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21/08/2018 13:52 CEST | Aktualisiert 21/08/2018 15:30 CEST

Undercover in der Finanzindustrie

Morsa Images via Getty Images

„Wenn ich an meine Rente denke, habe ich Angst“, so beginnt Malte Krüger, Spezialist für politische Rhetorik und Dialektik, sein neues Buch Undercover in der Finanzindustrie-Wie Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter Ihre Rente ruinieren und was Sie dagegen tun können.

Mit Mitte 40 hatte er den Blick auf seine Renteninformation gewagt und festgestellt, dass ihm bei einer voraussichtlichen gesetzlichen Rente von 580 Euro vermutlich zwischen 250.000 und 500.000 Euro fehlen, um der Altersarmut zu entgehen. Ein Problem, das er mit Millionen Deutschen teilt. Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Krügers Plan: Er folgt dem Rat der Politiker, die nicht müde werden den Bürgern zu raten, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. Er will herausfinden, wie das Finanzsystem funktioniert. Er fragt: Dieser riesige Finanzmarkt, welche Lösungen hat der zu bieten, um uns Bürgern eine sichere Rente zu gewährleisten?

Wo fängt man an?

Unterstützt von Günter Wallraff, taucht Malte Krüger zwei Jahre lang ein in die ihm bislang unbekannte Welt der Geldanlagen, Aktien und Fonds. Er will wissen, was ein ETF, ein börsengehandelter Fonds, genau macht oder was die Riester- von der Rürup-Rente unterscheidet, ob Aktien dem Kunden etwas bringen oder eben nicht. Neugierig begibt er sich in den Club der „Elite“-Banker, um herauszufinden, ob die ihre „Elite“-Kunden besser beraten und über andere Mittel und Methoden vefügen als Sparkassen- oder Vermögensberater. Undercover begibt er sich in Finanzfachschulungen, in Banken, Privatbanken und Fintech-Unternehmen.

Sein Ergebnis: „Niederschmetternd“. Katastrophal. Nichts geschieht zum Wohle des Kunden – alles dreht sich um Gewinnmaximierung.

Krüger bewirbt sich undercover bei einem Strukturvertrieb. Ohne jede Fachkenntnis wird er mit Kusshand genommen – dank seiner Rhetorik-Expertise. Mehr und mehr erkennt er, in was für einem System er sich befindet: eines, “das auf Kundenängste und Unwissenheit setzt sowie die Reichtumsträume der meist quereinsteigenden Vertriebler ausnutzt. Eine Industrie, in der sich wirtschaftlich abhängige Verkäufer Finanzberater nennen und Konkurrenten methodisch aus dem Unternehmen klagen.”

Alles nur, um noch mehr Gewinne einzufahren.

Der studierte Sprachwissenschaftler „sucht nach Wissen und Substanz, stößt aber immer wieder auf verbale Ablenkungen und Motivationssprech. Es herrscht Massenabfertigung und sinnvolle Produkte werden kaum angeboten. Die Beratungen sind schlecht, meist verstehen Finanzberater ihre eigenen Produkte nicht.“ Warum ist das so? Weil sie nicht müssen. Sie sind, wie in dem gängigen Sprichwort, „die Einäugigen unter den Blinden“: Verkauft wird, was leicht zu verargumentieren ist und schnelle Gewinne bringt. Nicht, was zum Kunden passt.

Malte Krüger schreibt in seinem Buch: „Banken mit ihrer manischen Ertragsgetriebenheit sind nicht besser als ein Finanzstrukturbetrieb...., weil sie dem Kunden nur Verluste einbringen.“ Bankenkrise hin oder her, Banker sitzen, wie gehabt, in Glaspalästen und leben ihr Herrschaftswissen aus. „Ich habe verstanden, dass viele Protagonisten der Finanzindustrie Hochstapler sind“, sagt er, „weil sie behaupten, sie können den Markt dauerhaft übertrumpfen.“

Was haben ihm die zwei Jahre gebracht?

Glücklicherweise trifft er auf Alexander Schmidt, diplomierter Bankbetriebswirt, geprüfter Börsenhändler und seit 2012 selbstständiger Honorarberater. Der langjährige Vertriebsdirektor der Deka-Bank und ehemalige Börsenhändler stieg 2012 bewusst aus der Branche aus und betreut Privatpersonen, Unternehmen und Stiftungen. Mit ihm hat er dieses Buch geschrieben.

Warum war Schmidt eine Ausnahme im Finanzbetrieb?

Schmidt nahm sich Zeit! Anders als alle anderen, die Malte Krüger um Beratungen gebeten hatte, erklärte Schmidt ihm geduldig und kenntnisreich, was er zu tun hat, um wirklich seine Rente zu sichern: „Erstens: Man braucht einen unabhängigen und hochqualifizierten Berater, einen der sich mit geringen Erträgen zufrieden gibt. Sprich, einen Berater, der keinen festen Prozentsatz aufs Anlagevolumen und keine Bestandsprovision berechnet. Zweitens: Man geht mit seiner Geldanlage selber um. Das heißt, man muß sich Kompetenzen verschaffen, um sein eigener Bankmanager zu sein.“

Hier geht’s zum Buch: Undercover in der Finanzindustrie - Wie Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter Ihre Rente ruinieren und was Sie dagegen tun können / Vorwort von Günter Wallraff