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04/06/2018 16:19 CEST | Aktualisiert 04/06/2018 16:19 CEST

Tun und Werden: Was im Zeitalter der Digitalisierung bleibt

„Nichts wird,

nichts ist,

nichts bleibt

im Himmel und auf Erden

als diese zwei:

das eine ist TUN, das andere WERDEN.“

Daniel Czepko von Reigersfeld (1605–1660)

Wir haben die Möglichkeit, die Digitalisierung nachhaltig zu gestalten. Voraussetzung dafür ist, unsere Macherqualitäten zu stärken, bisherige Denkmodelle zu ändern und die Trennung zwischen Theorie und Praxis aufzuheben. In Zeiten zunehmender Akademisierung und schrumpfender Geburtenzahlen wird es jedoch immer schwieriger, ausreichend qualifizierte Auszubildende und Fachkräfte zu gewinnen. Besonders rar sind Informatiker (die IT-Lücke hat sich im Zuge der Digitalisierung in den letzten Jahren verdoppelt). Die Wirtschaft wirbt dafür, dass sich viele junge Menschen entweder für eine technische, naturwissenschaftliche oder IT-Ausbildung entscheiden bzw. für ein entsprechendes Studium.

Das Interesse der Studienberechtigten an einer dualen Berufsausbildung ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Inzwischen verfügen mehr Ausbildungsanfänger über eine Studienberechtigung als über einen Hauptschulabschluss. Ebenfalls nahm die Zahl der Ausbildungsplätze, die Betriebe, Praxen und Verwaltungen nicht besetzen können, im Zeitverlauf zu. Dies sind Ergebnisse aus dem Datenreport 2018 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), der den vom Bundeskabinett verabschiedeten Berufsbildungsbericht 2018 ergänzt.

Deutschland wird für seine duale Ausbildung weltweit bewundert, doch wie sie ausgestattet ist, ist Ländersache: Die Länder koordinieren den schulischen Teil der Ausbildung, und das Bundeswirtschafts- und das Bildungsministerium sind für den betrieblichen Teil zuständig. Außerdem kommt der Einfluss von Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften hinzu. Die Hochschulen können nur ihre wissenschaftliche Ausbildung steuern - in der Regel hat dies allerdings nichts zu tun mit den praktischen Erfahrungen, die junge Menschen in Unternehmen sammeln, denn dafür sind die Kammern und die Unternehmen zuständig.

Die Praxiserfahrung ist auch eine der größten Schwachstellen der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge: Nicht nur Studenten bemängeln zu wenig praktische Erfahrungen im Studium, sondern auch Absolventen und Führungskräfte.

Wo es viele Worte gibt, wird ein Thema oft nicht ernst genommen und somit Wesentliches verdeckt. „Tun - nicht nur reden!" ist deshalb das Credo des Unternehmers und Autors Werner Neumüller, der sein unternehmerisches Handeln auch als soziale Aufgabe versteht. Kerngeschäft des inhabergeführten, mittelständischen Familienunternehmens Neumüller Ingenieurbüro GmbH ist die Rekrutierungsunterstützung im Kundenauftrag über die Personaldienstleistung.

Werner Neumüller ist unter anderem Co-Publisher des Buches „Visionäre von heute – Gestalter von morgen“, das im Herbst 2018 erscheint. Darin widmet er sich in einem sehr persönlichen Beitrag den Quellen seiner Motivation, reflektiert wichtige Aspekte seiner Lebensgeschichte, hinterfragt den Akademisierungstrend in Deutschland, zeigt Möglichkeiten anderer chancenreicher Bildungs- und Karrierewege und widmet sich den passenden Bedingungen, damit sich bestimmte Fähigkeiten wie Pragmatismus, Entscheidungsfreude, Fleiß und Reflexionsvermögen, Resilienz und Gemeinschaftsgefühl nachhaltig entfalten können.

Um die Probleme der Gegenwart gemeinsam zu lösen, sollten Unternehmen ihre Verbindung zu den Universitäten und Fachhochschulen vertiefen. „An den Studenten sei es indessen, schon während des Studiums mehr Praxiserfahrung zu sammeln.“ (Friederike Lübke). Hier setzen auch die Neumüller Unternehmungen an: So werden innerhalb der Unternehmensgruppe regelmäßig Praktikumsplätze vergeben. Zukünftige Hochschulabsolventen erhalten Stipendien (geschlechtsunabhängig und ausschließlich anhand von vorher festgelegten u.a. sozial orientierten Merkmalen).

Ausgewählt werden die Auszubildenden hier anhand ihrer Bewerbungsunterlagen und persönlicher Bewerbungsgespräche. Seit dem Wintersemester 2011 bilden die Neumüller Unternehmungen Duale Studenten der Fachrichtung Dienstleistungs-/Personalmanagement aus. Die ehemalige Berufsakademie in Mosbach ist heute ein Standort der staatlichen Berufsakademie Baden-Württemberg. „Pro DHBW Mosbach” wurde gegründet, um die Zukunftsentwicklung der Akademie und des dualen Systems zu fördern und für die Wirtschaft zusätzliche Fachkräfte- und Führungsnachwuchs auszubilden. Als Förderpartner beteiligt sich die Neumüller-Gruppe an der Finanzierung von Informationsveranstaltungen und Material für Abiturienten, der Gewinnung von zusätzlichen Ausbildungsbetrieben durch die Akademie, sowie an Projekten verschiedener Fachbereiche. Das Unternehmen gibt Know-how, wo Bedarf besteht. Die Bewerber erhalten über die Mitarbeit in anspruchsvollen Projekten bei Neumüller die Chance, in renommierte Firmen einzusteigen.

Mit diesem Engagement verbunden ist die Überzeugung, dass es heute nicht mehr so weiterlaufen kann wie bisher. Wer zusammen handeln möchte, muss vorher fähig sein, komplexe Sachverhalte auch „zusammen" zu denken. Es braucht Synthesen, gemeinsame Entschlüsse, Klarheit, Vertrauen und TUN. Gefragt ist heute deshalb eine Könnensgesellschaft, in der es wirksam werden kann.

Weiterführende Informationen:

Friederike Lübke: Wie steht es um den Ingenieurnachwuchs? In: DIE ZEIT, 14.4.2016, S. 70.

Werner Neumüller, Alexandra Hildebrandt (Hg.): Visionäre von heute – Gestalter von morgen. SpringerGabler Verlag 2018.

Werner Neumüller: Ehrlich weiter: Auf der Suche nach den Menschen. In: Werner Neumüller, Alexandra Hildebrandt (Hg.): Visionäre von heute – Gestalter von morgen. SpringerGabler Verlag 2018.

Werner Neumüller und Alexandra Hildebrandt: Tun statt reden. Personalverantwortung 21.0 von A bis Z. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.