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06/06/2018 16:50 CEST | Aktualisiert 06/06/2018 17:22 CEST

Eltern, die ihre Kinder zu sehr behüten, erziehen spätere Versager

Der elterliche Narzissmus fördert das Verhalten.

Wavebreakmedia via Getty Images
Wenn man Kindern zuviel abnimmt, dann fehlt ihnen nachher das nötige Können und Selbstbewusstsein, um im Leben zu bestehen.

Die Kinder von der Haustür bis zum Schultor chauffieren, ihre Hausaufgaben erledigen, ihnen häufig die Lieblingsspeisen servieren, sie in Watte hüllen um ihnen behutsam alles auf dem Silbertablett zu servieren – das ist in unserer Gesellschaft zur Alltäglichkeit geworden.

Besonders die sogenannten Helikopter-Eltern sind ständig mit ihrem “Ich mach das schon für dich“, “Das wird zu schwer für dich sein“ und “Wenn du nicht möchtest, brauchst du nicht“ zur Stelle. Anders als sie vielleicht glauben, tuen sie ihren Kindern damit gar keinen Gefallen.

► Überhütung ist auf dem Vormarsch. Eltern fehlt heute immer öfter die Bereitschaft, Spannungen auszuhalten, die auf dem Weg zur Eigenständigkeit der Kinder ganz normal sind.

Statt Konflikte zuzulassen, streben Eltern nach Harmonie

Das Erlernen von Verantwortungsbewusstsein oder sozialem Verhalten wird von ihnen nur dann akzeptiert, wenn das eigene Kind dabei geschont wird. Ich habe schon Eltern erlebt, die ihre Kinder von einem Campingausflug der Schule abgeholt haben, weil Mitschülerinnen laut des eigenen Nachwuchses “doof“ seien.

Statt also Konflikte und Entscheidungen der Kinder zuzulassen, streben Eltern nach Harmonie, meist aus  Bequemlichkeit. Je angespannter und nervenaufreibender der Lebensalltag ist, desto größer ist auch die Gefahr, dem eigenen Nachwuchs Dinge durchgehen zu lassen.

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Gefördert wird dies durch den elterlichen Narzissmus, der das eigene Fleisch und Blut – fast um jeden Preis – glücklich und erfolgreich sehen will. Denn dann sind sie selbst – so die Hoffnung – kompetente Eltern.

Antipathie und Egoismus wächst

Das Ziel, alles auf einen super qualifizierten Berufsabschluss auszurichten, hat im Leben dieser Kinder meist eine zu starke Bedeutung.

► Dabei wird ausgeblendet, dass jedes Zuviel an Umsorgung ein Zuwenig an Eigenverantwortung zur Folge hat.

Denn so wird die Fähigkeit des Durchhalten-Könnens und eines sozialen Miteinanders reduziert. Anstelle von Empathie wächst eine Mischung aus Apathie und Egoismus.

Im realen Leben entsteht dann für die Kinder ein unerträglicher Druck. Die Fälle von überforderten 13- bis 18-jährigen nehmen stark zu, das beobachte ich auch in meiner Beratungspraxis.

Falsches Helfen führt zu späteren Nichtkönnen

Auch die Zahl der Ausbildungs- beziehungsweise Studienabrecher in Höhe von rund 30 Prozent belegen, dass zu viele den Anforderungen des Lebens nicht standhalten. Den überbehüteten Prinzen und Prinzessinnen fehlt dann halt der umsorgende ‘Hofstaat’.

In einer kleinen Auseinandersetzung mit anderen Kindern fühlen sie sich sofort angegriffen oder gemobbt und bei Leistungsanforderungen überfordert, weil Können und Ich-Stärke unterentwickelt sind.

► Falsches oder zu häufiges Helfen, fehlende Regeln und Begrenzungen sowie ausbleibende Herausforderungen führen immer zu einem späteren Nichtkönnen und Versagen.

Aber wie sollen sich Kinder auf die Herausforderungen des Lebens als Erwachsene in Beruf, Familie und Freizeit vorbereiten, wenn ihnen das notwendige Einübungsfeld verwehrt wird und sie kaum Konsequenzen – ob positive oder negative – erfahren.

“Ich kann das nicht” wird zum Leitsatz

Wenn man Kindern zuviel abnimmt, eine dauernde Bedürfnis-Befriedigung im Zentrum steht, Wünsche zu einfach erfüllt werden und sie zu selten herausgefordert und in die Pflicht genommen werden, dann fehlt ihnen nachher das nötige Können und Selbstbewusstsein, um im Leben zu bestehen.

► “Ich kann das nicht“ wird dann zum Motto, begleitet von übermäßigem Anspruchsdenken.

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Dabei geht es nicht um optimale Entwicklungsvoraussetzungen der Kinder, sondern um das Wollen und Wohlbefinden der Eltern. Um die anstehenden Veränderungsschritte einzuleiten, ist jedoch eine kräftige Portion Selbstkritik und die Bereitschaft, sich zu ändern, notwendig.

Denn Sie haben als Eltern den Auftrag, Ihre Kinder in ein eigenständiges Leben zu führen. Das ist nicht im Schongang erlernbar. Stehlen Sie den Kindern nicht ihre Probleme, denn sie brauchen Herausforderungen, um an ihnen zu wachsen!

Dr. Albert Wunsch ist promovierter Psychologe und Erziehungswissenschaftler, Paar-, Erziehungs- und Konflikt-Berater. Viele Jahre leitete der Pädagoge das Katholische Jugendamt in Neuss und wechselte dann an die Katholische Hochschule in Köln.

2013 begann er eine hauptamtliche Lehrtätigkeit an der Hochschule für Ökonomie und Management in Essen für die Module Konfliktmanagement, Sozialpsychologie und Ethik.

Außerdem hat seit 30 Jahren einen Lehrauftrag für Kommunikation an der Uni Düsseldorf. Er schrieb unter anderem den Erziehungsratgeber: “Die Verwöhnungsfalle“ (Kösel).

(ks)