POLITIK
17/03/2018 18:28 CET | Aktualisiert 18/03/2018 08:28 CET

Twitter-User erklären Seehofer, warum Bayern nicht zu Deutschland gehört

... aber die Bayern natürlich schon

  • Twitter-User haben Innenminister Seehofers Islam-Zitat mal näher beleuchtet
  • Das Ergebnis: Die Bayern dürfen in Deutschland bleiben – obwohl sie sich nicht so gut integriert haben
  • Im Video oben: Jeder fünfte Deutsche will seine Heimat von Deutschland abspalten - und die Bayern stechen heraus

Der Islam, so findet Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), gehöre nicht zu Deutschland, wegen der Kultur und so. Die hier lebenden Muslime aber natürlich schon.

Das hat Twitter-User dazu bewogen, sehr genau über die kulturellen Verhältnisse in Deutschland nachzudenken. Wer dazugehört zu Deutschland. Und warum. Und wer nicht. Und warum. 

Die Sache mit der Aussprache

Blogger Caspar Mierau kam zu dem Schluss, dass Bayern gar nicht zu Deutschland gehöre. Die bestechende Beweisführung: Deutschland sei durch Preußentum geprägt, durch verständliche Aussprache und Bier in kleinen Gläsern. 

Die Bayern gehörten deswegen natürlich trotzdem dazu. Nur müsse wegen der Herrschaften aus dem Süden auch kein anderen in Deutschland seine Traditionen aufgeben.

So sieht das auch die Redaktion der “Taz”. Seehofer gehöre nicht zu Berlin. Die Bayern dort aber schon. Und Traditionen aufgeben – Toleranz, Party, verkümmerte Tannen auf Weihnachtsmärkten – das komme nicht infrage.

Wer war zuerst da? Der Islam oder Bayern?

Seehofer beruft sich explizit auf die deutsche Geschichte, die christlich-jüdisch geprägt sei. Das stimmt schon. 

Aber zumindest im Norden gab es die Sehnsucht nach dem Muslimischen schon vor der Sehnsucht nach den Bayern.

“Die erste Moschee in Deutschland wurde 1731 in Potsdam errichtet. Bayern ist 1870 dem Deutschen Reich beigetreten”, schreibt Moritz Arndt.

Das ist, zumindest in groben Zügen, schon richtig. Friedrich Wilhelm der I., so schreibt es der Verfassungsschutz Brandenburg, ließ damals einen Saal in einem Militärweisenhaus als Moschee einrichten und stellte auch einen Imam an. Damals kamen etwa 20 tatarische Kriegsgefangene vorübergehend an den Hof des preußischen Königs.

Wie da muss man denn sein?

Seehofer hat da eine diffizile Unterscheidung aufgemacht zwischen den hiesigen Muslimen im Besonderen (gehören dazu) und dem Islam im Allgemeinen (gehört nicht dazu). Da stellt sich die Frage, was denn mit Importen ist, die hier heimisch geworden sind.

Also italienischer Pizza, saudi-arabische Öl, US-Technologie ... 

Auch auf der persönlichen Ebene wirkt die Trennung zwischen Muslimen und Islam zuweilen ein wenig, nun ja schwierig:

Der Mesut Özil, der als Fußballprofi Tore schießt, gehört zu Deutschland, nicht aber sein etwaiges Gebet vor dem Spiel. 

Das ist ja an sich schon schwierig. Aber was um Himmels Willen macht man dann, wenn man unterstellt, dass das Gebet Özil zum Treffer verholfen hat? 

Religion, die heikle Sache

Gut, dass Seehofer die Religion angesprochen hat. Da haben einige User auch noch Gesprächsbedarf. Also, was das C für “Christlich im Parteinamen angeht.

“Die Redaktion der ZDF-Satiresendung “Heute Show” findet, mit dem Islam und Deutschland sei es wie mit den christlichen Werte und der CSU: Beides passt für Seehofer offensichtlich nicht zusammen. 

“Extra 3”, ebenfalls eine Satiresendung, hat ausgemacht, woran es krankt. Nämlich daran, dass Seehofer der Guru der Sekte “Zeugen Seehofers” sei. Sie hätten das C in CSU entsorgt. Jetzt sei Seehofer sein eigener Gott.

Hilfe! Aber nicht vom Horst

Man sieht schon: Es ist eine vertrackte Sache. Wer wozu gehört und warum. Wer wozu nicht gehört und wieso nicht.

Anna Becker fühlt sich schon richtig orientierungslos. Und bittet die Bundesregierung Hilfe. Da kann sie nur hoffen, dass das Kabinett nicht Seehofer mit der Antwort beauftragt.