POLITIK
09/11/2018 12:11 CET | Aktualisiert 09/11/2018 12:42 CET

Unternehmer zum 9. November: "Ich finde gut, dass Menschen wieder 'Wir sind das Volk' rufen"

In der HuffPost äußern sich ehemalige DDR-Bürger zum Jahrestag des Mauerfalls dazu, wie sich ihre Heimat seither verändert hat.

ASSOCIATED PRESS
Teilnehmer einer Pegida-Demonstration.

Werner Molik ist Unternehmer. In der DDR saß er eineinhalb Jahre im Gefängnis. Immer wieder stellte er Ausreiseanträge, irgendwann kaufte die Bundesrepublik Deutschland ihn frei. Heute ist Molik, der zwei Hotels auf Usedom betreibt, Mitglied der AfD.

Als ich die Bilder des Mauerfalls sah, wusste ich nicht, was auf mich zukommt. Ich war aber froh, wieder meine Verwandten im Osten besuchen zu dürfen. Nach meiner Haft in Cottbus war ich 1979 in den Westen gegangen. Ich hatte Einreiseverbot in die DDR und durfte nur noch einmal, zur Beerdigung meines Bruders, zurückkehren.

Seit dem Mauerfall hat sich in Ostdeutschland sehr viel getan, fast alles hat sich zum Besseren entwickelt. Hier auf Usedom, wo ich ein Hotel betreibe, oder auch in Teilen Sachsens ist Helmut Kohls Versprechen von “blühenden Landschaften” tatsächlich wahr geworden.

Zwar hinken die Löhne in den neuen Bundesländern denen in den alten noch deutlich hinterher, doch gerade der Niedriglohnsektor und das Handwerk holen überproportional auf.

“Ich finde gut, dass Menschen wieder ‘Wir sind das Volk’ rufen”

Auch deshalb sage ich: West- und Ostdeutschland sind zusammengewachsen, die meisten Menschen sind im Westen angekommen – darunter auch einige ehemalige SED-Funktionäre. Sie haben es sich in der Bundespolitik bequem gemacht und wünschen sich garantiert nicht mehr die DDR zurück.

Doch wie überall gibt es ein Drittel, denen es nicht gut geht. Dazu kommen Mentalitätsunterschiede, sei es zwischen Bayern und Pommern oder Sachsen und Westfalen. Das hat aber mit DDR und BRD nicht viel zu tun, die hat es schon immer gegeben.

Dass auch heute wieder Menschen unter “Wir sind das Volk”-Rufen auf die Straße gehen, finde ich gut. Die Bundesregierung will das Land in ein Gebilde überführen, in das jeder hereinkommen kann. Ihr Ziel: Die kulturelle Identität soll verwischt werden.

Ebenso gibt es jetzt weniger Freiheit als in der alten BRD: Journalisten, die sich nicht an ein bestimmtes Format halten wollen, werden entlassen, und nicht nur das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) erinnert viele Ostdeutsche an DDR-Verhältnisse.

Sie wollten eigentlich im Westen ankommen, doch stellen nun plötzlich fest, dass sie – wie früher – wieder zweifeln, ob sie ihre Meinung offen kundtun sollten. Denn die Freiheit ist gefühlsmäßig eingeschränkt – und die Ostdeutschen kriegen das eben eher mit, weil sie aufgrund ihrer Erfahrungen dafür sensibilisiert sind.

“Wir sind das Volk”: HuffPost-Aktion zum 9. November

 

Zum Jahrestag des Mauerfalls spricht die HuffPost mit Zeitzeugen, die die friedliche Revolution in der DDR miterlebt haben. Sie blicken zurück auf die Wendezeit und wie sich Ostdeutschland seitdem entwickelt hat. Unter diesem Link findet ihr den Überblick mit allen Zeitzeugen. Das sind die einzelnen Beiträge:

 

In unserem Podcast über Ostdeutschland widmen wir uns mit den Interviewgästen den Themen, die in der Tagesberichterstattung häufig zu kurz kommen. Über das Banner gelangt ihr auf eine Übersicht der bisherigen Folgen.  

(ben)