WIRTSCHAFT
04/12/2018 22:40 CET | Aktualisiert 05/12/2018 07:19 CET

Trumps mysteriöser China-Bluff: Ankündigung lässt die Märkte verrückt spielen

Wie es um den Handelsstreit mit China steht und welche Auswirkungen Trumps Aussagen haben – auf den Punkt gebracht.

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Donald Trump und Xi Jinping in Buenos Aires beim G20-Gipfel. 

Am Anfang war Donald Trumps Wort. Wie die Welt aber mittlerweile weiß, ist auf das Wort des US-Präsidenten nicht viel zu geben. 

Nach dem G20-Gipfel in Argentinien hatte Trump am Samstag vollmundig eine Einigung mit China verkündet. Die Volksrepublik werde ihre Zölle auf Autos aus den USA reduzieren, schrieb er sogar am Montag auf Twitter

Die Märkte glaubten Trumps Aussagen über den unerwarteten Deal. Auch wenn von chinesische Seite eine Bestätigung fehlte, auch wenn es keine konkreten Details über die Einigung gab. 

Mittlerweile wird immer deutlicher: Trump hat wohl geblufft. Er schickte die Märkte weltweit damit auf eine irre Reise. Wie es um den Handelsstreit mit China steht und welche Auswirkungen Trumps Aussagen haben – auf den Punkt gebracht

Darum geht es im Handelsstreit zwischen China und den USA: 

Noch immer streiten die beiden größten Volkswirtschaften der Welt um Zölle.

► Die USA hatten hohe Sonderzölle für chinesische Exporte erhoben, um die eigene Wirtschaft zu schützen. Washington wirft China zudem Wirtschaftsspionage vor. 

► China reagierte mit Zöllen auf US-Produkte. Unter anderem hob die chinesische Regierung die Zölle für US-Autos von 25 auf 40 Prozent an. 

► Die USA hatten zudem bereits ankündigt, die Sonderzölle für Importe aus China weiter anzuheben.

Und hier kommt nun das Treffen von US-Präsident Trump mit dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping ins Spiel. 

Was Trump und Xi vereinbarten – und was wohl nicht: 

► Klar ist: Während des Essens mit Xi beim G20-Gipfel setzte Trump seinem Amtskollegen laut Angaben des Weißen Hauses eine 90-tägige Frist, um Zugeständnisse im Handelsstreit zu machen.

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Xi und Trump beim Essen. 

Heißt, statt neuer Zölle wird es nun zunächst neue Gespräche zwischen beiden Seiten geben. Washington und Peking wandten eine Eskalation ab. 

Trump sprach von einem “unglaublichen Deal”, der am Ende der 90-tägigen Frist stehen werde. Dazu kam sein Tweet am Montag, dass China zugesagt habe, die Autozölle für US-Importe zu senken oder gar zu beseitigen.

Von einem “unglaublichen Deal” kann allerdings keine Rede sein.

Ein chinesischer Außenamtssprecher wich am Montag der Frage aus, ob sein Land wirklich die Zölle auf US-Autoimporte senken werde. Er sprach vielmehr von einem “konkreten Abkommen”, an dem beide Länder nun zur Beilegung des Streits arbeiten wollten.

Berater von Trump äußerten sich ebenfalls vage, welche Versprechungen des US-Präsident China nun wirklich abgerungen habe.

“Wir haben noch keine konkreten Vereinbarungen darüber, aber ich möchte Ihnen sagen, als Beteiligter (an den Gespräche, Anm.), dass wir erwarten, dass diese Tarife auf Null sinken”, sagte Wirtschaftsberater Larry Kudlow am Montag vor Journalisten

Am Dienstag änderte dann auch Trump seinen Ton. Vielmehr deutete er nun auf Twitter an: Die Gespräche mit China könnten scheitern.

Er fügte noch eine Drohung hinzu: “Präsident Xi und ich wollen, dass dieser Deal gelingt, und das wird er wahrscheinlich auch. Aber falls nicht, erinnert Euch daran, dass ich ein Zollmann bin.”

Trumps Bluff lässt die Kurse an der Börse abstürzen: 

Dass Trump bei den Ergebnissen eines Gesprächs übertreibt, ist nicht neu. Im Fall seiner Aussagen über China aber zeigen sich die verheerenden Folgen, die Trumps Getöse haben kann. 

Zunächst reagierten die Aktienmärkte in den USA und auch in Europa euphorisch auf die Ankündigung des US-Präsidenten. Am Dienstag aber verdüsterte sich die Stimmung. 

► Hatte der Leitindex Dax am Montag noch fast zwei Prozent hinzugewonnen, schloss er am Dienstag mit einem Minus von 1,14 Prozent. 

► Die Verwirrung um Trump sorgte auch für Panik an der Wall Street: Der amerikanische Leitindex Dow Jones verlor am Dienstag fast 800 Punkte und büßte in der Spitze mehr als 2,9 Prozent an Wert ein. 

Die Analysten zweifeln an den verkündeten Fortschritten im Handelsstreit zwischen den USA und China.

“Die tatsächlichen konkreten Fortschritte, die bei diesem Treffen erzielt wurden, scheinen recht begrenzt gewesen zu sein”, zitiert die “New York Times” aus einem Bericht des Finanzdienstleisters Goldman Sachs. 

Auf den Punkt gebracht: 

Mit seinen Aussagen nach dem G20-Gipfel löste Trump eine Euphorie an den Märkten und Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Handelsstreits mit China aus.

Am Dienstag aber wird klar: Die Aussagen waren stark übertrieben. Die Berater des US-Präsidenten und Trump selbst versuchen nun, die Erwartungen herunterzuspielen. 

Womöglich hat Trump sich am Ende noch selbst geschadet. “Man macht das nicht mit den Chinesen. Man verkündet nicht triumphierend all ihre Zugeständnisse in der Öffentlichkeit, das ist einfach nur verrückt”, sagte ein Vertreter der US-Regierung anonym der “Washington Post” am Dienstag. 

(jg)