WIRTSCHAFT
10/10/2018 06:30 CEST | Aktualisiert 11/10/2018 07:13 CEST

Markus Lanz fragt Unternehmer Roßmann nach Erdogan: "Wenn ich das jetzt sage..."

"Wenn ich das jetzt hier sage..."

  • Unternehmer Dirk Roßmann spricht sich bei “Markus Lanz” gegen Extremismus aus.
  • Der Drogerie-Chef erzählt die besorgniserregende Geschichte, was passierte, als er Erdogan kritisierte.
  • Im Video oben seht ihr, was Roßmann in der Sendung erzählte. 

Er gilt als deutscher Vorzeige-Unternehmer: Dirk Roßmann hat den Drogerie-Giganten Rossmann praktisch aus dem Nichts aufgebaut. Heute ist sein Konzern international erfolgreich, erwirtschaftet Milliarden-Gewinne.

Bei “Markus Lanz” blickte Roßmann am Dienstagabend auf seine bewegte Karriere zurück. Darüber, wie er in der Lehre als Drogist Wein panschte, wie er fast die sehr erfolgreiche Drogerie von Otto Bittner übernommen hätte – aber dann entschied, lieber von Null anzufangen: Und 1972 den ersten Rossmann-Markt eröffnete.

20.000 Mark machte er an einem Tag in seiner Drogerie zu Anfangstagen, mit rund 3000 oder 4000 Mark hatte er gerechnet. Eine Erfolgsgeschichte.

Das passierte, als er Erdogan kritisierte

Roßmann, der gerade sein Buch ”... dann bin ich auf den Baum geklettert!”: Von Aufstieg, Mut und Wandel” veröffentlicht hat, sprach aber auch über unbequeme Dinge: Etwa über seine politischen Sorgen.

 

Roßmann hatte schon zuletzt im “Spiegel” klar Position bezogen: “Wenn sich Politiker mit Menschen zeigen, die eindeutig eine Naziideologie vertreten oder den Arm zum Hitlergruß recken, dann geht das nicht! Da gibt es überhaupt nichts zu überlegen.”

Politische Meinung zu bekunden sei “aber nicht immer ganz einfach”, erklärte der Rossmann-Gründer bei Lanz. “Als ich letztens ein paar klare Worte zu Herrn Erdogan sagte, wurde ich schwer von meiner Familie und meinen türkischen Mitarbeitern zurückgepfiffen.”

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Die hätten ihm geraten, sich besser zurückzuhalten.

“Es weiß doch jeder, was ist, wenn ich Klartext rede...”

Lanz warf ein: “Sie haben 1700 bis 2000 Mitarbeiter in der Türkei.” Hielt aber nach: “Warum sollten Sie sich zurückhalten?”

Roßmann wurde nun kurz still. Er sammelte sich und sagte dann: “Wenn ich das jetzt hier sage, halte ich mich nicht zurück. Aber das weiß doch jeder.”

Lanz zeigte sich fassungslos über diese erzwungene politische Mäßigung.

ZDF

Der Unternehmer führte dann doch aus: “Das weiß doch jeder, dass, wenn ich hier Klartext rede, ich lieber nicht in die Türkei reise. Und ich habe doch eine Verantwortung den Mitarbeitern dort gegenüber.”

Roßmann stellt sich auch gegen Rechts

Die meisten Unternehmer würden sich aber vor allem aus einem anderen Grund zurückhalten und sich nicht politisch äußern. Ihnen fehle das Selbstbewusstsein. 

“Wenn eine Fernsehkamera an ist und Leute da sind, die widersprechen, dann denken sie: Ich kann nur verlieren”, vermutete Roßmann.

Der Drogerie-Markt-Pionier selbst hatte im “Spiegel”gesagt: “Ich persönlich mag weder die ganz Rechten noch die ganz Linken, ich bin auch nie Mitglied einer Partei gewesen.”

Bei Lanz betonte er aber auch, dass bei Unternehmern immer das Geschäftsinteresse eine Rolle spiele. Öffentlich gehe es darum, keine Kunden zu verprellen. 

Lanz wollte wissen: “Wenn Sie sagen, dass mit der AfD finde ich nicht ganz so toll...?” Roßmann ergänzte: “Dann habe ich 13 Prozent weniger Kunden, ja.”

Das wolle auch er nicht, aber betonte: “Ich bin für eine starke Mitte.” 

(vw)