POLITIK
18/10/2018 15:06 CEST | Aktualisiert 18/10/2018 20:30 CEST

Trumps Millionenspiel: Die Geldspur zwischen dem US-Präsidenten und den Saudis

Und warum sie eine Gefahr für die USA ist.

The Washington Post via Getty Images
US-Präsident Donald Trump.

Im Fall des verschwundenen und wahrscheinlich ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi geht es um mehr, als nur einen mutmaßlichen Mord durch einen autokratischen Golfstaat an einem ins US-Exil geflüchteten Kritiker. 

Es geht auch um Geld. 

Geld, das in Verbindung mit US-Präsident Donald Trump steht – und das für die US-Außenpolitik und die Sicherheit der Vereinigten Staaten eine konkrete Gefahr darstellt. 

Die Geldspur zwischen der USA, Saudi-Arabien und Trump

Konkret sind drei finanzielle Verwicklungen des US-Präsidenten mit dem des Mordes an Khashoggi verdächtigen Saudi-Arabien brisant: 

1. Ein Waffendeal, den die US-Regierung schon zu Beginn von Trumps Amtszeit mit Saudi-Arabien eingefädelt hat – im Wert von 110 Milliarden US-Dollar. Tatsache ist jedoch: Bisher hat der US-Kongress nur Geschäfte im Wert von 14,5 Milliarden bewilligt. Die restliche Summe geht auf geplante Deals zurück, die noch gar nicht konkret ausgehandelt sind. 

2. Eine Zahlung von 100 Millionen US-Dollar aus Saudi-Arabien an die USA. Das Geld hatten die Saudis den USA schon im August versprochen, als Hilfszahlung für den Wiederaufbau in Syrien. Überwiesen wurde der Betrag laut “New York Times” jedoch ausgerechnet an dem Tag, an dem US-Außenminister Mike Pompeo nach Riad gereist war, um den Fall Khashoggi zu besprechen. 

3. Mehrere Deals, die Trump in den vergangen Jahrzehnten mit reichen Geschäftsmännern aus Saudi-Arabien machte – Deals, deren gesamter Wert mehrere Hundert Millionen Dollar umfasst.

► So verkaufte Trump 1991 eine 86-Meter-Jacht an einen saudischen Prinzen. Er selbst hatte das Schiff erst Ende der 1980er Jahre für 29 Millionen Dollar erstanden.

► 2001 verkaufte er das gesamte 45. Stockwerk des Trump World Towers an saudische Geschäftsmänner und Mitglieder der Königsfamilie.

Und im Wahlkampf prahlte Trump häufig damit, dass er Wohnungen im Wert von “40 oder 50 Millionen” nach Saudi-Arabien verkauft habe. 

► Während Trumps erstem Amtsjahr gaben saudische Lobbyisten dann 270.000 US-Dollar allein im Trump-Hotel in Washington DC aus. 

Warum Trumps Geschäfte mit Saudi-Arabien eine Gefahr für die USA sind

Die Millionen-Verbindungen von Trump und seiner Regierung nach Saudi-Arabien beunruhigen Experten. 

Joshua Landis, Leiter des Center for Middle East Studies an der University of Oklahoma, sagte der “Washington Post” über die 100-Millionen-Zahlung aus Saudi-Arabien an die USA: “Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Saudis Trump klarmachen wollen, dass die gemeinsame Reaktion auf den Fall Khashoggi dem saudischen Monarchen sehr wichtig ist.”

► Ein namentlich nicht genannter Regierungsbeamter der USA wurde in der “New York Times” deutlicher: “Der Zeitpunkt dieser Zahlung ist kein Zufall.” 

Sowohl die Trump-Regierung als auch Saudi-Arabien streiten das ab. So wie Trump selbst vor wenigen Tagen an der Realität vorbei bestritt, dass er irgendwelche finanziellen Interessen in dem Golfstaat hätte. 

Mehr zum Thema: Trump und die Mafia: Wie schmutziges Geld aus Russland den Erfolg des heutigen US-Präsidenten ermöglichte 

Walter Shaub, lange Zeit Ethikbeauftragter im Weißen Haus, bis er nach Trumps Amtsantritt und dessen Verweigerungen gegenüber dem Ethikbüro kündigte, findet das besorgniserregend.

► Der HuffPost USA sagte Shaub: “In diesem Zusammenhang geht es darum, dass ein Interessenskonflikt tödliche Folgen haben kann. Die Autokraten der Welt schauen genau hin, was die USA als nächstes macht.” 

Shaub befürchtet, dass die saudische Königsfamilie mit dem Mord am zuletzt in den USA lebenden Khashoggi davon kommen könnte – und das Diktatoren weltweit das als Signal verstehen könnten. 

“Wenn jetzt nicht gehandelt wird, was passiert dann?”, fragt Shaub. “Wird ein US-Bürger im Ausland ermordet? Werden Regierungskritiker aus anderen Ländern auf dem Gebiet der USA ermordert werden?” 

Trump auf jeden Fall hat keinerlei Anzeichen erkennen lassen, dass er den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman zur Verantwortung ziehen will. 

Tim O’Brien, Autor über und Experte für Trumps Finanzen, sagte der HuffPost USA dazu:

“Ich glaube, er ist den Saudis gegenüber loyal, weil er sie als Geschäftsmöglichkeit betrachtet. Er kümmert sich kein Stück darum, ob Menschenrechte verletzt oder Journalisten ermordet werden.” 

(mf)