POLITIK
04/11/2018 20:22 CET | Aktualisiert 04/11/2018 23:12 CET

Trumps "Kakerlake": Wie ein Skandal um Roger Stone den US-Präsidenten bedroht

Der Lobbyist Stone war Trumps Berater im Wahlkampf – und ist ein zentraler Verdächtiger in der Russland-Affäre.

Bloomberg via Getty Images
Roger Stone beriet schon Richard Nixon, im Wahlkampf 2016 half er Trump – und ist ein heißes Ziel der Ermittler in dessen Russland-Affäre. 

Auf Roger Stones Sonnenstudio-gebräuntem Rücken prangt das Gesicht eines der korruptesten US-Präsidenten aller Zeiten. Direkt zwischen den Schulterblättern hat sich Stone das grinsende Konterfei von Richard Nixon tätowieren lassen. 

Stones politische Karriere begann in dessen Wahlkampfteam, schon unter Nixon war der Politikberater für seine aggressive und skrupellose Taktik bekannt.

Dann kam Watergate, Nixon stürzte, Stone wand sich aus der Affäre – und beriet über die Jahrzehnte weiter prominente Republikaner und US-Präsidenten. 

Bis er 2016 auch im Wahlkampfteam von Donald Trump anheuerte.

Stone behauptet gerne, es sei sein Werk, dass Trump US-Präsident werden konnte. Das ist eine maßlose Übertreibung – dennoch ist Stone eine zentrale Figur im Trump-Kosmos. Eine, auf die auch Sonderermittler Robert Mueller aufmerksam geworden ist. 

Welche Rolle Roger Stone für Trump spielte und warum er in den vergangenen Tagen zu einem der zentralen Verdächtigen in den Russland-Ermittlungen geworden ist – auf den Punkt gebracht

Wie Roger Stone im Wahlkampf Donald Trump half: 

► Schon vor Donald Trumps Antritt bei der Präsidentschaftswahl 2016 war Roger Stone ein politischer Berater des Unternehmers. Er war zudem lange Jahre Geschäftspartner des Lobbyisten Paul Manafort, der später Donald Trumps Wahlkampfmanager wurde. 

► Stone selbst arbeitete für knapp zwei Monate als Berater für das Wahlkampf-Team von Trump. Im August 2015 verließ er das Team – Stone nannte das einen Rücktritt, Trump nannte es eine Entlassung. 

► Auch ohne offizielles Amt setzte Stone sein Werben für Trump fort; dieser bezeichnete ihn weiterhin als “loyal und wundervoll”.

► Trumps Ex-Berater fiel im Wahlkampf vor allem durch Beleidigungen und Verschwörungstheorien auf. Das Magazin “New Republic” nannte ihn unlängst: “Die Kakerlake der US-Politik”. 

Welcher Verdacht gegen Stone in der Russland-Affäre besteht:

► Stone steht im Verdacht, während des Wahlkampfs mit der Enthüllungsplattform Wikileaks in Kontakt gestanden zu haben. Diese hatte die gestohlenen E-Mails von Trumps Konkurrentin Hillary Clinton veröffentlicht. 

► Im Februar 2017 berichtete die “New York Times”, dass das FBI Stone im Verdacht habe, mit russischen Agenten in Kontakt zu stehen. 

► Wenig später gab Stone zu, mit dem russischen Hacker “Guccifer 2.0” in Kontakt gestanden zu haben. Dieser wird verdächtigt, Clintons E-Mails gestohlen zu haben.  

► Als Sonderermittler Robert Mueller im Juli Anklage gegen zwölf russische Agenten erhob, war in der Anklageschrift von einer Kontaktperson dieser Agenten in Trumps Umfeld zu lesen. Bei dieser soll es sich um Stone handeln

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Wieso Stone wieder im Fokus der Ermittler steht: 

► Mehrere Medienberichte der vergangenen Woche zeigen, dass Stone im besonderen Fokus von Sonderermittler Mueller steht.

1.Laut dem “Wall Street Journal” soll Muellers Team die Aufnahmen von Telefonkonferenzen überprüft haben, die Stone während seiner Zeit in Trumps Wahlkampfteam leitete. 

2.Die “New York Times” veröffentlichte E-Mails, die Stone unter anderem dem Trumps Ex-Berater Steve Bannon geschickt hatte, in denen Stone sich mit seinen Kontakten zu Wikileaks-Gründer Julian Assange rühmt.

3.Der Sender ABC berichtete zudem, dass der Stone nahe stehende Verschwörungstheoretiker Jerome Corsi in der vergangenen Woche von Muellers Ermittlern verhört wurde. 

► Seit Februar diesen Jahres hat Muellers Team zudem mindestens zehn Zeugen zum Fall Stone verhört. Es ist möglich, dass auch die schon verurteilten Ex-Trump-Berater Paul Manafort und Rick Gates über Stone ausgesagt haben.  

► Noch ist unklar, was genau Mueller Stone vorwirft, welche belastenden Aussagen oder Beweise gegen Trumps Ex-Berater womöglich vorliegen.

► Wahrscheinlich ist jedoch, dass es im Fall Stone um die russischen Hacker-Attacken auf Hillary Clinton geht – und das wäre auch für Trump eine brisante Nachricht. 

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Wie gefährlich Roger Stone für Donald Trump werden könnte: 

► Stone war zwar nur eine kurze Zeit offizieller Teil von Trumps Wahlkampfteam – doch die Verbindungen des umstrittenen Beraters zum heutigen US-Präsidenten sind eine Gefahr für diesen. 

► Stone hatte über Jahrzehnte engen Kontakt mit Trump und dessen Ex-Wahlkampfmanager Manafort, dessen ehemaliger Geschäftspartner er war. Manafort wurde in der Russland-Affäre verurteilt, er kooperiert mit Sonderermittler Mueller. 

► Stellt dieser fest, dass Stone tatsächlich von den russischen Hacker-Attacken auf die Demokraten wusste, dass er sich womöglich sogar mit russischen Agenten absprach, und die Veröffentlichung der Mails koordinierte – dann wird es für Trump unangenehm. 

Wie in der gesamten Russland-Affäre stellt sich dann die Frage: Wie viel wusste der heutige US-Präsident von den Absprachen seines Teams mit Russland?

Der sich anbahnende Skandal um Stone auf den Punkt gebracht:

Roger Stone war über Jahrzehnte ein immer wiederkehrender Berater von Donald Trump. Der heutige US-Präsident kennt Stone gut, er lobte ihn sogar in einer Dokumentation über den umstrittenen Lobbyisten. 

Seit Beginn der Untersuchungen in der Russland-Affäre ist Stone jedoch auch ein Ziel von Sonderermittler Robert Mueller. Denn: Stone steht im Verdacht, während seiner Zeit als Trumps Wahlkampfberater Kontakt mit russischen Hackern und der Enthüllungsplattform Wikileaks gehabt zu haben.   

Es ist möglich, dass Stone über den Diebstahl der E-Mails von Trumps Rivalin Hillary Clinton wusste. Dass er womöglich sogar die Veröffentlichung der Mails durch Wikileaks mit koordinierte. 

Stone selbst glaubt, dass er bald verhaftet wird. Ende August sagte er: “Robert Mueller hat mich auf der Liste.”

Sollte der Sonderermittler Stone überführen könnten, wäre das ein weiteres Fanal für Donald Trump: Er müsste erklären, wie viel er von den möglichen Verbrechen seines Beraters wusste.