POLITIK
16/07/2018 17:11 CEST | Aktualisiert 08/08/2018 17:55 CEST

Trump trifft Putin: "Der erbärmlichste Auftritt eines US-Präsidenten"

Auf den Punkt.

Im Video oben seht ihr, was sich während der Pressekonferenz von Trump und Putin ereignete.

Es ging hitzig los – und endete mit einem erschütternd zahmen US-Präsidenten.

Vor der Pressekonferenz von Donald Trump und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin wurde ein Mann aus dem Saal geworfen. Kurz kam es zu Tumulten.

Der Aktivist, laut Augenzeugen Journalist Sam Husseini, hielt offenbar ein Protest-Schild. Darauf stand laut Angaben von CNN das Wort “Atomwaffensperrvertrag”.

Dann ging die Pressekonferenz los – und damit eine absurde Show des US-Präsidenten, der Putin einen politischen Sieg nach dem anderen schenkte.

Was Putin sagte:

► Wladimir Putin sprach vor der Presse von einem “sinnvollen und erfolgreichen” Gespräch. “Als große Atommächte haben wir eine wichtige Verantwortung für die internationale Sicherheit”, erklärte Putin.

► Heute hätte er mit Trump daher auch über die kritischen Themen der bilateralen Beziehungen gesprochen. Gegenseitige Kritik blieb dann aber aus.

► Putin sagte über eine gemeinsame Politik im Nahen Osten: “Syrien könnte ein erfolgreiches Beispiel der bilateralen Zusammenarbeit werden.”

Was Trump ergänzte:

► Donald Trump lobte Putin für die Fußball-Weltmeisterschaft. Das Turnier sei “eines der besten aller Zeiten” gewesen. “Auch eure Mannschaft war toll”, so Trump zu den Russen.

► Die Beziehung der USA zwischen Russland sei so schlecht gewesen wie nie, sagte Trump. Das habe sich in den vergangenen vier Stunden geändert. “Das glaube ich wirklich”, betonte der Republikaner. 

Auch die USA hätten in der Vergangenheit fatale Fehler gemacht, schob der Republikaner die Schuld auf seinen Amtsvorgänger Barack Obama. 

► Die Kooperation zwischen Russland und den USA in Syrien könnte “hunderttausende Leben retten”, betonte Trump. Er werde aber nicht erlauben, dass der Iran von der Kampagne gegen den IS profitiert.

Experten befürchteten bereits im Vorfeld, dass der US-Präsident Putin gefährliche Zugeständnisse im Nahen Osten machen könnte. US-Außenpolitik-Experte Akbar Shahid Ahmed analysierte etwa in der HuffPost: “Trump hegt seit Längerem die Idee, dass Russland und die USA in Syrien enger zusammenarbeiten könnten – im Idealfall, um sich selbst aus dem Konflikt zurückzuziehen und zugleich Putin dazu zu drängen, den Iran auszuschalten.” Es ist eine Strategie, die wenig aussichtsreich scheint.

Frage zur Öl-Pipeline Nord-Stream in Europa:

Ein Journalist fragte den US-Präsidenten nach seiner Haltung zur umstrittenen Öl-Pipeline Nord Stream 2. Präsident Trump hatte Deutschland dafür kritisiert, sich durch das Projekt von Moskau abhängig machen zu lassen.

Trump antwortete, er habe Putin lediglich als “Gegenspieler” bezeichnet. “Er wird ein guter Gegenspieler sein”, fügte er hinzu. Es sei Deutschlands Entscheidung, er habe mit Bundeskanzlerin Angela Merkel “intensiv darüber diskutiert”.

► Er verstehe aber den Standpunkt der Kanzlerin, ergänzte Trump versöhnlich.

Putin sagte, die USA und Russland seien beide wichtige ”Öl- und Gasmächte”. Zusammen könnten beide Länder die internationalen Märkte regulieren.

Frage zur Zusammenarbeit vor der US-Wahl:

► Trump beteuerte erneut, es habe keine Zusammenarbeit vor der US-Wahl gegeben. Er habe Putin zu dem damaligen Zeitpunkt noch nicht einmal gekannt, argumentierte der US-Präsident.

Auch von russischer Seite dementierte Trump jede Schuld, sagte lediglich: “Wir haben lange über die mutmaßliche Wahleinmischung gesprochen.” Über ein Ergebnis dieser Diskussion sprach Trump nicht, sagte nur: “Putin hat da eine interessante Idee.”

Dann ein Satz, die sich – neben Putin stehend – auch falsch verstehen ließe: “Wir haben mit Abstand die meisten Wahlmänner gewonnen.”

Trump diskreditierte die Ermittlung gegen sein Team und warf Ermittler Robert Mueller vor, dem Land zu schaden.

Mueller ermittelt mit seinem Team gegen das Umfeld Donald Trumps. Es geht unter anderem um illegale Absprachen mit russischen Kontaktpersonen während des Wahlkampfs und in der Übergangszeit zur Präsidentschaft. 

► Danach gefragt, ob er den US-Geheimdiensten glaube oder Putin, warf Trump dem FBI vor, die offenen Fragen um den E-Mail-Server seiner ehemaligen Kontrahentin Hillary Clinton nie geklärt zu haben. Eine Antwort gab er nicht, Kritik an Putin verweigerte er sogar auf Aufforderung. 

Trump sagte stattdessen: “Ich wüsste nicht, wieso sie das tun würden.” Die Antwort gab dann Putin selbst, als er erklärte, er habe Trumps Wahlsieg 2016 begrüßt.

“Washington Post”-Journalistin Ashley Parker schrieb bei Twitter: “Putin, ein Ex-KGB-Agent hat ein gutes Pokerface. Aber sogar er sieht aus, als könne er seinem Glück nicht glauben, während Trump auf fremdem Boden die eigenen Geheimdienste auseinandernimmt und Putin wiederholt lobt.” 

Auf den Punkt:

Völlige Wahnsinnsshow von Donald Trump: Der US-Präsident zerlegte die eigenen Geheimdienste, betonte Fehler der USA – aber brachte keinerlei Kritik an Russland an. 

► Eher entstand der Eindruck: Putin führte Trump hier an der Nase durch die Manege. 

CNN-Host Anderson Cooper nannte Trumps Auftritt im Anschluss “vielleicht einen der erbärmlichsten Auftritte eines amerikanischen Präsidenten an der Seite eines russischen Staatschefs.”

Welche politischen Folgen das Treffen noch haben wird, wird sich zeigen. Klar ist eins: Die neue Zusammenarbeit zwischen Moskau und Washington wird vor allem eine Seite freuen.

Wladimir Putin, der sich in Finnland von Trump reinwaschen ließ.