits am Dienstag hatten rund 30 Personen das noch von den IS-Kämpfern gehaltene Gebiet verlassen können.

Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, hatte zuvor ihre Sorge geäußert, dass Hunderte Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht würden.

Mit Material der dpa.

(jg)