POLITIK
15/08/2018 20:15 CEST | Aktualisiert 18/08/2018 12:35 CEST

UN-Flüchtlingskommissar: Deutschland hat keine echte Flüchtlingskrise

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dpa
Flüchtlingshochkommissar der Vereinten Nationen, Filippo Grandi, präsentiert den Bericht des UNHCR zu den globalen Flüchtlingszahlen bei einer Pressekonferenz in Genf.

► UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi will mit Blick auf Schutzsuchende, die nach Europa und Deutschland kommen, nicht von einer Flüchtlingskrise sprechen.

► “Natürlich gab es hier eine Krise, als dieser große Strom im Jahr 2015 vor allem nach Deutschland kam”, sagte Grandi der “Bild”-Zeitung. “Aber die wirklichen Flüchtlingskrisen waren und sind in Afrika, im Nahen Osten, in Asien.”

► Es sei auch falsch, wenn Rechtspopulisten wie Italiens Innenminister Matteo Salvini von einem “Notfall” sprechen, sagte Grandi dem Blatt: “Ich bin gerade von einer Reise nach Bangladesch zurückgekehrt, wo Sie eine Million Flüchtlinge unter schlimmsten Bedingungen haben. Dort haben Sie einen Notfall – aber doch nicht in Europa.

Darum ist die Einschätzung des UN-Flüchtlingskommissars wichtig:

In Deutschland und gerade im politischen Berlin gibt es mit “Flüchtlingskrise” wohl kaum eine Reizwort, dass so viele Menschen beschäftigt. Dabei verwenden vor allem Rechtspopulisten und Rechtskonservative möglichst drastisch klingende bis beleidigende Worte, um Geflüchtete, Migranten und Ausländer im Generellen zu beschreiben und um Ängste vor Fremden zu schüren. 

Grandi kritisierte die zum Teil verwendete Wortwahl im Zusammenhang mit Flüchtlingen wie etwa “Invasion”. “Davon zu reden, dass es eine Invasion in Europa gibt, dass wir ein Kontinent sind, der von Menschen belagert wird, die kommen, um uns auszunutzen, ist zutiefst falsch”, sagte Grandi.

Wovor UN-Flüchtlingskommissar Grandi warnt:

Grandi zufolge verleiht Sprache, die Flüchtlinge, Migranten und andere stigmatisiert, Rassismus, Hass und Fremdenfeindlichkeit Legitimität und Vorschub.

Dabei entstehe eine Form des Diskurses, “der den europäischen Werten zutiefst entgegensteht, an die wir alle glauben”, warnt der italienische UN-Diplomat.