POLITIK
10/06/2018 16:59 CEST

Trump und der Westen: Wie Experten die Lage nach dem G7-Eklat einschätzen

Auf den Punkt.

IAN LANGSDON/POOL via Getty Images
Kanzlerin Merkel am Rande des G7-Gipfels mit Trump.

Es war der jüngste in einer Reihe von Schlägen gegen die Nachkriegsordnung:

US-Präsident Donald Trump ist nach dem G7-Gipfel auf seine Partner aus Europa und Nordamerika losgegangen, anstatt einen Kompromiss anzunehmen. Eine Abschlusserklärung wollte er nicht unterzeichnen, twitterte er.

Die Tageszeitung “Die Welt” nennt Trumps Tweet den “Moment, an dem der Westen zerbrach”.

Das klingt endgültig. Aber endet nun die Weltordnung, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist? Endet das Bündnis zwischen den Europäern und den Amerikanern?

Die Lage des transatlantischen Verhältnisses – auf den Punkt gebracht.

Die Fakten zu Trumps Absage:

 Dass ein G7-Gipfel – Teilnehmer sind neben den USA Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und Kanada – ohne eine Abschlusserklärung endet, gab es noch nie, seit der informelle Zusammenschluss der großen Industrienationen 1975 das erste Mal tagte. 

 Beim vorangegangen Gipfel in Sizilien konnten sich die G7-Staaten lediglich beim Thema Klimaschutz nicht einigen, eine gemeinsame Abschlusserklärung gab es aber noch.

 Die G7 waren die zur Gründungszeit mächtigsten und wohlhabendsten Industriestaaten der Welt. Sie sind Teil einer Weltordnung, die auf Diplomatie und Kooperation setzt, auf informelle Treffen oder auf Institutionen wie die Vereinten Nationen. 

 Auch unter US-Präsident George W. Bush suchten die USA immer wieder den Alleingang, etwa im Irak-Krieg – dennoch kommt dem historischen Rückzieher aus der Abschlusserklärung unter Präsident Trump eine besondere Qualität zu.

Was Experten und Politiker sagen:

 Optimistisch oder zumindest nicht ohne Hoffnung gab sich CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier auf Twitter: “Der Westen zerbricht nicht so leicht: Wir alle sind der Westen, wenn wir seine Werte leben & verteidigen. Gerade, wenn es schwer ist.”

 Viele Experten aber fällen ein hartes Urteil über den Zustand der Beziehungen zwischen Europa und den USA.

 “Für Trump ist Diplomatie Zeitverschwendung. Die amtierende US-Regierung ist dabei, die regelbasierte Weltordnung zu zerstören”, sagt Josef Braml der HuffPost. Er ist USA-Experte an der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

 Für ihn steht fest: “Donald Trump hat die traditionelle Partnerschaft mit Europa aufgekündigt – und die EU muss die Konsequenzen ziehen.”

 Für Politikwissenschaftler Braml heißt das, dass Europa nun mehr Einigkeit zeigen muss. “Deutschlands Zauderer müssen den Ernst der Lage begreifen und Macrons Pläne unterstützen, um aus der EU auch eine politische und militärisch handlungsfähige Union zu machen”, sagt er.

 Auch der ehemalige Diplomat und Harvard-Professor Nicolas Burns schätzt die Lage ähnlich ein: “Präsident Trump ist jetzt die größte Bedrohung für die Einheit und den Erfolg unserer Allianz mit Kanada und Europa.” 

 Von einem Ende der Partnerschaft ist bei Burns noch keine Rede. Allerdings in einem weiteren Tweet von einem “diplomatischen Albtraum”. 

Auf den Punkt gebracht:

Das transatlantische Verhältnis nach dem G7-Gipfel als “schwierig” zu bezeichnen, wäre eine heftige Untertreibung.

Eines aber ist klar: Es kriselt mit Trump. Eine deutliche Verbesserung der Beziehungen ist vermutlich erst möglich, wenn er nicht mehr im Weißen Haus sitzt. 

(sk)