POLITIK
10/06/2018 11:57 CEST | Aktualisiert 10/06/2018 12:10 CEST

Trump und die G7: Keine Panik, die Welt geht nur ein bisschen unter

Die HuffPost-These.

Kevin Lamarque / Reuters
US-Präsident Donald Trump: Was kostet der Weltuntergang? 

Es ist vorbei. 

Donald Trump bricht mit der Nachkriegsordnung. Seine Entscheidung, die Abschlusserklärung der G7 nicht zu ratifizieren, ist das Ende einer Ära.

Solange Trump der Präsident der Vereinigten Staaten ist, ist die Allianz des Westens effektiv zerbrochen. Solange die USA nur dem Ego ihres Präsidenten verpflichtet sind, gibt es zwischen ihr und ihren Verbündeten kein “Wir” mehr. 

Zuvor war die Beziehung zwischen den mächtigsten Demokratien der Welt auf die Probe, aber nicht in Frage gestellt worden. 

Trumps Austritt aus dem Pariser Abkommen, seine Attacken auf die Partner in der Nato, sein Aufkündigen des Iran-Deals: Skandale allesamt – am Ende jedoch inhaltliche Differenzen unter Partnern, die die westliche Allianz nicht fundamental gefährdeten. 

Das ist nun anders.

Trump lässt die westliche Welt untergehen

Trumps G7-Affront ist eine Entscheidung, die direkt Demokratie und Freiheit auf der gesamten Welt bedroht. Auf dieser tobt seit etwa zwei Jahrzehnten ein erbitterter Systemkampf: 

Auf der einen Seite befindet sich das westliche Bündnis – die USA, Kanada und Japan mit ihren Alliierten in Europa – bei seinem Eintreten für Freihandel und Demokratie auf dem Rückzug. Sie stehen für die alte, liberale Weltordnung

Auf der anderen befindet sich ein loses Geflecht von Autokraten – angeführt vom mächtigen chinesischen Diktator Xi Jinping und Russlands Präsidenten Wladimir Putin – auf dem Vormarsch. Sie streben nach einer neuen Weltordnung: Kapitalismus ja, Demokratie nein

Donald Trump hat in diesem Kampf die Ziele der USA verraten. Der Präsident fühlt sich Verbündeten und der liberalen Welt nicht mehr verpflichtet. Immer wieder lobt er stattdessen Autokraten. Immer wieder zeigt Trumps Auftreten: Er würde selbst gerne wie ein Alleinherrscher regieren.

Mehr zum Thema: Der Staat, das bin ich: Wie Donald Trump im Stile eines Autokraten das Justizsystem der USA untergräbt

Trumps G7-Eklat zeigt nun einmal mehr: Diplomatie und Demokratie sind für den US-Präsidenten eine Last. Also entledigt er sich ihrer.

Trump hat keine Zukunft – der Westen schon

Doch noch längst ist nicht alles verloren. 

Trump kann zerstören, aber er kann nicht aufbauen. Das ist auch eine Chance für den Westen. Für Justin Trudeau, Emmanuel Macron, Angela Merkel und ja, sogar die Brexit-Premierministerin Theresa May.

Die Allianz der wichtigsten Demokratien der Erde war so lange so selbstverständlich, dass sie einer politischen Arroganz verfiel – der Arroganz der Sieger.

Mehr zum Thema: Harvard-Dozent glaubt: Deutschland wird bald seinen eigenen Trump erleben

Jetzt aber beginnt eine neue Phase im Kampf um die Vorherrschaft auf dieser Welt: Gegen den chinesischen Machthaber Xi, gegen den russischen Autokraten Putin. In den eigenen Reihen gegen Donald Trump.

Der Westen muss sich neu finden und erfinden. Nicht, um Trump zu überstehen. Sondern um nach ihm eine Vision der Welt präsentieren zu können, die ein Überleben der Demokratie sichert.

(ll)