POLITIK
22/08/2018 17:44 CEST | Aktualisiert 23/08/2018 08:34 CEST

Trumps Cohen-Skandal: Warum jetzt Trumps Sohn überführt werden könnte

Die HuffPost-These.

Joshua Roberts / Reuters
Genießt seine Freiheit: Donald Trumps Sohn Donald Trump Junior. 

Donald Trumps ehemaliger Wahlkampf-Manager Paul Manafort: In acht Fällen des Bank- und Steuerbetrugs schuldig gesprochen. Ein weiteres Gerichtsverfahren steht aus. 

Trumps ehemaliger Anwalt Michael Cohen: Hat gestanden, illegale Wahlkampffinanzierung betrieben zu haben – in Absprache mit und im Auftrag des US-Präsidenten. 

Trumps ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn: Hat sich schuldig bekannt, mit russischen Regierungsmitarbeitern geheime Absprachen getroffen zu haben. Arbeitet mit Sonderermittler Robert Mueller zusammen. 

Trumps ehemaliger politischer Berater Rick Gates: Hat Steuer- und Bankbetrug gestanden. Arbeitet ebenso mit Sonderermittler Mueller zusammen. 

Und Trumps ehemaliger Wahlkampfhelfer George Papadopoulos: Hat gestanden, dass FBI über Gespräche mit russischen Regierungsbeamten belogen zu haben. Ihm droht ein halbes Jahr Haft. 

Das ist die aktuelle Bilanz der Ermittlungen gegen US-Präsident Trump und sein Team. Für Trump ist die Liste eine Katastrophe – besonders, weil sein ehemaliger Anwalt und Vertrauter Cohen jetzt offen gegen ihn vorgeht. 

Cohen, so kündigte es dessen Anwalt Lenny Davis am Dienstag an, werde Sonderermittler Mueller alles erzählen, was dieser wissen wolle.

Über geheime Absprachen mit Russland, über Justizbehinderungen, darüber, ob Trump im Vorhinein über den Hackerangriff auf seine Konkurrentin Hillary Clinton wusste. 

Cohen hat zudem angekündigt, nicht auf eine Begnadigung durch Trump aus zu sein. Er will seinen ehemaligen Chef mit in den Abgrund reißen. Das wird allerdings schwierig. Trump hat Cohen am Mittwoch der Lüge bezichtigt, es steht somit Aussage gegen Aussage.

Zudem ist die Rechtslage in den USA unklar: Es ist unter Verfassungsrechtlern umstritten, ob ein US-Präsident überhaupt angeklagt werden kann. 

Doch es gibt jemanden in Trumps direktem Umfeld, der durch Cohens Zusammenarbeit mit Mueller unmittelbar bedroht ist – und schon bald mit einer Anzeige rechnen könnte: Donald Trump Junior, der Sohn des US-Präsidenten.

Warum Donald Trump Junior reif für eine Anklage ist 

Trumps älterer Sohn ist eine der zentralen Figuren in der Russland-Affäre. Er war es, der dem ominösen Trump-Tower-Meeting mit Vertretern des Kreml zustimmte

In einer Mail an den Veranstalter des Treffens, der ihm “Schmutz” über Hillary Clinton versprach, schrieb er: “Ich liebe es.” Zudem gab er zu, Kontakte zur Enthüllungsplattform Wikileaks gehabt zu haben. Die Webseite veröffentlichte die von russischen Hackern erbeuteten E-Mails von Clinton. 

Später sagte Trump Junior vor einem Untersuchungskomitee des US-Senats aus, das Treffen im Trump Tower habe nichts mit Clinton zu tun gehabt, sondern sei nur ein Gespräch über Adoptionen russischer Kinder gewesen. Zudem habe sein Vater nie von dem Treffen gewusst. 

Doch Michael Cohen bestreitet das.

Mehr zum Thema:  Geheimer Friedensplan mit Russland: Trump-Anwalt verstrickt sich in Widersprüche

Er behauptete unlängst: Es sei vor dem Trump-Tower-Meeting allen Beteiligten klar gewesen, dass es darum gehe, Informationen über Hillary Clinton von den Russen zu bekommen.

Und: Donald Trump sei über das Treffen von Vornherein informiert gewesen. 

Trump Junior könnte also gleich zweier Vergehen schuldig sein

► Er hat als Teil von Donald Trumps Wahlkampfteam geheime Absprachen mit Kreml-Vertreten getroffen. 

► Und er hat womöglich vor dem Senat über diese geheimen Absprachen gelogen und mutmaßliche Verbrechen seines Vaters vertuscht. 

Im Fall der geheimen Absprachen handelt es sich um ein Vergehen, dass strafrechtlich schwer zu belangen ist. Anders als sein Vater, kann Donald Trump Junior nicht eines Amtes enthoben werden. Es ist jedoch möglich, dass Trump Junior Landesverrat vorgeworfen wird – und das ist strafbar. 

Problematisch wird es für den Präsidenten-Sohn auf jeden Fall im Bezug auf seine Aussagen vor dem US-Senat. Denn Donald Trump hat seinen Sohn höchstselbst entlarvt.

Wie Trump seinen eigenen Sohn an Robert Mueller ausliefert

Anfang August twitterte Trump: 

Das Meeting fand statt, um an Informationen über eine Konkurrentin zu kommen. Das war total legal und wird in der Politik immer gemacht. Das Treffen führte zu nichts. Ich wusste nichts davon!”

Damit hat der US-Präsident – so wie später auch sein Anwalt Rudy Giuliani – offen zugegeben: Das Trump-Tower-Meeting mit Kreml-Vertretern diente dazu, Informationen über Hillary Clinton zu bekommen. 

Das bedeutet: Donald Trump Junior hat vor dem US-Senat gelogen. Während er unter Eid stand. Dafür könnte der Präsidentensohn angeklagt werden, es würde sogar eine Gefängnisstrafe drohen.

Sonderermittler Mueller weiß das. Er hat noch nicht mit Donald Trump Junior gesprochen. Tut er das, steht der vor einem Dilemma: Entweder er lügt noch einmal über das Treffen – und macht sich einer Falschaussage schuldig. 

Oder er sagt die Wahrheit und bereitet dem Sonderermittler den Weg, seinem Vater geheime Absprachen mit Russland vorzuwerfen – wofür dem US-Präsidenten unter demokratischen Umständen ein Amtsenthebungsverfahren drohen würde. 

(mf)