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17/06/2018 18:32 CEST | Aktualisiert 17/06/2018 18:32 CEST

Unsere Heimat ist auch, was wir trinken...

Alexander v. Schönburg besuchte einige Deutschlands Getränke-Dynastien.

In der BILD "Heimat für alle" am 7. Juni durfte eine Seite für Getränke nicht fehlen...

Ob Küstennebel, Eierlikör, Bier oder Sekt, getrunken wird alles, gern aus Deutschland.

© Copyright Karl-Heinz Hänel
Sektflaschen öffnete man zu Kaisers Zeiten mit dem Säbel

Als Sektkeller mit langer Tradition und gut der Hälfte des in Deutschland hergestellten Sektes schaffte es Rotkäppchen auf die Bild-Seite, stellvertretend für alle Sektmacher.

Und Lob aus allerhöchstem Munde für den deutschen Sekt gab es schon zur Keiserzeit.

Seine Majestät war begeistert. „Die Sekte von Kloss & Foerster sind sehr bekömmlich. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich es gewesen bin, der sie in vielen Offizierskasinos eingeführt hat“ schrieb Wilhelm II. beim Besuch der Rotkäppchen-Kellerei ins Gästebuch. Das Kaisermanöver 1903 hatte ihn aus Berlin nach Freyburg an der Unstrut verschlagen. Auf Anordnung von oben geriet die Edelbrause aus der sächsischen Provinz zum Pflichttrunk der Offiziere, vor allem bei der Marine. Das Lob aus allerhöchstem Munde kurbelte auch den privaten Absatz des prickelnden Getränks an.

Das erfreute den Fiskus. 1906, im Zeichen der Hochrüstung mit England, führte er die Sektsteuer ein, um die kaiserliche Flotte zu finanzieren. Vorbei. Die Kriegsschiffe verrotten seit 1919 nach der Selbstversenkung in den Gründen von Scapa Flow. Auch das Kaiserreich ist Geschichte. Nur die Steuer hat mit einer kurzen Pause von 1933 bis 1939 bis heute überlebt. Sie peppt den Bundeshaushalt jährlich mit rund einer halben Milliarde Euro auf. Vater Staat kassiert pro Flasche 1,02 Euro, egal, was der Einkauf im Handel kostet. Rotkäppchen mit den Marken Mumm, Jules Mumm, MM-Extra, Geldermann und Kloss & Förster war 2017 mit 163 Millionen Flaschen dabei. Mit 55 Prozent beherrscht das Unternehmen den deutschen Markt. Die historische Kellerei mit ihrem markanten Turm im neoklassizistischen Baustil der 1880ziger dominiert das Gebäudeensemble von Freyburg, auch Weinhauptstadt der Anbauregion Saale-Unstrut. Über fünf Stockwerke windet sich täglich rund ums Jahr die Besucher-Kellertour.

Vom Glas überdachten Lichthof, einst Warenlager und Auslieferung, heute kulturelles Zentrum des Burgenlandkreises, geht es in die leicht modrig riechende Tiefe.

Vieles im Halbdunkel der Gänge, Keller und Hallen hat nur noch Museumswert wie das 5,60 Meter hohe Riesenfass im kuppelgekrönten Domfelsenkeller. Einmal jährlich wurde es einst zur Cuvée-Herstellung großer Mengen Sekt mit gleichem Geschmack befüllt. Die Kellermeister überwachten von der Galerie den mechanischen Mischvorgang.

Der Gigant wurde 1896 aus 25 Eichen von einem Freyburger Küfer gebaut, mit reichen Schnitzereien verziert und 1935 letztmals gefüllt. Sein Inhalt von 120.000 Litern reichte für 160.000 Flaschen.

Auch die großen Holzfässer haben ausgedient. Sie wurden von 40.000-Liter-Stahltanks abgelöst. Moderne Verfahren rationalisieren die Massenproduktion. Für die hochpreisigen Flaschengärungen werden nach wie vor hölzerne Rüttelpulte eingesetzt. Mindestens neun Monate reift der Sekt in den Flaschen. Dann werden sie täglich per Hand einen Viertelkreis gedreht, bis sich die Hefe im Flaschenhals gesammelt hat, umgefüllt und verkorkt. Bis zu 60.000 Umdrehungen schafft eine Rüttlermannschaft pro Schicht.

Frisch an der Quelle wird verkostet. Das übliche Öffnen mit dem Pflopp kennt jeder. Daniela Odenthal aus dem Marketing-Ressort wählt die elegantere Variante. Mit einem Säbel durchtrennt sie mit geübtem Schwung den Flaschenhals, und schon perlt es elegant im Glas. Prost!

Die ganze Geschichte mit vielen Fotos ist im Blog.Liebhaberreisen.de

Text © Copyright: Karl-Hugo DierichsFotos © Copyright: Karl-Heinz Hänel

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