POLITIK
14/04/2018 10:46 CEST | Aktualisiert 14/04/2018 13:56 CEST

Warum der Syrien-Angriff ohne Folgen bleiben wird – und wo Gefahr droht

Auf den Punkt gebracht.

Sana Sana / Reuters

Die USA haben zugeschlagen. Zusammen mit Frankreich und Großbritannien hat das US-Militär in der Nacht zum Samstag drei Ziele in Syrien bombardiert.

Der Angriff fiel begrenzter aus als erwartet. Die drei westlichen Mächte wollten mit der Aktion den mutmaßlichen Einsatz von Giftgas durch das syrische Regime in Duma vergelten.

Doch die Frage bleibt: Wird der Militärschlag etwas bewirken?

Die Folgen des Angriffs für den syrischen Bürgerkrieg und die Konfliktlinien im Nahen Osten – auf den Punkt gebracht

Wie sah der Militäranschlag aus:

► Das US-Militär berichtet von drei Zielen: eine Forschungseinrichtung in Damaskus, ein Waffenlager in Homs und ein Lager für chemische Waffen nahe Homs. 

► Russland teilte mit, die USA, Frankreich und Großbritannien hätten mehr als hundert Geschosse eingesetzt, darunter Marschflugkörper. Die syrische Armee habe eine “bedeutende Anzahl” jedoch abgefangen. 

► Laut syrischen Angaben gab es bei den Angriffen keine Toten, aber mehrere Verletzte. Darunter sollen auch drei Zivilisten sein. 

► Es handelte sich um einen begrenzten Angriff, der dem syrischen Chemiewaffen-Programm galt. Weitere Angriffe seien nicht geplant, sagte US-Verteidigungsminister James Mattis.

Mehr zum Thema: Der Westen greift Syrien an: Diese 5 Dinge müsst ihr jetzt wissen

Wie schätzen Experten den Angriff ein:

► Der Nahost-Experte Markus Kaim von der Stiftung Wissenschaft und Politik sagte im Deutschlandfunk, der Angriff sei “ein militärisch bescheidener Fall”

► Er betonte: “Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass es um eine größere militärische Kampagne gehen würde, die wirklich die gesamte militärische Handlungsfähigkeit, die syrischen Streitkräfte schwächen würde”. Es kam anders.

► Mit Blick auf Russland sagte der USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und Autor des Blogs “usaexperte”, Josef Braml, der HuffPost: “Es wird nun deutlich: Das war viel heiße Luft im so genannten Kalten Krieg zwischen den USA und Russland.

► Trump hatte in einem Tweet am Mittwoch einen Angriff auf Syrien angekündigt und ausdrücklich auch Russland gewarnt. Beobachter hatten daraufhin eine direkte Konfrontation der beiden Mächte in Syrien befürchtet. 

► USA-Experte Braml hält Drohungen des US-Präsidenten vor allem für eine innenpolitische Botschaft: “Trumps markige Worte sollten seiner Bevölkerung und den Abgeordneten und Senatoren im Kongress, die ihn wegen der Russland-Causa seines Amtes entheben könnten, deutlich machen: Ich bin nicht Putins Marionette.

Welche Folgen der Angriff haben wird: 

► Beide Experten gehen davon aus, dass der Angriff der Westmächte im verfahrenen Krieg in Syrien ohne größere Folgen bleiben wird. 

► Nahost-Experte Kaim sieht keine “ausgedehnte Militärkampagne, die wirklich das Blatt wenden würde” kommen. “Und von daher, glaube ich, werden auch diese Militärschläge vergleichsweise wirkungslos verpuffen.”

► Im vergangenen Jahr haben die USA Syrien bereits nach einem Giftgas-Angriff in Chan Scheichun attackiert. Offenbar ohne Wirkung, denn Assad setzte am vergangenen Wochenende mutmaßlich erneut Chemiewaffen ein. 

Kaim sagte dazu: Es sei also nicht plausibel, dass vereinzelte Militärschläge das syrische Regime dazu bringen würden, “dass Chemiewaffen nicht mehr eingesetzt würden”. 

► USA-Experte Braml betonte mit Blick auf den seit Jahren tobenden Bürgerkrieg: “Die USA haben auch unter US-Präsident Trump weder die Ressourcen noch das geostrategische Interesse, den Syrien-Konflikt zu lösen.”

Wie es im Nahen Osten jetzt weitergeht: 

► Braml geht davon aus, dass vielmehr einer der Hauptunterstützer Syriens ins Kreuzfeuer der USA geraten wird: der Iran

► In der Vergangenheit drohte Trump mehrfach Teheran. Auch deutete er an, das Nuklearabkommen mit dem Land aufkündigen zu wollen. 

► Sollte es so kommen, gebe es nach der Auffassung der Verbündeten Israel und Saudi-Arabien sowie Trumps neuem Nationalen Sicherheitsberater wohl nur eine Lösung, um zu verhindern, dass der Iran in Besitz einer Atombombe gerät: einen Militärangriff

► Braml weist darauf hin, dass der neue Nationale Sicherheitsberater John Bolton bereits vor drei Jahren in einem Gastbeitrag in der “New York Timeseine Bombardierung des Iran gefordert hatte.

► Auch Nahost-Experte Kaim geht davon aus, dass sich der Konflikt demnächst auf das Duell USA gegen den Iran verlagern wird. Das gegenwärtige “Zuspitzen hat ja auch etwas zu tun mit dem Vormarsch oder dem Aufbau der militärischen Infrastruktur des Irans in Syrien”, sagte er im Deutschlandfunk. 

► Die nächste Unterfront im syrischen Bürgerkrieg werde daher zwischen Washington und Teheran verlaufen. ” Und hier droht eine weitere Eskalation, von der wir noch kein Ende sehen.” 

Auf den Punkt gebracht: 

Der begrenzte Angriff der USA auf drei Ziele in Syrien wird laut Experten ohne größere Folgen bleiben. Auch, weil Washington gar kein Interesse habe, den Konflikt zu lösen.

Vielmehr droht eine Eskalation im Nahen Osten zwischen den USA und dem Iran.