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07/01/2019 16:40 CET | Aktualisiert 07/01/2019 18:11 CET

Gesundheit, Bildung, Armut : Darum war 2018 das beste Jahr der Menschheitsgeschichte

"Wenn wir den globalen Fortschritt nicht anerkennen, könnten die Menschen hoffnungslos werden."

Alexander Spatari via Getty Images
Die Welt war 2018 so gut, wie noch nie. 
  • Nachrichten aus aller Welt sind dominiert von Gewalt, Missbrauch, Konflikten, Armut und Klimawandel.
  • Doch steht es wirklich so schlecht um die Welt? 

Kriege, Umweltkatastrophen, Hungersnöte – die Menschheit scheint sich immer weiter selbst zu zerstören. 

Doch ist das wirklich so? Geht es den Menschen auf der Welt immer schlechter? Der renommierte US-Journalist Nicholas Kristof sagt: nein. In einem Kommentar in der “New York Times” argumentiert er, warum 2018 das beste Jahr der Menschheitsgeschichte war.

Kristof schreibt: “Lasst uns eine Pause einlegen von unseren Ängsten und unserem Frust und eine Nanosekunde dafür aufwenden, den Fortschritt der Menschheit zu feiern.”

► 2018 erhielten jeden Tag rund 295.000 Menschen auf der ganzen Welt erstmals Zugang zu Strom.

► Jeden Tag bekamen rund 305.000 Menschen erstmals Zugang zu sauberem Trinkwasser.

► Jeden Tag bekamen rund 620.000 Menschen zum ersten Mal Zugang zum Internet.

Das und vieles mehr listet Max Roser, Wirtschaftswissenschaftler der Oxford University auf seiner Website “Our World in Data” auf. Die Fortschritte für die Menschheit 2018 waren aber noch weit größer. 

Noch nie wurden die Menschen so alt, noch nie waren sie so gebildet

Noch nie konnte ein so großer Teil der Menschheit lesen und schreiben, noch nie konnte ein so großer Teil der Menschheit ein mittelständisches, bürgerliches Leben führen, noch nie lebten die Menschen so lange, noch nie waren Eltern so zuversichtlich, dass ihre Kinder überleben würden.

 

► Nur noch etwa 4,5 Prozent der Kinder weltweit sterben vor dem fünften Lebensjahr. Im Jahr 1960 waren es 19 Prozent, 2003 noch 7 Prozent.

Heute ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind vor dem fünften Lebensjahr in Mexiko oder Brasilien stirbt geringer, als die von US-amerikanischen Kindern in den 1970er Jahren. 15.000 Kinder sind in den letzten 24 Stunden weltweit gestorben – aber in den 1990er Jahren waren es noch doppelt so viele.

Viele Menschen halten die Welt für schlechter, als sie es eigentlich ist

“Vielleicht wirkt es verblendet oder geschmacklos, den Fortschritt in einer Zeit zu propagieren, in der es so viel Gemetzel, Missherrschaft und Bedrohung gibt. Aber ich berichte jeden zweiten Tag über Gemetzel und Missstände. Und mit dieser jährlichen Kolumne versuche ich, diese Tragödien ins richtige Licht zu rücken”, schreibt Kristof in der “NYT”.

Journalismus soll die Menschen über die Welt informieren. Doch die meisten US-Amerikaner – und auch Bürger anderer Länder – seien extrem falsch informiert.

Neun von zehn US-Amerikanerin glauben laut Umfragen, dass sich die Armut auf der Welt verschlimmert hat oder gleich bleibt, schreibt Kristof. Aber der wichtigste Fortschritt der Welt liege wohl darin, dass sich die Armut enorm verringert hat.

Bis 1950 lebte ein Großteil der Menschheit in extremer Armut – von weniger als 1,66 Euro am Tag. In den 1980er Jahren waren es noch 44 Prozent der Weltbevölkerung, die in extremer Armut lebten. Heute sind es weniger als 10 Prozent – laut Weltbank sank der Anteil 2015 erstmals auf 9,6 Prozent.

Laut Umfragen glauben US-Amerikaner zudem, 35 Prozent der Kinder weltweit seien geimpft – tatsächlich sind 86 Prozent aller Einjährigen gegen Diphterie, Tetanus und Keuchhusten geimpft.

Wir dürfen nicht aus dem Blick verlieren, was wir erreichen können

“Jeder scheint die Welt verheerend falsch zu verstehen. Jede Gruppe von Menschen, die ich frage, denkt, die Welt sei beängstigender, gewalttätiger und hoffnungsloser – kurz gesagt dramatischer – als sie wirklich ist”, schrieb der renommierte Gesundheits-Experte Hans Rosling kurz vor seinem Tod im Jahr 2017.

In seinem Buch “Factfulness – Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist”, erklärt er, dass es evolutionäre Gründe hat, warum Menschen den Zustand unserer Welt für schlechter und besorgniserregender halten, als er eigentlich ist. Der Hauptgrund dafür liege darin, dass das menschliche Hirn nach Drama verlange, wie der Körper nach Zucker. 

Fest steht: Die Menschheit steht vor immensen Herausforderungen.

Kristof schreibt: “Die Erfolge im Kampf gegen Armut und Krankheiten scheinen sich zu verlangsamen, und der Klimawandel stellt eine enorme Bedrohung dar, insbesondere für arme Länder.”

Es gibt vieles, das uns Sorgen bereiten muss. “Aber wenn wir den globalen Fortschritt nicht anerkennen, könnten Menschen hoffnungslos werden, sie könnten irgendwann bereit sein, aufzugeben”, schreibt Kristof. 

“Die Fortschritte der Menschheit sollten uns alles zeigen, was möglich ist und uns motivieren, Chancen und Möglichkeiten für Menschen auf der ganzen Welt zu verbessern.”

(jg)