POLITIK
25/08/2018 10:17 CEST | Aktualisiert 25/08/2018 20:53 CEST

Trumps Höllenwoche: Warum der US-Präsident nun vor dem Abgrund steht

Donald Trumps Woche des Grauens auf den Punkt gebracht.

BRENDAN SMIALOWSKI via Getty Images
US-Präsident Donald Trump hat die schlimmste Woche seiner Amtszeit hinter sich. 

Mit Donald Trumps Präsidentschaft geht es zu Ende. 

Nicht sofort, nicht unmittelbar. Doch sollte der US-Präsident in den kommenden zwei Jahren seines Amtes enthoben werden oder 2020 abgewählt werden und aus dem Weißen Haus ausziehen, dann wird diese Woche als der Wendepunkt in der Trump-Präsidentschaft betrachtet werden. 

Es ist eine Präsidentschaft, die an Skandalen wohl kaum zu überbieten ist. Sexismus-Vorwürfe, rassistische Ausfälle, Attacken auf Verbündete, die Russland-Affäre – Donald Trump bereitet seinem Land seit seinem ersten Arbeitstag Schande. 

Trump schüttelte bislang jeden Skandal ab. Bis zu den zwei Gerichtsterminen am Dienstag in New York City, die den US-Präsidenten bis ins Mark trafen. Bis zu den Nachrichten am Freitag, dass zwei der wichtigsten Vertrauten Trumps ihn fallen lassen. 

Trumps Höllenwoche auf den Punkt gebracht:     

Trump Ex-Wahlkampfmanager Paul Manafort wird wegen Korruption verurteilt: 

Paul Manafort, ein Politikberater mit dubiosen Geschäftskontakten in die Ukraine und nach Russland, war im Jahr 2016 fünf Monate lang der Wahlkampfmanager von Donald Trump. 

► Manafort nahm am berüchtigten Trump-Tower-Meeting mit Kreml-Vertretern teil, bei dem es um “schmutzige Informationen” über Hillary Clinton ging. Im Januar 2018 wurde er von Sonderermittler Robert Mueller angeklagt. 

 Am Dienstag wurde Manafort nun verurteilt: Eine Jury befand ihn in acht Fällen des Steuer- und Bankbetrugs für schuldig. Trumps Ex-Berater könnte einen Großteil seines restlichen Lebens im Gefängnis verbringen. 

Warum das katastrophal für Trump ist: Die Ermittlungen gegen Manafort hatten nicht direkt mit Trump zu tun. Es ist aber möglich, dass Manafort einen Deal mit Mueller gegen seinen ehemaligen Chef anstrebt, um sein Strafmaß zu mindern. 

Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen bezichtigt Trump brisanter Verbrechen: 

► Einen solchen Deal hat Trumps langjähriger Anwalt Michael Cohen bereits mit Ermittlern des FBI abgeschlossen. Cohen war einer der engsten Vertrauten Trumps, hat für ihn als sogenannter Fixer Business-Deals auf den Weg gebracht.

► Am Dienstag bekannte sich Cohen schuldig, kurz vor der Wahl 2016 auf illegale Weise Schweigegelder an das Ex-Playmate Karen McDougal und die Pornodarstellerin Stormy Daniels gezahlt zu haben. 

► Cohens Geständnis ist ein Teil eines Deals, den er mit dem FBI gemacht hat. Der Anwalt ist wie Manafort wegen Steuer- und Bankbetrugs angeklagt – und will kooperieren, um eine geringere Strafe zu bekommen.  

Warum das katastrophal für Trump ist: Cohen wirft dem US-Präsidenten vor, an illegalen Wahlkampffinanzierungen beteiligt gewesen zu sein. Er hat zudem angekündigt, über brisante Details in der Russland-Affäre auspacken zu wollen. 

Der Medienmogul und Trump-Freund David Pecker wendet sich vom US-Präsidenten ab: 

► Cohens Schweigegeldzahlungen wurden in Zusammenarbeit mit dem Boulevard-Mogul David Pecker, der das Magazin “National Inquirer” verlegt, getätigt. 

► Pecker ist ein Vertrauter Trumps, der für diesen sogenannte “Catch and Kill”-Manöver durchführte – das heißt, Pecker kaufte Rechte an brisanten Stories über Trump, um diese dann unter Verschluss zu stellen. 

► Nun berichtet jedoch das “Wall Street Journal”, dass Pecker von Ermittlern im Fall Cohen Immunität gewährt worden sei. Der Verleger habe den Behörden Details zu den von Cohen arrangierten Zahlungen dargelegt. Dabei sei es auch um Trumps Wissen über den Deal gegangen. 

Warum das katastrophal für Trump ist: Trump behauptet, er habe von Cohens Zahlungen an McDougal und Daniels nichts gewusst. Pecker behauptet laut dem “WSJ” nun das Gegenteil – und hat laut der Nachrichtenagentur AP einen Safe voller brisanter Stories über den US-Präsidenten in seinem Büro. 

Der wichtigste Mitarbeiter der Trump-Organisation kooperiert mit den Ermittlern:  

► Doch die brisanteste Nachricht der Woche für Trump ist weder Peckers Aussage gegenüber den Ermittlern, noch die Vorwürfe Cohens oder die Verurteilung seines ehemaligen Wahlkampfmanagers Manafort. 

► Denn wie das “Wall Street Journal” und der Sender NBC berichten, wurde auch einer Schlüsselfigur in Trumps Unternehmen im Zuge der Cohen-Verhandlungen Immunität gewährt: Allen Weisselberg. 

► Weisselberg ist der dienstälteste Mitarbeiter und Finanzchef der Trump Organization. Niemand durchblickt Trumps Geschäfte so gut wie er – und nun soll Weisselberg den Ermittlern Informationen über Cohen gegeben haben. 

Warum das katastrophal für Trump ist: Cohen erwähnt Weisselberg in einem geheim aufgezeichneten Gespräch mit Trump über die Schweigegeldzahlungen an McDougal und Daniels. Der Verdacht liegt nahe, dass Weisselberg im Austausch für Immunität bestätigt hat, dass Trump von den Zahlungen wusste. 

Donald Trumps Höllenwoche auf den Punkt gebracht: 

Die Beweislast gegen den US-Präsidenten in seiner Schweigegeld-Affäre ist erdrückend. Dass Donald Trump noch nicht eines Verbrechens angeklagt wurde, liegt nur daran, dass er der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist. 

Sein Ex-Anwalt Michael Cohen hat Trump vorgeworfen, mit ihm illegale Wahlkampffinanzierungen betrieben zu haben. In Cohens Geständnis notiert die Staatsanwaltschaft, dass sie dafür Beweise – Dokumente, Tonbänder und Videos – hat. 

Zudem haben mit dem Boulevard-Mogul David Pecker und dem Geschäftsmann Allan Weisselberg zwei langjährige Verbündete Trumps mit ihm gebrochen und offenbar gegen ihn ausgesagt. 

Nur Trumps Amt schützt ihn jetzt noch vor direkten juristischen Konsequenzen. 

Der US-Präsident steht so verloren da, wie noch nie zuvor in seiner Präsidentschaft. Und das direkt vor dem Abgrund. 

(ujo)