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30/08/2018 11:27 CEST | Aktualisiert 30/08/2018 11:27 CEST

Arbeit: Unsere Chefs werden besser! Zumindest ein bisschen

Die Mehrheit der deutschen Beschäftigten lässt sich durch Chefs zu hervorragender Arbeit motivieren.

10'000 Hours via Getty Images

Loben statt ignorieren, konstruktiv kritisieren statt motzen – vielen Chefs fällt das schwer. Noch immer werden vielerorts die Falschen befördert. Doch es tut sich was.

Montag, der erste Schritt in Richtung Wochenende - so dürften Viele in Deutschland denken, jedenfalls wenn man Umfragen folgt. Demnach hängen Millionen nicht besonders an ihrer Arbeit.

Jeder siebte habe innerlich gekündigt, glaubt das Beratungsunternehmen Gallup. Kein Lob, keine klaren Aufgabe, keine Perspektive für die Mitarbeiter, das seien einige Ursachen.

Schlechte Führung mindert die Motivation – und das kostet Unternehmen Geld

“Das ist kein gutes Zeugnis für die Führungskräfte”, sagt Studienautor Marco Nink und warnt: Schlechte Führung drücke auf die Motivation und koste Unternehmen daher Milliarden.

Ein Blick in die Zahlen zeigt aber auch: Die Chefs werden besser.

59 Prozent der Beschäftigten sind vollständig oder teilweise der Meinung, dass ihre Chefs sie durch ihre Führung zu hervorragender Arbeit motivieren, 8 Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren. Rund 17 Prozent stimmten dieser Aussage nicht oder größtenteils nicht zu, das sind 6 Prozentpunkte weniger.

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Nachholbedarf gibt es für Deutschlands Führungskräfte aber weiterhin. Was die emotionale Bindung an den Arbeitgeber angeht, führte Gallup deutsche Arbeitnehmer im Vergleich der großen Industrienationen zuletzt irgendwo zwischen US-Amerikanern (top) und Japanern (mau).

Von 100 Beschäftigten seien hierzulande nur 15 Prozent Feuer und Flamme für ihren Job, hieß es am Mittwoch. 14 dagegen hätten innerlich gekündigt. Und der Rest? Macht Dienst nach Vorschrift.

Gute Chefs loben, unterstützen – und lassen ihre Mitarbeiter Entscheidungen treffen

“Führungskräfte müssen sich vom Leistungskontrolleur zum echten Coach ihrer Mitarbeiter entwickeln”, fordert Nink. Seine Untergebenen zu begeistern, statt ihnen die Daumenschrauben anzuziehen, das ist eigentlich keine neue Devise für Manager.

Geben Chefs ihren Leuten eigene Handlungs- und Entscheidungsspielräume, dazu vielfältige und auch vollständig leistbare Aufgaben haben, dann fördern sie damit Gesundheit, Wohlbefinden und Motivation der Mitarbeiter, wie dieBundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erklärt.

Doch die Wirklichkeit ändert sich nur langsam. “Die Chefs haben in den meisten deutschen Firmen die Zügel fest in der Hand”, folgert etwa der Personalvermittler Manpower aus einer eigenen Umfrage. Mitarbeiter hätten wenig Spielraum.

Nur jeder Dritte dürfe demnach allein oder im Team selbstständig Entscheidungen treffen. Die Ideen der Beschäftigten sind demnach kaum gefragt, Fehler würden selten auch als Lernchance begriffen.

“Den wenigsten Unternehmen gelingt es zu definieren, was sie unter guter Führung verstehen”, sagt Nink. Er muss das sagen, denn Gallup verdient sein Geld auch mit Führungskräfte-Schulungen.

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Wäre in den Chefetagen alles in Butter, bräuchte die Berater niemand mehr. Doch auch andere Studien, etwa der AOK, bestätigen: Führungskräfte in Deutschland tun sich noch schwer damit, ihre Leute zu unterstützen, zu loben und ihnen Entscheidungen zu überlassen.

Führen können ist wichtiger als fachliche Expertise

Warum das so ist? Oft werden die Falschen befördert, ist Soziologe Nink überzeugt. Meist rücken die Kollegen auf, die gute Experten in ihrem Bereich seien. “Der beste Verkäufer wird Vertriebschef.”

Erst danach zeige sich, dass er keine Leute führen könne. Im Unternehmen gebe es dann einen schlechten Chef mehr - und einen guten Verkäufer weniger.

“Man sollte Expertenkarrieren genauso fördern wie Führungskarrieren”, rät der Fachmann und meint damit: Mehr Geld und Status für Kollegen, die bessere Produkte als die anderen abliefern – und nicht nur für die, die führen.

Doch es kommt nicht nur auf den Chef an, das macht der Deutsche Gewerkschaftsbund deutlich.

Sein jährlicher Gute-Arbeit-Index zeigt:  Auch ständige Erreichbarkeit, Flexibilisierung und schlechte Vereinbarkeit mit dem Familienleben belasten Mitarbeiter und dämpfen so die Motivation.

Die DGB-Umfrage zeigt aber auch: Die Grundstimmung ist positiv.

Es gibt immer weniger Arbeitslose, längst balgen sich Unternehmen um die Talente. In der jüngsten Ausgabe im vergangenen Herbst machte sich nur noch jeder Zehnte Sorgen um seinen Arbeitsplatz.

(ujo)