POLITIK
12/06/2018 05:26 CEST | Aktualisiert 12/06/2018 09:11 CEST

Trump und Kim: Was ihr Handschlag über die beiden verrät

Der Diktator und der US-Präsident gaben ein sehr unterschiedliches Bild ab.

  • Ein ikonischer Moment: 68 Jahren nach Beginn des Koreakriegs reichen sich die Staatschefs der USA und Nordkoreas die Hand. 
  • Doch die Mimik und Gestik von Kim Jong-un und Donald Trump sind sehr unterschiedlich – und verraten viel über ihre Taktiken. 
  • Oben im Video seht ihr den Handschlag der beiden Politiker.

Kim Jong-un kommt zuerst. Um etwa 2.45 Uhr deutscher Zeit betritt er das Capella-Hotel in Singapur, in dem er sich mit Donald Trump treffen wird. Etwa drei Minuten später trifft der US-Präsident ein. 

Und dann dauert es noch einmal etwa zwei Minuten, bis die beiden Staatschefs wieder vor dem Eingang des Hotels erscheinen.

Dort sind die Flaggen ihrer Staaten aufgebaut, in den Landesfarben blau-weiß-rot – für die USA wie für Nordkorea. Kim (von links) und Trump (von rechts) schreiten sich mit einigen entschiedenen Schritten entgegen. Sie halten einen halben Meter voneinander, ergreifen ihre Hände

Trump packt fest zu, er klopft seinem Gegenüber auf die Schulter: “Ich freue mich, Sie hier in Singapur zu treffen.” Kim lächelt. 

Ein historischer Moment – und doch auch eine Showeinlage. 

Diesen Eindruck wollte Trump während des Handschlags erwecken:  

Für Donald Trump steht bei dem Gipfel viel auf dem Spiel. Er will in die Geschichte eingehen als der US-Präsident, der den Nordkorea-Konflikt beendet – und geht deshalb offen auf Kim Jong-un zu. 

Gleichzeitig weiß Trump, dass er sich gegenüber der sein Volk unterjochenden totalitären nordkoreanischen Diktatur nicht zu freundlich zeigen darf. Der Handschlag zwischen den beiden Staatschefs machte das deutlich. 

► Der US-Sender CNN hatte berichtet, dass der US-Präsident zuvor mit seinem Team darüber diskutiert hatte, ob Trump bei dem Handschlag ein Lächeln zeigen sollte. Doch Trump lächelte nicht, er machte ein ernstes Gesicht. 

Die Botschaft: Ich bin diesem historischen Moment gewachsen – und ich bestimme dessen Ablauf. 

► Es ist eine Botschaft, die auch Trumps Körpersprache vermittelte. Der US-Präsident wirkte steif und bemüht, erhaben zu wirken. Der Klopfer auf Kims Schulter, der starke Händedruck, das Aufbauen zur vollen Größe: Trump wollte Kim beeindrucken. 

Die Botschaft (vor allem an Kim): Ich bin mächtiger als du, ich bin derjenige, der von dir politische Zugeständnisse verlangen kann – und nicht umgekehrt. 

Mehr zum Thema: Trump twittert vor Kim-Gipfel – und zeigt, was er von diesem wirklich erwartet

So versuchte sich Kim während des Handschlags zu präsentieren: 

Der nordkoreanische Diktator konnte während des Gipfels gar nicht verlieren. Allein dass dieser stattfindet, gibt Kim das, was er sich am meisten wünscht: Legitimität auf Augenhöhe mit der Weltgemeinschaft

Und auch während des Handschlags mit Trump war sich Kim bewusst, dass ihm die ganze Welt zuschauen würde – und er handelte entsprechend. 

► Im Gegensatz zu Trump war die Körpersprache des nordkoreanischen Herrschers während des ersten Zusammentreffens der beiden Staatschefs locker und gelöst – so wie schon bei seinen Treffen mit Südkoreas Premierminister Moon Jae-in. Kim lächelte und hörte Trump geduldig zu. 

Die Botschaft: Schau her liebe Welt, ich bin nicht der schlimme Diktator, für den ich gehalten werde – sondern ein höflicher und netter Mensch. 

► Erst nach dem Handschlag selbst zeigt Kim ein anderes Gesicht. Er und Trump drehten sich zu den Kameras der Reporter, für ein offiziell wirkendes Bild. Kim schaute nun ernst, nahm ebenso wie Trump eine steife Pose an.

Die Botschaft (vor allem auch an Kims Untertanen): Ich bin ein Staatschef eines mächtigen Landes, ich verdiene den gleichen Respekt wie der Mann neben mir.

Trump oder Kim – wer überzeugte beim Handschlag mehr? 

Weder Trump noch Kim gaben sich bei ihrer ersten persönlichen Begegnung eine Blöße. Sie spielten ihre Rollen gut eingeprobt – Trump als der mächtige Staatsmann, Kim als der selbstbewusste aber höfliche Gesprächspartner. 

Ein Schauspiel, das erst bei den weiteren Presseterminen im Hotel in Teilen endete. Hier zeigte sich vor allem Trump gelöster, sprach schnell davon, dass er und Nordkoreas Staatschef eine “gute Beziehung” hätten. 

Eine Aussage, die Trump auch mit einer Geste unterstrich, die sein versuchtes Image als knallharter Verhandler gegen Kim auf kuriose Weise untergrub: 

Screenshot

(mf)