POLITIK
09/02/2019 10:22 CET

Türkisch statt Englisch an Grundschulen: NRW-Integrationsrat erzürnt mit Vorschlag

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dpa

In Nordrhein-Westfalen gibt es Streit um einen Vorschlag des Integrationsrates: Der Landesvorsitzende des Integrationsrats Tayfun Keltek hatte vorgeschlagen, den Englisch-Unterricht an Grundschulen in dem Bundesland abzuschaffen und durch Türkisch-, Polnisch- oder Russisch-Unterricht zu ersetzen. 

Die nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) lehnt den Vorschlag strikt ab: “Englisch ist und bleibt die zentrale Fremdsprache, die eine weltweite Kommunikation ermöglicht”, sagte sie am Freitag in Düsseldorf, wie “RP Online” berichtet. 

Auch Josef Kraus, ehemaliger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, ist dagegen

“Das halte ich für völlig falsch. Das ist absolut antiintegrativ. Wenn wir wirklich Integration in Deutschland haben wollen, dann heißt die Forderung: Die Kinder müssen Deutsch lernen und nichts anderes. Wir bekommen sonst noch mehr Parallelgesellschaften”, sagte er der “Bild”-Zeitung. 

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Was ihr über den Grundschul-Vorschlag noch wissen müsst:  

Keltek wehrte sich gegen die Kritik und verteidigte seinen Vorstoß. “Welchen Sinn ergibt es, siebenjährigen Kindern Englisch beibringen zu wollen, wenn sie diese Sprache nur aus dem Fernsehen kennen?”, heißt es in einer Mitteilung. 

Zuvor hatte er den Vorschlag im “Kölner Stadtanzeiger” begründet. “Für die deutschen Kinder wäre es einfacher, sie würden diese Sprachen (Türkisch, Russisch, Polnisch, Anm.) erlernen”, sagte Keltek. Die Kinder mit Migrationshintergrund hätten dann mehr Zeit, Deutsch zu lernen. 

Schulministerin Gebauer lässt derzeit die Grundschullehrpläne überarbeiten. Laut Koalitionsvertrag sollen Lesen, Schreiben und Rechnen gestärkt werden. Eine Entscheidung über die konkrete Ausgestaltung ist aber noch nicht gefallen