POLITIK
24/08/2018 22:28 CEST | Aktualisiert 25/08/2018 07:54 CEST

Trump verbreitet krude Verschwörungstheorie – AfD greift sie freudig auf

Die Rechtspopulisten sprechen von einer "gezielten Verfolgung der weißen Minderheit" – ein Faktencheck.

MANDEL NGAN via Getty Images
US-Präsident Donald Trump.
  • US-Präsident Trump verbreitet in einem Tweet eine rechtsextreme Verschwörungstheorie, die auch unter der AfD zahlreiche Anhänger findet.
  • Ein Faktencheck zeigt, was dahinter steckt.

Donald Trump hat es wieder getan. Der US-Präsident schaltete seinen Lieblingssender Fox News ein und twitterte über das, was er dort sah.

Der Sender gibt das Politik-Programm vor, Trump bläst es in die Welt. So auch in der Nacht zu Donnerstag. Mit Verweis auf einen Beitrag des Fox-News-Journalisten Tucker Carlson über Südafrika schrieb das Staatsoberhaupt: 

“Ich habe Außenminister Mike Pompeo gebeten, die Beschlagnahmungen und Enteignungen von Land und landwirtschaftlichen Betrieben in Südafrika und die Massentötung von Farmern genau zu untersuchen.”

Trumps Interesse für Südafrika hielt sich bisher in Grenzen. Das letzte Mal twitterte er vor drei Jahren über das Land (“Wie ich schon lange gesagt habe, ist Südafrika ein totales – und sehr gefährliches – Durcheinander. Schauen Sie sich einfach die Abendnachrichten an.”), noch immer hat er dort keinen Botschafter ernannt.

Dennoch verbreitet Trump in seinem Tweet die immer populärerer werdende Verschwörungstheorie weißer Nationalisten und südafrikanischer rechtsextremer Gruppen.

Es ist die These, dass Weiße in Südafrika von der schwarzen Mehrheit systematisch unterdrückt würden. Eine These, die auch in der AfD zahlreiche Anhänger findet.

JA Kassel fordert sogar “Asyl für die verfolgten Buren”

► Erst im Juli hatte der AfD-Bundestagsabgeordnete Anton Friesen von der Bundesregierung gefordert, die “weiße Minderheit in Südafrika (zu) schützen”. Ihm zufolge fände in dem Land “beinahe unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit eine gezielte Verfolgung einer ethnischen Minderheit statt. Die weißen Südafrikaner werden dort diskriminiert, vertrieben und getötet.”

► Nachdem Trump das Thema nun prominent gemacht hatte, griffen zahlreiche AfD-Gruppen es auf. So freute sich der AfD-Ortsverband Südliche Ortenau-Kinzigtal, dass “Trump die Stimme gegen die Entrechtung der Weißen in Südafrika erhoben hat”.

► Und der Parteinachwuchs der Jungen Alternative aus Kassel forderte sogar “Asyl für die verfolgten Buren in Südafrika!” Buren sind die Afrikaans sprechenden europäischstämmigen Einwohner Südafrikas.

Die guten Weißen und die bösen Schwarzen

Was steckt hinter der These, dass sich sogar Rechte “entschieden gegen Rassismus” stellen, wie es JA Kassel tut?

Trump wie auch die AfD kreieren ein Bild von Südafrika, in dem die schwarze Mehrheit die weiße Minderheit diskriminiert. 

Das steckt hinter den rechten Mythen:

Mythos 1: Die Landreform soll Weiße enteignen

Die Regierungspartei ANC hatte kürzlich Pläne für eine umstrittene Verfassungsänderung angekündigt, die Enteignungen von privatem Landbesitz auch ohne Entschädigungszahlungen ermöglichen soll. Das südafrikanische Parlament hat aber noch nichts entschieden. 

Laut Rechten soll mit dem Vorhaben ermöglicht werden, Land sukzessive von Weißen an Schwarze zu übertragen. 

Fakt ist: 

In Südafrika machen Weiße nur etwa 9 Prozent der Bevölkerung aus, aber knapp ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des rassistischen Apartheid-Regimes gehört ihnen immer noch etwa 72 Prozent des landwirtschaftlich genutzten Landes. Schwarzen war der Landbesitz während der Apartheid-Jahre verboten. 

► Dan Kriek, der Präsident des größten kommerziellen Bauernverbands AgriSA, stellt im Interview mit der Deutschen Welle klar: “Wir haben keine Beschlagnahmung von Land durch die Regierung.”

► Er betont: “Wir stimmen einer dringend notwendigen Landreform zu, aber nicht ohne Entschädigungen.”

Mythos 2: Weiße Farmer werden “massenweise” getötet

Die Rechten warnen, dass sie nicht nur enteignet, sondern auch Opfer von rassistischer und organisierter Gewalt würden.

Fakt ist:

► Generell ist in Südafrika die Wahrscheinlichkeit höher als Schwarzer ermordet zu werden denn als Weißer, wie die Fact-Checking-Organisation Africa Check berichtet. Demnach machten Weiße 2013 9 Prozent der südafrikanischen Bevölkerung aus, doch nur etwa 2 Prozent der Mordopfer. Die Behauptung, dass weiße Bauern überproportional oft Opfer von Gewaltverbrechen werden, ist durch Statistiken ebenfalls nicht belegbar.

► Auch in den eigenen Menschenrechtsberichten des US-Außenministeriums über Südafrika steht nichts über Gewalt gegen Weiße. Stattdessen sind dort gleich mehrere Fälle von Diskriminierung von schwarzen Südafrikanern dokumentiert.

► Doch sind weiße Farmer in Südafrika besonders bedroht? Laut einer Analyse der BBC gibt es dazu zu wenig Daten. Zwischen 1990 und März 2012 gab es laut dem britischen Sender schätzungsweise 1544 Morde auf südafrikanischen Farmen, dabei waren 208 Opfer Schwarz. Zum Vergleich: Landesweit kam es von 1994 bis März 2012 zu über 360.000 Morden.

► 2016 und 2017 kam es insgesamt zu 74 Morden auf südafrikanischen Farmen, 61 Prozent der Opfer waren weiß. Allerdings konnten die Ermittlungsbehörden nicht nachweisen, dass diese Verbrechen rassistisch motiviert waren. Zwar bestätigt der Bauernverbands-Präsident Kriek, dass ganz Südafrika unter einem Gewaltproblem leide. Doch auch er betont: “Wir haben keine Beweise gefunden, dass die Farm-Morde rassistisch motiviert sind.” Zudem sagt Kriek, dass die Zahl der ermordeten Farmer rückläufig sei. 

► Der größte Anteil der Überfälle sind bewaffnete Raubüberfälle. Dass Farmer als Ziel ausgewählt werden, liegt laut Polizei an folgenden Faktoren: der Isolation der Farmen und der öffentlichen Wahrnehmung, dass die Bauern größere Mengen Bargeld im Haus hätten, für die Zahlung der Löhne ihrer Angestellten.

Fazit: “Erinnert an unsere koloniale Vergangenheit” 

Trumps Tweet sorgt derweil für diplomatische Verstimmung. So distanzierte sich die südafrikanische Regierung von Trumps “enger Wahrnehmung, die nur darauf abzielt, unsere Nation zu spalten”.

Dessen Einteilung in Schwarze und Weiße “erinnert uns an unsere koloniale Vergangenheit”, antwortete die Regierung auf Twitter.

Der Geschäftsträger der US-Botschaft sei darüber hinaus informiert worden, dass Pretoria “enttäuscht” über die unterlassene Nutzung vorhandener diplomatischer Kanäle sei.

Dabei hätte Südafrika doch eigentlich wissen müssen, das Trump nur einen Kanal kennt: Fox News.

Mit Material von dpa.

(jg)