POLITIK
06/03/2018 07:41 CET | Aktualisiert 06/03/2018 19:42 CET

US-Magazin sieht deutsche Gesellschaft vor einem riesigen Problem

"Es ist ein toxisches Gemisch."

  • Das US-Magazin “The National Interest” glaubt, dass die GroKo für eine weitere Spaltung Deutschlands sorgen könnte
  • Die Amerikaner stellen 5 gewagte Thesen über die Lage des Landes auf
  • Im Video oben seht ihr den Moment, in dem der Schatzmeister der SPD, Dietmar Nietan, das Bündnis mit der Union verkündet

Es war ein kollektives Aufatmen. Nicht nur bei der SPD-Führung. Nicht nur bei Kanzlerin Angela Merkel. Auch die internationalen Medien begleiteten das Zustandekommen der neuen GroKo mit einem kollektiven “Endlich”

Gegen den Strich bürstet nun das renommierte US-Außenpolitikmagazin “The National Interest”“Haben Merkel und Deutschland eine Zukunft?”, fragen die Macher der Fachzeitschrift skeptisch.

Was folgt, ist eine bemerkenswert spitze Analyse der gesellschaftlichen und politischen Probleme, die auf die neue GroKo zukommen könnten.

Hier die 5 wichtigsten Thesen der Amerikaner:

1. Union und SPD werden von Angst getrieben

“The National Interest” glaubt: Die Motivation der GroKo-Macher liegt vor allem in ihrer Angst – der Angst vor Neuwahlen.

2. Die Absicht: Warten, bis die AfD zerfällt 

Die Absicht der Koalition sei damit auch nicht das Erreichen bestimmter politischer Ziele, sondern der Union und den Sozialdemokraten Zeit zu verschaffen.

Zeit, in der die etablierten Parteien hoffen würden, dass sich die erstarkende AfD entzaubert, “das politische Momentum verliert” – und in der Folge frustrierte Wähler wieder zu den traditionellen Parteien zurückkehren.

3. Auch die AfD hat riesige Probleme

Von dieser Taktik könnten die Rechtspopulisten profitieren, glaubt das US-Magazin. Sicher sei das allerdings keinesfalls. Denn auch die AfD stehe vor großen Herausforderungen – und “riesigen Problemen”.

Der Aufstieg der Partei sei so rasch vonstatten gegangen, dass “der Prozess  nicht sehr reif war”. Interne Konflikte hätten die AfD schon jetzt fast zerrissen. Es würden weitere Streitereien über die Agenda, Politik und Ämter innerhalb der Partei drohen.

4. Ein toxischer Mix

Doch die AfD kann sich berechtigte Hoffnung machen, sich weiter zu etablieren, glaubt “National Interest”.

Es gebe ein “echtes Element der Fremdenfeindlichkeit” in Deutschland. Das reiche Land habe zudem mit “ernsthaft benachteiligten Regionen und sozialen Gruppen” zu kämpfen.

Neue Statistiken hätten gezeigt, dass die Armutsquote unter Arbeitslosen in Deutschland auf EU-Rekordniveau ist. Dazu komme die mediale Repräsentation dieser Armut.

“Deutsche TV-Zuschauer bekommen routinemäßig alte und arbeitslose Menschen vor Suppenküchen zu sehen”, schreiben die Autoren. Gleichzeitig entstehe der Eindruck, dass Zuwanderer bevorzugt behandelt werden würden.

“Das ist ein toxisches Gemisch, das wahrscheinlich nicht so bald verschwindet, vor allem in der Wahrnehmung der AfD-Unterstützer.”

5. Die Parteien vergessen den Osten

Diese Situation könne sich aus einem Grund sogar noch weiter verschärfen: Denn die GroKo habe laut “National Interest” den Osten des Landes aus dem Blick verloren.

Die Neuaufstellung von Union und SPD habe fast nur Politiker aus dem Westen berücksichtigt, schreiben die US-Amerikaner.

Die politische Kultur in Ostdeutschland, die ohnehin “mehr mit Polen oder Ungarn gemein hat als mit Westdeutschland”, könnte sich so weiter vom Rest des Landes entfremden.

(jg)