POLITIK
25/03/2018 15:51 CEST | Aktualisiert 25/03/2018 16:40 CEST

US-Waffenlobby keilt gegen Demonstranten: "Hollywood manipuliert Kinder"

Die Waffen-Vereinigung wirft den Protestierenden sogar Rassismus vor.

  • Die NRA versucht, die Anti-Waffen-Demonstranten zu diskreditieren
  • Sie wirft ihnen Manipulation und Rassismus vor

In den größten Protesten der jüngeren US-Geschichte sind am Samstag mehr als eine Million Amerikaner auf die Straße gegangen, um für schärfere Waffengesetze zu demonstrieren.

Was den Protest so stark macht, ist nicht nur die Vielzahl der Teilnehmer. Sondern auch die emotionale Wucht, die entfesselt wurde.

Denn ein Großteil der Demonstranten sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Sie haben eine Stärke, Konsequenz und vielfach auch Eloquenz gezeigt, die in starkem Kontrast zum Stil der aktuellen US-Regierung steht.

Kein Wunder also, dass die erfolgsgewohnten Waffenlobbyisten der National Rifle Association of America (NRA) dagegen keilen. 

 

Ein Facebook-Post lautete: “Die heutigen Proteste sind nicht spontan. Waffenhassende Milliardäre und Hollywood-Eliten manipulieren und instrumentalisieren Kinder als Teil ihres Plans, den Zweiten Verfassungszusatz zu ZERSTÖREN und uns unseres Rechts zu berauben, uns selbst und unsere Lieben zu verteidigen.”

Im sogenannten Second Amendment zur US-Verfassung wird der Waffenbesitz geregelt. Weil es einer wohlgeordneten Miliz zur Verteidigung des Staates bedürfe, dürfe das Recht des Volkes, Waffen zu tragen, nicht eingeschränkt werden.

Wie der Passus auszulegen ist, ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen.

Auf den Demonstrationen waren Hollywood-Größen wie George Clooney und Popstars wie Miley Cyrus aufgetreten.

“Hört auf, tote Kinder zu benutzen”

Den Vorwurf der NRA, dass dabei Kinder missbraucht oder manipuliert würden, erhoben Gegendemonstranten in Killeen, Texas.

James Everard etwa stand, behängt mit einer Waffe, neben seinem neunjährigen Sohn Steven. Er ließ sein zum Glück sehr lebendiges Kind ein Schild mit folgender Aufschrift hochhalten: “Hört auf, tote Kinder für striktere Waffengesetze zu benutzen.”

Scott Olson via Getty Images

Der “March for our Lives” sei rassistisch

Später am Samstag postete die NRA außerdem das Video des Waffen-Befürworters und Youtubers Colion Noir. Der Afroamerikaner wirft darin den Aktivisten und Teilnehmern des “March for our Lives” gegen Waffengewalt Rassismus und Überheblichkeit vor.

Sein Beleg: Ein Interview David Hoggs, eines weißen Schülers, der das Massaker an der Schule in Florida – das Auslöser der Proteste war – überlebt hatte. Hogg hatte gesagt, er fürchte, dass das Medienecho auf den Amoklauf nicht so groß gewesen wäre, wenn die Opfer sozial weniger privilegiert gewesen wären. Man müsse die Gesellschaft nun dafür sensibilisieren.

Noir wertet das als “unendliche Arroganz” eines Weißen, der jetzt auch Schwarzen das Recht auf Waffen verwehren wolle. 

Tatsächlich waren auf dem Marsch auch Afroamerikaner aufgetreten, darunter die elfjährige Naomi Wadler. Sie wollte junge schwarze Mädchen repräsentieren, deren Geschichten es eben sonst nicht in die Top-Schlagzeilen schaffen würden. 

Der aggressive Ton zeigt, wie nervös die NRA ist

Die Aggressivität, mit der die NRA die Proteste zu diskreditieren versucht, passt zum üblichen Ton der Waffenlobby. Sie spielt mit den üblichen Feindbildern – den Eliten, den Massenmedien. Und zeigt damit, wie sehr sie den Widerstand fürchtet. 

Möglich, dass sie sich daran gewöhnen muss. Die Jugendlichen jedenfalls hatten angekündigt, sie wollten nicht lockerlassen: “Wir werden die Welt verändern.” 

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