POLITIK
24/06/2018 09:29 CEST | Aktualisiert 26/06/2018 07:37 CEST

Türkei-Wahl: Verlierer Ince sieht das Land in "Ein-Mann-Herrschaft" angekommen

Der HuffPost-Live-Ticker aus Istanbul.

Wir berichten direkt aus der Türkei. Warum diese Woche besonders spannend werden könnte, erfahrt ihr oben im Video. 

Die Menschen in der Türkei wählen am Sonntag einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament. Die Wahllokale öffneten am Sonntag um 8.00 Uhr, die Stimmabgabe war landesweit bis 17.00 Uhr möglich.

Knapp 60 Millionen Türken sind zur Stimmabgabe aufgerufen. Mit den Wahlen wird die Einführung eines Präsidialsystems abgeschlossen. Der neue Präsident wird Staats- und Regierungschef und mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet. Das Amt des Ministerpräsidenten wird abgeschafft.

► Die wichtigsten News im Ticker:

15:40 Uhr: Wahlkommission kündigt Bekanntgabe des amtlichen Wahlergebnisses für den 5. Juli an

Das amtliche Endergebnis der türkischen Präsidenten- und Parlamentswahlen wird nach Angaben der Wahlkommission am 5. Juli bekanntgegeben. Das teilte deren Vorsitzender Sadi Güven laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Montagnachmittag mit.

12:40 Uhr: Ince sieht Türkei im Zeitalter der “Ein-Mann-Herrschaft” 

Auf der Pressekonferenz hat Ince den Ablauf der Wahlen erneut als “unfair” bezeichnet. Die Türkei sei in eine “Ein-Mann-Herrschaft” übergegangen: Mit Erdogan sei nun eine einzelne Person “Staat, Exekutive, Legislative und Justiz” in einem.

Das “neue Regime” sei eine “große Gefahr” für das Land, warnte der unterlegene CHP-Kandidat weiterhin. Die Türkei habe “ihre Bindung zu demokratischen Werten gelöst.”

Er werde aktiver Politiker bleiben und weiter kämpfen, kündigte Ince vor den Pressevertretern an.

11:53 Uhr: Wahlverlierer Ince wirft Staatssender TRT aus Pressekonferenz

Der unterlegene Präsidentschaftskandidat Muharrem Ince hat den Vertreter des türkischen Staatssenders TRT aus seiner Pressekonferenz geworfen. Der Staatssender habe seine großen Wahlkampfveranstaltungen ignoriert, sagte Ince als Begründung.

11:29 Uhr: Roth fordert “grundlegenden Kurswechsel” in Türkei-Beziehungen

Claudia Roth, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, hat einen “grundlegenden Kurswechsel” in der deutschen Türkei-Politik gefordert. “Erdogan ist ein Autokrat, und mit denen dealt man nicht”, sagte sie der dpa. 

Die Grünen-Politikerin forderte, dass der türkische Präsident “nicht länger ein Partner unter vielen” sein dürfe. Roth mahnte einen Stopp sämtlicher Rüstungsexporte in die Türkei an und sagte darüber hinaus, dass “kein Gespräch mehr vergehen” dürfe, in dem die Bundesregierung nicht die Freilassung aller politischen Gefangenen einfordere.

Sarah Wagenknecht, die Bundesfraktionsvorsitzende der Linken, forderte kurz darauf auf Twitter unter anderem einen Stopp der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei.

09:43 Uhr: Ungarns Präsident Orban gratuliert dem Wahlsieger als erstes EU-Staatsoberhaupt

Als erster Regierungschef eines EU-Landes hat der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban Erdogan zum Wahlsieg gratuliert. “Die Stabilität der Türkei ist für ganz Europa eine gute Nachricht”, hieß es nach dpa-Informationen in dem Glückwunschschreiben.

Der Kontinent stehe “vor zahllosen schweren sicherheitspolitischen Herausforderungen”, zu deren Bewältigung eine “berechenbare und effiziente Zusammenarbeit mit der Türkei unumgänglich” sei.

Auch der russische Staatspräsident Wladimir Putin hat mittlerweile seine offiziellen Glückwünsche ausgerichtet: Er lobte Erdogans “große politische Autorität” und bot eine Fortsetzung der engen Zusammenarbeit an, wie der “Spiegel” berichtet.

07:10 Uhr: Özdemir kritisiert Erdogan-Anhänger in Deutschland

Grünen-Politiker Cem Özdemir hat das Wahlverhalten der in Deutschland lebenden Türken scharf kritisiert. “Die feiernden deutsch-türkischen Erdogan-Anhänger jubeln nicht nur ihrem Alleinherrscher zu, sondern drücken damit zugleich ihre Ablehnung unserer liberalen Demokratie aus. Wie die AfD eben”, schrieb der Bundestagsabgeordnete und ehemalige Parteivorsitzende am Sonntagabend auf Twitter – und mahnte: “Das muss uns alle beschäftigen.”

In mehreren deutschen Städten sind die Erdogan-Anhänger zu Siegeskundgebungen auf die Straße gezogen. Dabei gab es unter anderem “Allahu Akbar”-Rufe. In Berlin skandierten feiernde Deutschtürken “Recep Erdogan, unser Führer!”

06:30 Uhr: Drei Deutsche im Zuge der Wahl festgenommen

Nach Informationen der dpa sind zwei Männer aus Köln und eine Frau aus Halle an der Saale in Uludere in der südosttürkischen Provinz Sirnak von der Polizei festgenommen worden.

Bei den drei Inhaftierten handele es sich um Mitglieder einer elfköpfigen Reisegruppe aus Deutschland, die dem Aufruf der kurdischen HDP zur (inoffiziellen) Wahlbeobachtung gefolgt sei.

Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte die Festnahme. „Der Fall ist bei uns bekannt“, sagte eine Ministeriumssprecherin der dpa. Die Botschaft in Ankara sei damit befasst.

Andrej Hunko, Bundestagsabgeordneter der Linken, schrieb auf Twitter, es habe insgesamt 17 Festnahmen von Wahlbeobachtern in verschiedenen Städten gegeben. Einige seien mittlerweile wieder freigelassen worden. Hunko wollte ebenfalls als Wahlbeobachter in die Türkei reisen, wurde jedoch mit einem Einreiseverbot belegt.

05:04 Uhr: In Deutschland bekommt Erdogan fast zwei Drittel der Stimmen – Türkische Gemeinde hofft auf Ende der Spannungen

Nach Auszählung von fast 80 Prozent der in Deutschland abgegebenen Stimmen kommt Erdogan auf 65,7 Prozent, vermeldet die dpa.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland hofft nun, dass die Spannungen zwischen den unterschiedlichen politischen Lagern abnehmen werden. “Seit Jahren dreht sich alles um Politik, die Menschen in der Türkei brauchen Ruhe und ein Ende des Ausnahmezustandes”, sagte der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, der dpa in der Nacht zum Montag. Auch viele der in Deutschland lebenden Menschen türkischer Herkunft hätten den Wunsch, nun “zum Alltag zurückzukehren”.

01:59 Uhr: Erdogan spricht von “Sieg der Demokratie” – CHP mahnt zur Ruhe

Bei seiner Siegesrede am frühen Montagmorgen in Ankara spricht der alte und neue Staatspräsident davon, dass diese Wahlen “das künftige Jahrhundert unseres Landes prägen werden.” Die Sieger seien “die Demokratie, der Wille des Volkes und das Volk höchstpersönlich.” 

Die unterlegene CHP hat unterdessen ihre Anhänger zur Ruhe aufgerufen: Das Volk solle sich – unabhängig vom Wahlergebnis – “nicht provozieren lassen”, sagte Parteisprecher Bülent Tezcan.

01:36 Uhr: Auch die Wahlkommission verkündet Erdogans Sieg

Die Wahlkommission verkündet offiziell, dass Präsident Erdogan die Abstimmung in der ersten Runde gewonnen hat: “Aus den Ergebnissen geht hervor, dass Herr Recep Tayyip Erdogan die absolute Mehrheit der gültigen Stimmen erhalten hat”, sagte Kommissionschef Sadi Güven Anadolu-Angaben zufolge nach Erfassung von 97,7 Prozent der abgegebenen Stimmen.

00:30 Uhr: Ince gesteht Niederlage ein

Der unterlegene CHP-Kandidat Muharrem Ince hat laut dem Sender Fox TV in einer Whatsapp-Kurznachricht seine Niederlage eingestanden.

“Es war kein faires Rennen aber ich akzeptiere, dass Erdogan gewonnen hat”, soll Ince geschrieben haben. Am Montag um 12 Uhr will Ince eine Pressekonferenz geben.

21:38 Uhr: Erdogan erklärt sich zum Sieger

Der amtierende wird auch der neue Präsident sein.

Auch im Parlament hält die Koalition der AKP die Mehrheit. Das sagt zumindest Erdogan der Presse.

Die Skepsis über das Ergebnis ist in der Opposition weiter groß.

21:20 Uhr: Es ist fast vorbei...

97 Prozent der Urnen sollen nun offen sein. Erdogan führt noch mit beinahe 53 Prozent. Es könnte gelaufen sein. Auch seine Parlamentsmehrheit scheint sich zu manifestieren.

Screenshot

21:04 Uhr: Noch weiß niemand, wie er sich fühlen soll

Während die Nachrichtenagentur Anadolu langsam mit der Verkündung der Ergebnisse vorrückt – 93 Prozent der Urnen wurden angeblich bereits geöffnet – ist die Stimmung in Istanbul weiter unbestimmt.

Einige glauben noch fest an einen Erfolg der Opposition, andere zeigen sich resigniert.

Zwischenstand: Erdogan, 52,9 Prozent.

20:30 Uhr: Erdogan-Gegner Ince wütend

Erdogan-Gegner Ince schreibt bei Twitter, die Wahlkommission habe erst 37 Prozent der Wahlurnen geöffnet. Laut der Anadolu-Nachrichtenagentur sind es bereits fast 90 Prozent.

Er ruft die Wahlbeobachter erneut auf: “Verlasst die Auszählungen nicht!”

20:05 Uhr: 88 Prozent ausgezählt

► Das Ergebnis bislang: Erdogan liegt bei 53, 8 Prozent,

► Konkurrent Ince bei 30,2 Prozent.

Erdogan bereitet eine Siegesrede vor.

► Bei den Parlamentswahlen steht die AKP-MHP-Koalition bei 55 Prozent. Hier sind 82 Prozent der Stimmen ausgezählt.

► Die Oppositionskoalition kommt nur auf ein Drittel der Stimmen.

► Die HDP auf 10,4 Prozent.

20:01 Uhr: Es könnte hitzig werden

Gerüchten zufolge bereitet sich die AKP bereits davor, sich und Erdogan zum Wahlsieger zu erklären. 

Dann könnte es vielerorts hitzig werden. Die Oppositionsparteien erhalten von unabhängigen Wahlbeobachtern noch immer andere Zahlen, als sie die Anadolu-Staatsagentur veröffentlicht.

19:35 Uhr: “Erdogan hat verloren”

Der Inhaber der Gezici Research Agency, Murat Gezici, sagt auf einem CHP-eigenen Sender: “Erdogan hat verloren. Über die Präsidentschaft wird eine Stichwahl entscheiden.”

Laut offiziellen Zahlen liegt der amtierende Präsident allerdings noch über 50 Prozent. Das würde bedeuten: Es kommt nicht zu einer Stichwahl gegen CHP-Kandidaten Muharrem Ince.

19:32 Uhr: Erdogan noch auf Siegesstraße

Laut der Staatsagentur Anadolu sind nun rund 70 Prozent der Stimmen ausgezählt. Noch hat Erdogan eine komfortable Mehrheit.

ANADOLU

19:17 Uhr: Starke Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung pendelt sich bei rund 87 Prozent ein. Das ist enorm stark.

19:07 Uhr: HDP auf dem Weg ins Parlament

Schon jetzt deutet sich an, dass die prokurdische HDP den Sprung über die 10-Prozent-Hürde ins türkische Parlament schaffen könnte.

Derzeit liegt sie bei 9,4 Prozent – einige Schlüsselregionen sind allerdings noch nicht ausgezählt. Dadurch könnte die Mehrheit für Erdogans AKP-MHP-Koalition bröckeln.

HDP-Sprecher Ayhan Bilgen teilte derweil mit, in Kars gebe es einen Stromausfall. Und: Die Zahlen der Anadolu-Agentur hätten mit der Realität nichts zu tun.

19:02 Uhr: Erdogan-Gegner Ince erklärt Ergebnis

Der CHP-Kandidat Muharrem Ince wirft der Nachrichtenagentur Anadolu vor, erst die Regionen auszuzählen, in denen Erdogan traditionell stark abschneidet. So käme das gute Ergebnis für den Amtsinhaber zustande.

Bei rund 60 Prozent ausgezählten Stimmen liegt Erdogan bei 55,8 Prozent.

Ince sagte an die Wahlbeobachter gerichtet: “Lasst euch nicht demoralisieren und bleibt an den Wahlurnen.”

18:48 Uhr: Erdogan zwischen 43 und 56 Prozent

Neue Zahlen der unabhängigen Wahlbeobachter sehen Erdogan bei rund 43 Prozent und damit weit hinter der absoluten Mehrheit. In den offiziellen Hochrechnungen liegt der amtierende Präsident allerdings noch bei rund 56 Prozent (bei über 50 Prozent ausgezählten Stimmen).

18:40 Uhr: Zahlenchaos

Die offiziellen Zahlen (links) und die des Bündnisses von unabhängigen Wahlbeobachtern (rechts) klaffen von Beginn an weit auseinander.

18:30 Uhr: 47 Prozent ausgezählt

Erdogans Mehrheit schrumpft auch laut Anadolu.

Bei 47 Prozent ausgezählten Stimmen liegt der AKP-Chef nun bei 56,8 Prozent.

18:15 Uhr: Oppositionspartei veröffentlicht Zahlen

Laut der Oppositionspartei CHP steht Erdogan derzeit bei rund 45 Prozent. Ihr Kandidat Ince bei rund 40 Prozent. Die Partei beruft sich auf ein Netzwerk unabhängiger Wahlbeobachter.

Diese Zahlen sind weit von den Hochrechnungen von Anadolu entfernt.

18:03 Uhr: Berichte über mehrere Stromausfälle

In mehreren Städten in der Türkei wurden in den vergangenen Stunden Stromausfälle gemeldet, zuletzt aus Kirsehir und Urfa.

Schon bei den Kommunalwahlen im Jahr 2014 hatte es massive Stromausfälle gegeben. Die Opposition beschuldigte die AKP, so Manipulationen den Weg bereitet zu haben.

17:54 Uhr: Bei Präsidentschaftswahl großer Vorsprung

Bei einem Viertel ausgezählter Stimmen führt Erdogan laut Anadolu mit 58,6 Prozent vor Konkurrent Ince (27 Prozent).

Die Zahlen sind hochspekulativ, Kritiker werfen der Nachrichtenagentur immer wieder vor, bewusst falsche Zwischenergebnisse zu präsentieren.

Zur Erinnerung: 

  • Beim Referendum 2017 und den Parlamentswahlen 2015 hatte Anadolu lange fragwürdig hohe Ergebnisse für die AKP gezeigt, die Ergebnisse erst später langsam nach unten korrigiert.
  • Daraufhin verließen viele Wahlbeobachter frühzeitig die Auszählungen. Viele Beobachter glauben: So wurde Manipulation ermöglicht.

Diese Grafik zeigt, wie sich die Anadolu-Zahlen bei den vergangenen Wahlen im Laufe des Abends entwickelten.

► Erst wenn circa 70 Prozent der Stimmen ausgezählt sind, werden wir eine verlässlichere Prognose abgeben können, wie der Ausgang der Wahlen aussehen könnte.

17:42 Uhr: 6 Prozent ausgezählt...

... angeblich liegt das Bündnis aus AKP und MHP bei der Parlamentswahl mit fast 70 Prozent der Stimmen vorn.

► Ein solch hohes Ergebnis in frühen Hochrechnungen ist typisch für die staatseigene Agentur Anadolu, die das exklusive Recht inne hat, Ergebnisse zu verkünden.

► Bei der Präsidentschaftswahl liegt Erdogan demnach bei fast 60 Prozent der Stimmen, sein Konkurrent Ince bei 26 Prozent. Hier sind bereits rund 20 Prozent der Stimmen ausgezählt.

Screenshot

17:31 Uhr: Bald dürften wir erste Hochrechnungen sehen...

... der Erfahrung nach sehen wir bei diesen eine deutliche Mehrheit für die AKP und Erdogan.

Das hat nichts zu bedeuten. CNN Türk bereitet sich bereits vor.

CNN Turk

17:17 Uhr: Erdogan gibt erste Prognose ab

“Es ist noch zu früh, um etwas zu sagen”, sagt der AKP-Chef Recep Tayyip Erdogan über den Wahlausgang. Dann tut er genau das doch: “Wir stehen gut da.”

Sein Konkurrent, CHP-Mann Ince, macht indes eine Kampfansage: “Wir werden nicht zulassen, dass die Nachrichtenagentur Anadolu die Ergebnisse diktiert. Was auch passiert: Wir gewinnen das. Bleibt an den Wahlurnen!” 

Beim Referendum 2017 und den Parlamentswahlen 2015 hatte Anadolu lange fragwürdig hohe Ergebnisse für die AKP gezeigt, die Ergebnisse erst später langsam nach unten korrigiert.

Daraufhin verließen viele Wahlbeobachter frühzeitig die Auszählungen. Viele Beobachter glauben: So wurde Manipulation ermöglicht.

16:13 Uhr: Die Wahllkokale sind geschlossen

Ein kurzer Wahltag geht zuende. Die Lokale werden landesweit um 17 Uhr Ortszeit, also 16 Uhr deutsche Zeit, geschlossen.

Die Auszählung dürfte sich nun allerdings ziehen.

16:00 Uhr: Berichte über Tote in Ost-Türkei

Laut übereinstimmenden Medienberichten gibt es nach einer Schießerei mehrere Tote in der Provinz Erzurum. Unter den Toten soll der Iyi-Partei-Regionalvorsitzende Mehmet Sıddık Durmaz sein.

Die Partei bestätigte den Todesfall.

 

15:52 Uhr: Deutsche Linksradikale in der Türkei festgenommen

Die bekannte Aktivistin der Interventionalistischen Linke, Emily Lacquer, ist laut Kollege Christoph Kleine in der Nähe von Diyarbakir festgenommen worden.

Lacquer war nach eigener Aussage als unabhängige Wahlbeobachterin in der Türkei unterwegs. Die Sicherheitsbeamte warfen Lacquer offenbar vor, keinen Einreisestempel zu haben.

 

15:03 Uhr: Schüsse in Suruc

Zudem gibt es Berichte über Schüsse in einer Schule in Suruc. Vertreter der Parteien CHP und HDP sprechen von mehreren Verletzten. 

Google Maps

Warum ist die Region so wichtig?

Suruc ist Teil des Wahlbezirks Şanlıurfa. Hier liefern sich AKP und HDP ein enges Rennen. Nur wenn die HDP in den kurdisch dominierten Teilen des Landes die Mehrheit holt und über 10-Prozent springt, ist es denkbar, dass die AKP im Parlament die absolute Mehrheit verliert.

 

14:19 Uhr: 4 Personen schmuggelten Wahlkarten

Staats-Nachrichtenagentur Anadolu zieht ein Zwischenfazit: Die Wahlen verliefen demnach ruhig. Nur einige Unregelmäßigkeiten seien gemeldet worden. Auch die OSZE bestätige diese Einschätzung.

Tatsächlich muss man sagen: Besonders in den kurdisch dominierten Gebieten um Suruc und Diyarbakir ist bereits es zu einigen Zwischenfällen gekommen.

In Suruc wurde so ein Auto gestoppt, das vier Säcke voller irregulärer Stimmkarten in ein Wahllokal transportieren wollte. Das berichtet unter anderem die Oppositionszeitung “Cumhuriyet”. Polizisten stoppten den Wagen durch Schüsse in die Luft.

Laut der Nachrichtenagentur Anadolu wurden 4 Personen festgenommen.

Auf eine überregionale Manipulation im großen Stil deutet bislang aber noch wenig hin.

14:37 Uhr: Tausende versammeln sich

Schon jetzt versammeln sich in mehreren Teilen von Istanbul große Menschenmengen und fiebern dem Wahlergebnis entgegen.

  

14:00 Uhr: Deutsche Wahlbeobachter angezeigt

Die Erdogan-treue Zeitung “Yeni Safak” berichtet online, dass mehrere Ausländer davon abgehalten wurden, als Wahlbeobachter zu agieren.

► Die zehn betroffenen Personen seien keine offiziellen Mitglieder der OSZE-Mission und seien nicht von der Regierung zugelassen worden.

Auch drei Deutsche seien unter den Verdächtigen. Sie seien in Sirnak aktiv gewesen. Die Personen sollen angezeigt worden sein.

13:44 Uhr: Eine Odyssee für die Wahl

Im Osten der Türkei müssen Menschen teilweise rund 8 Kilometer zum nächsten Wahllokal zurücklegen. Einige taten das offenbar zu Fuß.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters liegt der Grund für die weiten Wege in mehreren Verlegungen von Wahllokalen in Regionen mit hohem kurdischen Bevölkerungsanteil. 

► Die kurdische Partei HDP wirft der Regierung vor, ihre Wähler an der Stimmabgabe hindern zu wollen. 

 

12:51: Uhr: Stimmabgabe in Suruc unterbrochen

In Suruc, im kurdisch geprägten Südosten der Türkei, ist die Stimmabgabe in mehreren Wahllokalen unterbrochen worden. In einem Auto waren Berichten zufolge mehrere Säcke mit Stimmzetteln gefunden worden.

Auch ein Video soll einen Betrugsversuch in einem Wahllokal in Suruc zeigen:

Es gibt zudem unbestätigte Meldungen über Verletzte bei Ausseinandersetzung in einem Wahllokal in der Region.

OSZE-Wahlbeobachter sind in der Stadt nicht präsent, teilte Sprecherin Audrey Glover am Sonntag mit. Es bestehe ein zu großes Sicherheitsrisiko.

12:43 Uhr: Erdogan gibt seine Stimme ab

Erdogan gibt seine Stimme in Istanbul ab und spricht von einer sehr hohen Wahlbeteiligung. Es gebe eine “demokratische Revolution” in der Türkei, behauptet er.

Heute trägt der AKP-Chef ein schlichtes Blau. Beim Referendum im April 2017 hatte er einen modisch fragwürdigen Karo-Anzug getragen.

 

11:38 Uhr: Ausschreitung in Diyarbakir

In der kurdisch geprägten Stadt Diyarbakir im Südosten der Türkei ist es offenbar zu ersten echten Auseinandersetzungen gekommen.

Mehrere schwer bewaffnete Soldaten betraten ein Wahllokal. Es gibt bislang keine bestätigten Berichte über den Grund für die Unruhen.

In einem anderen Ort in der Region sollen Sicherheitskräfte in die Luft geschossen haben, um Wähler einzuschüchtern.

9:41 Uhr: Erdogan-Herausforderer Ince hat Stimme abgegeben

Ince warf seine Stimmkarte in der Stadt Yalova in eine Urne.

Auch Meral Aksener von der nationalistischen Iyi-Partei hat ihre Stimme abgegeben.

9:20 Uhr: Dubiose Fahrzeuge vor Wahllokalen

Über 500.000 Wahlbeobachter sind heute im Einsatz. Die Angst vor möglichen Manipulationsversuchen ist groß.

Bereits jetzt melden Augenzeugen: Vor mehreren Wahllokalen seien Fahrzeugen ohne Nummernschilder gesichtet worden. Schon bei vergangenen Wahlen sorgten die dubiosen Autos für Wirbel.

Einige vermuten, dass in diesen Fahrzeugen Stimmzettel aus Wahllokalen geschmuggelt werden könnten. Andere gehen von Einschüchterungsmanövern aus.

 

9:15 Uhr: Wer ist eigentlich dieser Ince?

Erdogan hat einen ernstzunehmenden Konkurrenten: CHP-Spitzenkandidat Muharrem Ince.

Wir haben ihr für euch hier portraitiert.

Und haben von seiner letzten Wahlkampfveranstaltung in Istanbul berichtet, zu der mehrere Millionen Menschen kamen.

9:00 Uhr: Das sind die drei wahrscheinlichsten Szenarien

Szenario 1: Erdogan gewinnt die Präsidentschaftswahl in der ersten Runde, seine AKP verteidigt ihre absolute Mehrheit im Parlament.

Die Opposition befürchtet in diesem Fall eine “Ein-Mann-Herrschaft”. Erdogan würde mächtig wie nie, er wäre zugleich Staats- und Regierungschef und könnte per Dekret regieren.

Als Vorsitzender der AKP hätte er zugleich die Kontrolle über die Mehrheitsfraktion im Parlament, die ihm bedingungslos folgen dürfte.

Szenario 2: Erdogan verfehlt die absolute Mehrheit bei der Präsidentschaftswahl und muss am 8. Juli in die Stichwahl.

Auch in die zweite Runde ginge Erdogan dann als Favorit, er wäre aber angezählt. Niemand weiß, was für Dynamiken das auslösen würde. Die Opposition sähe sich im Aufwind.

► Szenario 3: Erdogan gewinnt die Präsidentschaftswahl in der ersten oder zweiten Runde, die AKP verliert aber die absolute Mehrheit im Parlament.

Das Parlament muss den Präsidenten zwar nicht im Amt bestätigen. Dennoch ist Erdogans Präsidialsystem nicht darauf ausgelegt, dass die Opposition die Mehrheit im Parlament hat. Erdogan könnte zwar mit Dekreten regieren. Die Opposition könnte aber Gesetze verabschieden, die diese Dekrete außer Kraft setzen.

Mit Material der dpa.

Getty / Reuters

HuffPost-Redakteur Lennart Pfahler berichtet zur Türkei-Wahl eine Woche lang aus Istanbul. Darüber, wie Erdogan die Türkei bereits verändert hat, wie sich vor allem junge Menschen gegen den Präsidenten auflehnen – und natürlich darüber, wie die Wahlen am Sonntag ausgehen.