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07/05/2018 17:33 CEST

Betroffene: Das waren die schlimmsten Worte über meine psychische Krankheit

"Ich wünschte, ich wäre magersüchtig."

martin-dm via Getty Images
Immer noch werden Menschen, die eine psychische Krankheit haben, stigmatisiert. (Symbolbild)
  • Twitter-User teilen die schlimmsten Statements, die bisher über ihre psychische Krankheit gemacht wurden.
  • Gestartet wurde der Aufruf von einer Journalistin des Newsportals “Metro”, die selbst ihre Erfahrungen offen geteilt hat.

Eigentlich sollten im Jahr 2018 psychische Krankheiten nicht mehr stigmatisiert,  heruntergespielt oder abgetan werden. Sie sollten als das anerkannt werden, was sie sind: Krankheiten. 

Dennoch gibt es weiterhin zahlreiche Beispiele, die das Gegenteil beweisen. Unter dem Hashtag #ThingsPeopleHaveSaidAboutMyMentallIllness – Dinge, die Menschen über meine psychische Krankheit gesagt haben – ermutigte die Journalistin Hattie Gladwell, die für das Newsportal “Metro” schreibt, Twitter-User, ihre schlimmsten Erfahrungen zu teilen. 

Mangelnde Akzeptanz psychischer Krankheiten

Ziel der Aktion sei einerseits, den Betroffenen eine Plattform zu geben und andererseits, den Peinigern zu zeigen, wie verletzend ihre Worte eigentlich sein können, schrieb die Reporterin auf “Metro”.

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Auch sie teilte ihr persönliches Erlebnis mit der Öffentlichkeit:

“Ich fange an: Eine Person sagte zu mir, dass ich keine Medikamente brauchen würde, sondern dass ich einfach motivierter sein solle, mit meiner psychischen Krankheit umzugehen.”

Knapp 1800 User haben Gladwells Post gelikt und mehr als 300 haben ihn geteilt. Auch haben zahlreiche Menschen den Hashtag aufgegriffen und ihre eigenen Erfahrungen geteilt.

Hier zeigen wir euch einige aussagekräftige Statements:

Bei vielen Usern wurde die Krankheit als minderwertiges Problem abgetan. 

“Wow, wo soll ich anfangen?! ‘Manchen Menschen geht es viel schlimmer als dir’, ‘Hör auf, dich selbst zu bemitleiden’, ‘Jeder muss mit seinem Leben klar kommen, warum kannst du das nicht?’, ‘Du bist egoistisch’.”

“Du musst erwachsen werden und aufhören, dich wie ein Kind aufzuführen. Ich habe eine Borderline Störung und Depressionen.”

″‘Was soll das heißen, du bist arbeitsunfähig wegen deiner Angst? Wir alle haben Angst!’ Angst (Störungen) aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung ist nicht das, was alle haben. Lähmende Panik-Attacken und unbekannte Auslöser gehören zu meinem Alltag. Urteile nicht über etwas, dass du nicht verstehst.”

Andere veröffentlichten die zahlreichen Tipps, die ihnen gegeben wurden.

“Versuch einmal positiv zu denken, es spielt sich alles nur in deinem Kopf ab.”

″‘Mach dir keine Sorgen über diese quälenden Gedanken, nimm einfach ein Bad, schüttle deinen großen Zeh und mach einfach weiter.’ Das wurde mir von einem Allgemeinarzt während meiner Krise im September gesagt.”

“Du solltest versuchen, es zu kontrollieren.”

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Viele User zeigten, dass ihre Freunde und Familie einfach nicht verstehenkönnen, warum es ihnen schlecht geht.

“Du kannst nicht krank sein, du arbeitest doch. Es sind die Medikamente, die dich krank machen. Entspann dich. Für mich siehst du gut aus.”

“Aber du siehst so normal aus! Und du bist so wortgewandt und intelligent?”

″‘Warum bist du so traurig? Du hast doch ein schönes Leben’, ‘Warum hast du Angst? Es ist doch nur eine Party’, ‘Wieso siehst du immer so müde aus? Du solltest Schlaf nachholen’, ‘Du weißt nicht, was Stress ist, du bist nur faul’, ‘Du bist nicht depressiv, das ist nur eine Phase’.”

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Und schließlich teilten viele User auch die verletzende Worte und Beleidigungen, die sie über sich ergehen lassen mussten.

 ”‘Du suchst nur nach Aufmerksamkeit’ (Essstörung), ‘Du hörst dich an, wie ein Psycho’ (Zwangseinweisung), ‘Versuche, NICHT traurig zu sein’ (Depressionen), ‘Mach Schluss mit allem’ (alles), ‘Du siehst nicht krank aus’, ‘Ich wünschte, ich wäre magersüchtig’”.

″‘Du machst das nur, um Aufmerksamkeit zu bekommen’, ‘Depressionen gibt es nicht’, ‘Du brauchst nur eine andere Einstellung’, ‘Du täuschst es nur vor’, ‘Du willst dich umbringen? *Nimmt ein Messer aus der Schublade, legt es vor mir hin* Schneide dich und wir werden dich draußen begraben’.”

″‘Du bist nicht depressiv, du bist nur faul’, ‘So viel bezahle ich nicht für eine Therapie, dir geht es gut’, ‘Mir egal, ob du depressiv bist, deine Hausaufgaben musst du trotzdem machen’.”

Dass sich so viele Menschen von der Aktion angesprochen fühlen, zeigt, dass bei psychischen Krankheiten noch immer mangelhafte gesellschaftliche Akzeptanz und Anerkennung herrschen. 

(ks)