POLITIK
05/03/2018 21:48 CET | Aktualisiert 05/03/2018 22:10 CET

Panik im Weißen Haus: Welche Abgänge Donald Trump jetzt drohen

Auf den Punkt gebracht.

Jonathan Ernst / Reuters
Donald Trumps Regierung befindet sich in einem Zustand des ständigen Zerfalls. 

In seiner etwas mehr als einjährigen Amtszeit hat US-Präsident Donald Trump 24 seiner Mitarbeiter gefeuert, vergrault oder verloren.

Laut einer Studie des Brookings Institutes ist so bereits ein Drittel der Trump-Regierung vorzeitig aus dem Amt geschieden. Noch nie hat ein US-Präsident so schnell so viele Mitarbeiter austauschen müssen. 

Und: Der personelle Aderlass wird immer unangenehmer für Trump. Zuletzt verließ die Kommunikationsdirektorin Hope Hicks die Seite des Präsidenten – eine der wenigen seiner Mitarbeiterinnen, die seit Beginn des Wahlkampfes in seinem Team waren. 

Trump wird immer einsamer. Und es drohen weitere Abgänge aus dem Weißen Haus. 

Das Personalchaos des US-Präsidenten und seine Folgen auf den Punkt gebracht. 

Das sind die Streichkandidaten in der Trump-Regierung: 

► Der Wirtschaftsberater Gary Cohn: Cohn hatte Trump in der vergangenen Woche voller Vehemenz davon abgeraten, Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte zu verlangen. Laut der “New York Times” drohte Cohn sogar mit seinem Rücktritt.

Noch ist Cohn zwar Mitglied der US-Regierung. Doch sollte Trump weiter einen Handelskrieg mit der EU vorantreiben, wird das nicht lange so bleiben. 

► Der Nationale Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster: McMaster ist in im Weißen Haus derzeit weitgehend isoliert. Vom Nationalen Sicherheitsberater der US-Regierung ist wenig zu hören – auch, weil das Verhältnis McMasters mit Trump sehr angespannt ist. 

Der Sender CNN berichtet unter Berufung auf Quellen aus dem Weißen Haus, dass McMaster noch Ende März sein Amt abgeben könnte. Der US-General ziehe ein Karriereende im Militär einem Verbleib in der Trump-Regierung vor. 

► Der Stabschefs des Weißen Hauses John Kelly: Wie auch McMaster ist John Kelly nicht gut auf Donald Trump zu sprechen. Der Stabschef des Weißen Hauses bezeichnete seine Arbeit unter dem US-Präsidenten vor Kurzem scherzhaft als “Strafe Gottes”.

Tatsächlich ist im Weißen Haus ein Macht zwischen Kelly und der Trumpfamilie entbrannt. Kelly versucht, die Launen des US-Präsidenten einzufangen und dessen Kinder aus den Regierungsgeschäften zu halten. Gut möglich, dass ihn das den Kopf kosten wird. 

Jonathan Ernst / Reuters
Gegenspieler im Weißen Haus: Donald Trump und sein Stabschef John Kelly. 

► Der Justizminister Jeff Sessions: Das gleiche gilt für Jeff Sessions. Früh hat sich der Justizminister in der Russland-Affäre für befangen erklärt. Ein Schritt, der laut Trumps Ex-Stabschef Reince Priebus nach einem Streit mit Trump fast dazu führte, dass Sessions sein Amt aufgab. 

Trump ist noch immer wütend auf Sessions. Er gibt ihm die Schuld an den Ermittlungen gegen ihn. Immer wieder attackiert er seinen Justizminister öffentlich. Gut möglich, dass er ihn bald feuern wird. 

► Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner: Ein Schicksal, dass Jared Kushner nicht ereilen wird. Donald Trump hängt an seinem Schwiegersohn, der ihm gemeinsam mit seiner Tochter Ivanka im Weißen Haus den Rücken frei hält. 

Dennoch ist Kushner ein wahrscheinlicher Abgang aus dem Weißen Haus. Die Ermittlungen gegen ihn werden immer konkreter: Es geht um dubiose Finanzgeschäfte und verdächtige Treffen mit Regierungsbeamten aus Russland. Wird Kushner angeklagt, wird er gehen müssen.  

Mehr zum Thema: Auf den Punkt gebracht: 5 neue brisante Enthüllungen in der Russland-Affäre

Das wären die Folgen der Abgänge für Trump: 

► Gary Cohns Abgang wäre vor allem ein großer Verlust von Fachwissen. Der Investmentbanker hat lange für Goldman Sachs gearbeitet und gilt als ausgewiesener Wirtschaftsexperte. 

Trump wäre Cohns Abgang wohl dennoch egal – schließlich verfolgt er anders als sein Berater eine protektionistische und nicht liberale Wirtschaftsstrategie

► McMasters Rolle in der Trump-Regierung ist eigentlich eine wichtige. Nordkorea, China, Russland – die USA haben derzeit viele Feinde. Allerdings finden McMasters Worte beim US-Präsidenten kaum noch Gehör. 

Der Abgang des 3-Sterne-Generals wäre somit zwar folgerichtig, aber auch gefährlich. Denn als Ersatz könnte Trump auf den CIA-Chef Mike Pompeo oder den Senator Tom Cotton zurückgreifen – Männer, die als hemmungslose Kriegstreiber gelten. 

► John Kelly ist der Trump-Familie im Weg. Das Nachrichtenportal “Axios” berichtete unlängst, dass Ivanka Trump und ihr Mann Jared Kushner bemüht seien, Kelly loszuwerden. Tatsächlich ist der Stabschef der einzige, der bemüht ist, dass Weiße Haus nicht zu einem Familienunternehmen werden zu lassen. 

Donald Trump stört sich daran, dass Kelly so stark in seine Amtsführung eingreift. Wird er Kelly los, wird er mehr Freiheiten haben – und noch mehr Chaos anrichten. 

Jonathan Ernst / Reuters
Gehen sie bald getrennte Wege? Donald Trump und sein Justizminister Jeff Sessions. 

► Ein Ende von Jeff Sessions Zeit in der Trump-Regierung hätte einen ähnlichen Effekt. Trump will den Justizminister seit Monaten loswerden, er hält sich nur zurück, weil er Konsequenzen in der Russland-Affäre fürchtet. 

Zu Recht: Täte der US-Präsident dies tatsächlich, käme das einem direkten Eingriff in die Justiz gleich. Laut einem Bericht der “Washington Post” untersucht Sonderermittler Robert Mueller genau deshalb Trumps Bemühen, Sessions zu feuern. 

► Jared Kushner wäre für Trump ein herber Verlust. Der US-Präsident ist hoffnungslos paranoid. Kushner ist einer der wenigen Berater im Weißen Haus, denen Trump vertraut. 

Womöglich ein fataler Fehler. Wird Kushner in der Russland-Affäre zum Angeklagten, dann hat das auch Folgen für Trump, Die Nähe des US-Präsidenten zu seinem Schwiegersohn könnte für ihn auch nach dessen Abgang aus der Regierung zum juristischen Debakel werden. 

Mehr zum Thema: Trumps Eleven: Das sind die wichtigsten Verdächtigen in der Russland-Affäre

Das bedeutet das Chaos im Weißen Haus: 

Vor allem: Das Donald Trump immer dünnhäutiger wird. Mehrere US-Medien berichten, dass der Präsident häufig Wutanfälle bekomme. Die Unsicherheit der Mitarbeiter in der Regierung werde größer und größer

Das hat fatale Folgen:  

1. Die Trump-Regierung operiert schlichtweg nicht mehr richtig. Durch das ständige Chaos ist das Weiße Haus unberechenbar geworden – so unberechenbar, wie Trump selbst. An die Umsetzung politischer Vorhaben und eine vernünftige Außenpolitik ist nicht mehr zu denken. 

2. Selbst die Republikaner wenden sich nun von Trump ab. Sie sind im Machtkampf im Weißen Haus auf der Seite von John Kelly, der Trump und seine Familie in Schach halten soll. Doch Kelly hat ein Einfluss verloren. Er konnte so nicht verhindern, dass Trump einen Handelskrieg mit Europa durch Strafzölle anzetteln will – ein Vorhaben, das die Republikaner im Kongress verhindern wollen

3. Die Trump-Regierung droht, sich selbst zu zerstören. Zwar ist Macht immer ein Anziehungsfaktor, der Mitarbeiter und Berater ins Weiße Haus lockt. Doch das vergangene Jahr hat gezeigt, dass selbst die machtversessensten Mitarbeiter nicht mit Trumps Ego konkurrieren können. Der US-Präsident sabotiert durch seinen Narzissmus seine eigene Präsidentschaft. 

Trumps Probleme den Punkt gebracht:

US-Präsident Donald Trump sorgt im Weißen Haus für Chaos. Entweder werfen führende Mitarbeiter seiner Regierung hin – oder Trump feuert sie gleich selbst. 

Die einzigen Menschen, denen der US-Präsident noch vertraut, sind die Mitglieder seiner Familie. Das Problem: Trotz hochrangiger Posten im Weißen Haus haben diese keinerlei Ahnung von Politik.