POLITIK
15/12/2017 07:32 CET | Aktualisiert 15/12/2017 14:13 CET

USA werfen Iran verbotene Waffenlieferungen vor – und behaupten, Beweise zu haben

Die Islamische Republik soll militante Gruppen im Jemen, Libanon, Irak und Syrien unterstützt haben.

Yuri Gripas / Reuters

Washington will beweisen können, dass der Iran militante Gruppen im Jemen bewaffnet und damit UN-Resolutionen verletzt. Teheran wehrt sich gegen die Vorwürfe und spricht von Provokationen.

Das ist passiert: 

► Im Jemen führt der US-Verbündete Saudi Arabien einen Krieg gegen die sogenannten Huthi-Rebellen – eine schiitische Miliz, die vom Iran unterstützt werden soll.

►  Die Botschafterin der USA bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, will dafür nun Beweise haben. Am Donnerstag präsentierte sie angebliche Überreste einer Huthi-Rakete, die belegen sollen, dass im Iran gebaute Waffensysteme oder Bauteile für Waffen aus dem Iran an die Rebellen im Jemen geliefert wurden.

► Der iranische UN-Botschafter Gholamali Choschru wies die Vorwürfe zurück. “Der Iran hat Jemen nie Raketen zur Verfügung gestellt und diese Unterstellungen sind absolut grundlos.”

Darum ist es wichtig: 

Die USA haben den Iran zum neuen Erzfeind im Nahen Osten erkoren. Gleichzeitig haben die Vereinigten Staaten die Beziehungen zu Saudi Arabien, dem größten Konkurrenten des Irans in der Region, intensiviert. 

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US-Präsident Donald Trump hat so etwa das von den USA, Großbritannien, Russland, Frankreich, China, Deutschland und der EU unterzeichnete Atomabkommen mit der Islamischen Republik von US-Seite aus auf Eis gelegt. 

Auch seine UN-Gesandte Haley sagte nun: “Der Iran versteckt sich hinter dem Atomdeal.” Der Kampf gegen iranische Aggressionen sei nicht nur der Kampf der USA, sondern der Kampf der ganzen Welt. 

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Tatsächlich hat der Iran seinen Einfluss im Nahen Osten stark ausgebaut – in Syrien, im Libanon, im Irak und eben auch im Jemen. 

Was ihr noch wissen solltet: 

Die Behauptungen Haleys wurden noch nicht unabhängig überprüft.

Tatsächlich haben die Vereinten Nationen einen aktuellen Bericht verfasst, von dem angenommen wird, dass er dem Iran die Einhaltung des Atomabkommens mit der internationalen Gemeinschaft attestiert. 

Haley erwähnte zudem während ihres Vortrags nicht, dass der Verbündete Saudi Arabien – mit dem die USA gerade erst einen 110 Milliarden teuren Waffendeal beschlossen haben – im Jemen massive Kriegsverbrechen begeht. 

Der Auftritt der UN-Gesandten weckte zudem Erinnerungen an den des ehemaligen US-Verteidigungsministers Colin Powell vor der UN. Dieser hatte behauptet, Beweise dafür zu haben, dass der Irak unter dem Diktator Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besitze. 

Wie sich herausstellte, waren diese Beweise gefälscht – und dennoch nutzte die USA sie als Rechtfertigung für den Irakkrieg

Ein Umstand, an den auch Irans Außenminister Javad Zarif in Reaktion auf Haleys Anschuldigungen erinnerte. 

Mit Material der dpa