POLITIK
04/07/2018 11:03 CEST | Aktualisiert 04/07/2018 11:19 CEST

US-Magazin feiert Angela Merkel – wegen ihrer Taktik im Asylstreit

Das Magazin "The Atlantic" bezeichnet sie als "Entfesselungskünstlerin".

Im Video oben seht ihr, was die Bürger zum Asystreit zwischen Merkel und Seehofer sagen.

Der Asylstreit mit der CSU war für Angela Merkel einer der Tiefpunkte ihrer politischen Karriere. 

Wochenlang hat sich die Bundeskanzlerin von der CSU herumkommandieren lassen, sie ließ sich von einem politisch wildgewordenem Innenminister erpressen.

Am Ende schaffte sie es nur, den Zusammenbruch ihrer Partei und ihrer Regierung zu verhindern, indem sie einen Kompromiss beschloss, der eine so deutliche CSU-Handschrift trägt, dass er eigentlich gar nicht als Kompromiss bezeichnet werden kann. 

► Die Folge: Merkel ist geschwächt, ihre Macht steht in Frage.

Doch das US-Magazin “The Atlantic” sieht das ganz anders. Die Journalisten schreiben: “Der neue Migrationsdeal ist typisch für Merkel und ihre Art, ihre politischen Gegner auszumanövrieren.” 

“Merkel hat sich wieder einmal als krisensichere Kämpferin erwiesen”

Merkels Ende sei immer wieder herbei geschrieben worden, argumentiert das Magazin. Zuletzt sei dies während der Koalitionsverhandlungen im Herbst 2017 geschehen. 

Doch Merkel habe diese eben überstanden – so, wie sie auch die aktuelle Krise um die Migrationspolitik in Deutschland überstehe. 

“Merkel hat sich wieder einmal als krisensichere Kämpferin erwiesen”, schreibt “The Atlantic” zum Asylkompromiss zwischen der Kanzlerin und Seehofer. “Entfesselungskünstlerin”, nennt das Magazin Merkel deshalb. Mehr noch: Sie gehe sogar gestärkt aus dem Streit mit Seehofer hervor. 

Und das, obwohl der Kompromiss, den CDU und CSU beschlossen hätten, durchaus fehlerbehaftet sei. 

Problematische Kompromisse als Stärke Merkels 

“The Atlantic” sieht zwei Hauptprobleme des Asylkompromisses: 

1. Die unzufriedenen Nachbarn: Österreich wolle Merkels und Seehofers Politik nicht mitmachen, schreibt das Magazin. Auch Ungarn und Italien würden erhebliche Zweifel anmelden.

Deutschlands Nachbarländer könnten den Kompromiss so schlichtweg wirkungslos machen, sollten sie sich Abkommen mit der Bundesrepublik verweigern. 

2. Den unzufriedenen Koalitionspartner: Die SPD habe sich in der Vergangenheit klar gegen die im Unionskompromiss vorgesehenen Transitzentren ausgesprochen, mahnt “The Atlantic” an.

Die Partei könne sich nun auch querstellen. Allerdings schreibt das Magazin: “Die politische Macht der SPD ist seit der Wahl stark reduziert worden – es ist unwahrscheinlich, dass sie eine weitere Krise der Koalition riskiert.” 

Doch so viele Schwächen der Kompromiss auch habe: Für Merkel sei er ein geradezu typischer Erfolg, schreibt “The Atlantic”. 

“Er steht für Merkel und ihr Geheimnis, wie sie es immer wieder schafft, Gegner auszumanövrieren und an der Macht zu bleiben”, schreibt das Magazin. 

Immer wieder habe es Merkel irgendwie geschafft, Koalitionen und Deals zusammenzuflicken, um Krisen abzuwenden. “Es sind Vereinbarungen, die immer genug Leute zufrieden stellen, um Merkels Macht sicherzustellen.” 

Bis dann eben die nächste Krise käme. 

Aber auch vor der müsse sich die Kanzlerin laut “The Atlantic” nicht fürchten: “Dann schafft sie es halt einfach nochmal.” 

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(ben)