POLITIK
09/05/2018 06:42 CEST | Aktualisiert 09/05/2018 12:32 CEST

Trumps Iran-Entscheidung bedeutet Krieg – und der hat längst begonnen

Die HuffPost-These.

Im Video seht ihr: Hardliner verbrennen im iranischen Parlament aus Protest gegen Trumps Entscheidung eine US-Flagge.

Wie ein Vandale wütet Donald Trump gegen die Ordnung der internationalen Politik.

Mit der Entscheidung am Dienstag, das Atomabkommen mit dem Iran aufzukündigen, hat der US-Präsident das Chaos im Nahen Osten einmal mehr angeheizt. Der Deal hatte die iranische Republik daran gehindert, nukleare Waffen zu entwicklen.

Trump hat mit dem Ende des Abkommens eines seiner zentralen Wahlkampfversprechen eingelöst. Er hat seine europäischen Verbündeten Angela Merkel und Emmanuel Macron vorgeführt – und er sorgt dafür, dass die Gewalt zwischen Israel und dem Iran und dessen Verbündeten weiter eskaliert.

Schon vor dem Auftritt von Trump im Weißen Haus war bekannt geworden: Israel wappnet sich gegen einen baldigen Angriff des Irans auf seine Nordgrenze.

Im Nachbarland Syrien aber stehen sich beide verfeindeten Staaten längst auf dem Schlachtfeld gegenüber.

In Syrien finden längst die ersten Scharmützel statt:

► Kaum hatte Trump den Ausstieg seines Landes aus dem Iran-Deal bekannt gegeben, da meldeten Aktivisten einen Raketenangriff in Syrien – offenbar auf iranische Einheiten.

Auch Israel soll den Angaben zufolge an der Bombardierung südlich der syrischen Hauptstadt Damaskus beteiligt gewesen sein. Wieder einmal. 

Vor rund einer Woche hatten schon schwere Explosionen mehrere Stützpunkte der syrischen Armee erschüttert. Auch hier sollen iranische Milizen getroffen worden sein. Und auch hier soll Israel der Urheber der Attacke sein.

Anadolu Agency via Getty Images
Rauch steigt auf nach einem Angriff auf einen syrischen Stützpunkt.

Der von vielen Beobachtern befürchtete Krieg zwischen Israel und dem Iran nach dem Aus des Atomabkommens – er scheint in Syrien bereits begonnen zu haben. Immer wieder dringen aus dem vom langen Bürgerkrieg zerrütteten Land Nachrichten von Angriffen sowohl von israelischen als auch iranischen Einheiten.

Mehr zum Thema: Medienbericht: Kanzlerin Merkel warnt Israels Premier vor verheerendem Krieg

Beide Seiten suchen die Konfrontation:

Klar ist: Die Spannungen zwischen Israel und seinem Erzfeind Iran befinden sich nun auf dem Höhepunkt. Und beide Seiten suchen die Konfrontation.

Es war Israels Premierminister Benjamin Netanjahu, der mit seiner bizarren Präsentation vor einer Woche über angebliche Verstöße des Irans gegen die Vereinbarung des Iran-Deals Trump wohl weiter in seiner Entscheidung bestärkt hat.

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Netajahu stellt seine angeblichen Beweise vor.

Die iranische Regierung lüge und arbeite weiter am Bau einer Atombombe, hatte Netanjahu gesagt. Dem widersprechen allerdings ein Bericht aus dem US-Außenministerium, die Einschätzung internationaler Atomwaffen-Kontrolleure sowie zahlreiche weitere Experten.

Israel fühlt sich vom Iran in seiner Existenz bedroht. Unverhohlen drohte der oberste geistliche Führer Ali Khamenei dem Erzfeind Israel schon im Jahr 2015, das Land werde in 25 Jahren ausgelöscht sein. Und immer wieder warnen iranische Vertreter Israel vor Vergeltungsschlägen für dessen Angriffe in Syrien.

“Besser jetzt als später”:

In den vergangenen Wochen und Monaten hat die iranische Revolutionsgarde ihre Präsenz in Syrien ausgebaut. Für Israel stellt das eine Bedrohung dar – aus Sicht der Regierung von Netanjahu entsteht hier eine neue Frontlinie gegen Israel. 

Mit dem Ende des Abkommens und einer möglichen Wiederbelebung des iranischen Atomwaffenprogramms ist die Gefahr für Israel noch größer geworden. 

Bereits am Sonntag hatte Premier Netanjahu bei einer Kabinettssitzung gesagt, die Konfrontation mit dem Iran in Syrien solle “besser jetzt als später” erfolgen.

Doch längst steht fest: Sie ist bereits in vollem Gange.

(mf)